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so ists doch immerhin die Angst, dass nach seinem Tode sein Name beschimpft und ihm selbst dadurch vielleicht die Grabes- ruhe geraubt werde. In Eleusis durfte der Name des Priesters, der in die heiligen Mysterien einführte, von keinem der Mysten, ja nicht einmal von seinem Träger selbst, dem Hierophanten, aus- gesprochen werden¹. Das indische Kind erhielt in altvedischer Zeit ausser dem Rufnamen noch einen Geheimnamen, den nur Vater und Mutter kannten?. In Rom durfte kein männliches Wesen den wahren Namen der„guten Göttin“, der Bona Dea, erfahrens. Sogar die Stadt Rom selbst, d. h. ihre Schutzgottheit, hatte noch einen besonderen Namen, der von den Priestern in heiligen Büchern verwahrt wurde, und Flora gelautet haben soll4. Er durfte nicht einmal bei den Opferhandlungen ausgesprochen werden; ein gewisser Valerius Soranus, der ihn verriet, soll mit dem Tode bestraft worden seinö. UÜber den Grund der Geheim- haltung des Namens erzählt Pliniusé folgendes: wenn die Römer eine Stadt belagerten, so war es Pflicht der Priester, den Gott, unter dessen Schutz der Ort stand, anzurufen und ihm die gleiche oder eine höhere Verehrung bei den Römern anzubieten, damit er auf solche Versprechung hin ihnen die Stadt ausliefere. Aus Furcht, die Feinde könnten ein gleiches Verfahren auch Rom
¹ vgl. S. 39, 3.
2 Fh. M. LII(1897) 346, 1.
3 Cic. de harusp. resp. 37:(quod sacrificium) fit ei deae, cuius ne nomen quidem viros scire fas est; vgl. Pauly-Wissowa u. d. W. Bd. V 689.— Uber das Fortleben des Festes dieser Göttin in unserem Volk vgl. Alb. Becker Frauenrecht in Brauch und Sitte(Hess. Blätter f. Volksk. X 1911 bes. S. 152 ff.).
4¹ vgl. Jo. Lydus de mensibus IV 25 S. 89, 17 Wü.: ⁴ ϑ τ⁴ 14009 oroigeia εν oimοαα 1σσάσναςν ro⁸ε dyανα. r0 àνϑν υννντι υνοα⁴ε εi Tν rije Dd e Ti⁴μƷꝙ mᷣ 1οσσ ϑm aντ‿ dαεονν*να⁴. vgl. auch IV 50 u. 51 S. 125, 8 und 126, 16 Wü.
³ Plut. quaest. Rom. 61; Plin. nat. hist. III§ 65; Serv. zu Verg. Aen. I 277: urbis illius verum nomen nemo vel in sacris enuntiat. denique tribunus plebei quidam Valerius Soranus, ut ait Varro et multi alii, hoc nomen ausus enuntiare, ut quidam dicunt, raptus a senatu et in crucem levatus est, ut alii metu supplicii fugit et in Sicilia comprehensus a praetore praecepto senatus occisus est. Cuno Etrusk. Studien(Fleckeis. Jahrbb. XXVIII 1882 573) hält dies, wohl nicht mit Unrecht, für ein Geschichtchen, das man sich im Volk erzählte.
⁸ nut. hist. XXVIII§ 18(vgl. Macrob. Sat. III 9, 4): Verrius Flaccus auctores ponit, quibus credat in oppugnationibus ante omnia solituni a Romanis sacerdotibus evocari deum, cuius in tutela id oppidum esset promittigue illi eun- dem aut ampliorem apud Romanos cultum, et durat in pontificum disciplina id sacrum constatque ideo occultatum in cuius dei tutela Roma esset, ne qui hostium simili modo agerent.


