— 44—
packt seinen linken Fuss und reisst sich selbst mitten entzweil. Auch die weniger bekannte Sage vom König Olaf sei hier er- wähnt:²: König Olaf von Norwegen gedachte eine Kirche zu bauen, so gross und schön wie keine andere. Aber er sah ein, dass es nicht möglich sei, ohne sein Reich sehr zu beschweren. In dieser Kümmernis erbot sich ihm ein Riese, den Bau ganz allein zu voll- bringen, und verlangte als Lohn Sonne und Mond oder den heiligen Olaf selbst. Obgleich Olaf nun einen Plan entwarf, dessen Aus- führung ihm unmöglich schien, stand der Bau bald fertig da; nur noch Dach und Spitze fehlten. Neubekümmert über den einge- gangenen Handel wandelte Olaf über Berg und Tal; da hört er plötzlich in einem Berg ein Kind weinen und zu seiner Beschwich- tigung eine Riesenfrau singen:„Ziss, ziss! morgen kommt Wind und Wetter, dein Vater, heim und bringt mit sich Sonne und Mond oder den heiligen Olaf selbst!“ Voll Freude kehrt der König heim, und als der Riese eben dem Bau die Spitze aufge- setzt, rief Olaf: . Vind och Veder!
du har satt spiran sneder!³
Da fiel der Riese mit entsetzlichem Krach von dem Kamm der Kirche herab und zerbrach in viele Stücke.
Von dieser Art gibt es noch andere Sagen und Märchen4. Ich möchte ausserdem noch an ein Stück erinnern, dem ja auch ein Märchen zugrunde liegt, an Schillers Turandot, wo ganz ent- sprechend wie in den eben angeführten Beispielen Kalaf gleich- falls unter der Bedingung sich bereit erklärt, sein Haupt zum Opfer zu geben, wenn Turandot ihm seinen und seines Vaters Namen zu nennen vermag.
Wie aber der Geist durch Geheimhalten seines Namens sich gegen den Menschen zu schützen sucht, so ist auch dieser durch das gleiche Mittel bestrebt, sich dem schädigenden Einfluss böser Dämonen zu entziehen. Dieses Verschweigen des Namens zum Schutz der Person finden wir z. B. bei Euripides, wenn er den Orest sagen lässtꝰ:
Nicht kann mich Spott je treffen, sterb ich namenlos. Handelt es sich hier auch nicht um Furcht vor einem bösen Geist,
¹ vgl. das ganz ähnliche Märchen bei Zingerle Kinder- u. Hausmürchen aus Türol Nr. 36(Purzinigele).
² Grimm Myth. I 454.
3 Wind und Wetter! du hast die Spitze schief gesetzt! 4 vgl. Polle 8. 115 f.
5.,— Iph. T. 502: Aνννιιο 9α⁴e νταεμς od vμενν dν.


