— 51—
Dieser Sprachgebrauch findet sich dann besonders in der späteren Zeit, im Neuen Testament(z. B. 4Apoc. III 4. XI 13:.... und wurden getötet bei dem Erdbeben siebentausend Namen der Men- schen), bei Marcus Diaconus! u. ö. und noch heute im Neugriechi- schen?; er ist etwa zu vergleichen unserer Verwendung des Wortes Seelen, Seelenzahl u. ä.
Auch dem Lateinischen ist die entsprechende Verwendung des Wortes nomen nicht fremd, z. B. Ov. trist. II 441:
nec minus Hortensi, nec sunt minus improha Serbi carmina; quis dubitet nomina tanta sequi
oder Sil. Ital. Pun. XVII 492:
iamque ardore truci lustrans fortissima quaeque nomina obit ferro eds. Vgl. auch Val. Flacc. Arg. V 118.
Für unsere eigene Sprache sei verwiesen auf ein Wort bei Schiller in der„Geschichte des Abfalls der vereinigten Niederlande“ im ersten Buch(Bd. VII 68 Goedeke), wo er erzählt, Innocenz III. habe bei der Inquisition geistliche Aufsicht und Unterweisung getrennt von der strafenden Gewalt. Dort heisst es:„Um desto sicherer zu sein, dass kein Menschengefühl und keine Bestechung der Natur die starre Strenge ihrer Statuten auflöse, entzog er sie den Bischöfen...... ‚ um sie Mönchen zu übertragen, einer Ab- art des menschlichen Namens“ usw.
Endlich sei noch der Verwendung des Wortes νοα(entspr. nomen und Name) in dem Sinn von Ruhm gedacht. Beim Ruhm und Nachruhm ist ja doch auch der Name die Hauptsache. Was hat ein Held von den grössten Huldigungen, wenn sein Name nicht bekannt ist?s„Nestor, Cicero, Mäcenas, Titus sind kräftige, beseelte Gestalten; ein weiser Greis, ein grosser Redner, ein Gönner der Wissenschaften, ein gütiger Regent sind dagegen nur abgeblasste Schattenbilder“ 4B. Es ist daher ein Zeichen ganz be-
¹ vgl. Nuth de Marci Diaconi vita Porphyrii episcopi Gazensis quaestiones historicae et grammaticae Diss. Bonn 1897 S. 42 f.
2 Alb. Thumb die griech. Sprache im Zeitalter des Hellenismus Strass- burg 1901 S. 123: Wenn aber dνοαh0m☛ Person“..... auch im Neugriechischen (6) oudro„Personen“ in weitester Verbreitung fortlebt, so dürfen wir darin ein weiteres Zeugnis für den griechischen Charakter des Ausdrucks sehen.
3 Auch nach Ciceros Ansicht wird der Ruhm erst mit dem Bekanntsein des Namens vollkommen(Tusc. I 100); vgl. Eustath. p. 1634, 56 dνέ☛ LSur lépera ddad ᷣ äνευν dxuer.
4 Dilthey a. a. O. S. 3.
4*


