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Fünftes Kapitel.
Der Name als etwas Ausserliches aufgefasst.
Anders als der Mann aus dem Volke steht der Weise, der Denker dem Namen gegenüber. Ihm liegt das Gleichsetzen von Name und Wesen völlig fern, ja er bringt die beiden sogar in Gegensatz zueinander. Ihm sind(um mit Worten unserer Dichter zu beginnen)“ Namen nur Töne(Lessing Die Namen), Schall und Rauch, umnebelnd Himmelsglut(Goethe im Faust v. 3457);
heilig halten wir die Geister, aber Namen sind uns Dunst(Uhland Freie Kunst). Wenn Wieland(Musarion 1. Buch; W.'s Werke Bd. IX S. 21 Göschen; Leipzig 1794 ff.) meint, die stille Freude besucht uns nur am stillen Bach, in unbelauschtem Schatten, nicht, wo die schöne Welt, aus langer Weile bloss, zu Freuden sich zusammenrottet, an denen nur der Name fröhlich tönt, so berührt sich mit dem Gedanken des Schlusses aufs engste die Stelle aus Eur. Iph. T. 36: ors*ιςα εοοτνε, rouνννοων π ιαά‿αιν μνον (die Göttin Artemis freut sich der Bräuche eines Festes, an dem nur der Name schön klingt). Dagegegen wird man bei Shakespeare die Worte der Julia(Nom. und Jul. II 2): Was ist ein Name? Was uns Rose heisst, Wie es auch hiesse, würde lieblich duften! weniger einer philosophischen Überlegung zuzuschreiben haben als vielmehr ihrer augenblicklichen Leidenschaft.
Gedanken, die den eben erwähnten gleichen, finden wir aber bereits bei Dio Chrysostomus, der(or. XXXVI Bd. II p. 82 Reiske) darüber klagt, dass die Leute wohl die Namen der Dinge, nicht
22, 13: id et privatim parentibus, quorum maæximum nomen in civitatibus est sals, et publice populis gratum erit. ¹ vgl. Grimm Deutsches Wörterb. VII 333 f.


