Aufsatz 
Die Bedeutung des Namens im Kult und Aberglauben : ein Beitrag zur vergleichenden Volkskunde / von Wilhelm Schmidt
Entstehung
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Name doch einmal genannt, so wird alsbald einEr ruhe sanft oderGott habe ihn selig zugefügt, Wendungen, die die Be- rufung gleichsam aufheben sollen. Dass die alten Römer darin auch so empfanden, zeigt uns ihre Benennung für die Seelen der Verstorbenen, die sie mit dem farblosen Ausdruck manes, d. h. die Guten, zu bezeichnen pflegten. Noch deutlicher belehrt uns Plinius?, wenn er sagt:Warum erklären wir, sobald wir die Toten erwähnen, dass wir ihr Andenken nicht stören wollen? und eine Stelle aus der(unter Senecas Namen gehenden) Tragödie Octavias, wo es heisst:Steh ab, weiter zu klagen, und störe nicht die Manen deiner Mutter in ihrem Schlummer!

Bei manchen Völkern wird daher der Name der Verstor- benen geändert; man kann danh beruhigt unter Anwendung des neuen Namens von ihnen sprechen; sie kennen ihn ja nicht und werden infolgedessen durch ihn auch nicht aus ihrer Ruhe aufgeweckt. Wir wissen, dass auch bei den Griechen der Brauch, den Toten einen anderen Namen beizulegen, nicht unbekannt war. Der Grund für solches Handeln kann indes ein ganz anderer gewesen sein als der von den Alten angegebeneb; auch hier besteht zum mindesten die Möglichkeit, dass man damit weiter nichts bezwecken wollte, als eine Wiederkehr des Toten zu verhinderné. Aus diesem Anlass geschieht ganz dasselbe in Ostasien. In China erhält selbst der Kaiser nach seinem Tode einen besonderen Namen. Auch in Japan gibt man dem Verstorbenen einen neuen Namen und nennt ihnden Begleitenden, weil er damit zugleich in die Schar der Seligen aufgenommen wirds. Der Ostafrikaner? be- trachtet es als eine Beleidigung, wenn jemand in seiner Gegenwart

¹ vgl. Ovid trist. III 3, 74 f.: at tibi qui transis, ne sit grave quisquis amasti, dicere, Nasonis molliter ossa cubent. nat. hist. XXVIII§ 23: cur ad montionem defunctorum testamur memo- riam eorum a nobis non sollicitari? Die Frageform zeigt uns aber auch zu- gleich, dass ihm, und wohl vielen mit ihm, der Ursprung dieses Brauches nicht mehr verständlich war. ³ v. 269 f.: renovare luctus parce cum fletu ipso manes parentis neve sollicita tude. 4 Hermippos ed. Kroll u. Viereck 26, 7: d rodro αld uy Sεεοα νενα 720ονι ⅜eq|ꝗς ⁴ςσmOάααάνταιαάα de εαν d 16 dnoννινν ινσνασεα. vgl. S. 48, 4. vgl. W. Kroll Rh. M. LII(1897) 346. Andree 183; vgl. 177. vgl. E. v. Kudriaffsky Japan Wien 1875 S. 51. Andree 182.

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