Aufsatz 
Die Bedeutung des Namens im Kult und Aberglauben : ein Beitrag zur vergleichenden Volkskunde / von Wilhelm Schmidt
Entstehung
Einzelbild herunterladen

da warnt ihn Wagner ängstlich: Berufe nicht die wohlbekannte Schar usw. So machen wir es noch wie die Griechen und geben dem Ding einen anderen Namen: bereits erwähnt ist Freund Hein für den Tod; den Teufel nennen wirGottseibeiuns, und im Druck wird das Wort wohl manchmal noch durch T*** oder T wieder- gegeben; denn auch er ist auf den Ruf alsbald da wie jene Geister, von denen Wagner sagt: Sie hören gern, zum Schaden froh gewandt, Gehorchen gern, weil sie uns gern betrügen.

So heisst es auch im Sprichwort:Sprich vom Teufel, und du siehst seine Hörner. Diese Furcht zeigt sich in gleicher Weise in manchen Gegenden auch gegenüber Raubtieren, die dem Men- schen gefährlich werden können. Man glaubt, auch sie kommen herbei, wenn man von ihnen redet, um den Frevler anzupacken. Daher stammen Sprichwörter wie:Wenn man vom Wolkf redet, guckt er über die Hecke¹, die sich auch in anderen Sprachen finden. Als man diesen ursprünglichen Grund vergessen hatte, oder auch, um jene Furcht ins Lächerliche zu ziehen, sagte man dann freilich auch:Wenn man den Fsel nennt, kommt er auch gerennt. Bei den Dänen dürfen in der Zeit von Weihnachten bis Lichtmess(2. Februar), wo die Geister besonders herumschwär- men, die schädlichen Tiere, wie Wölfe, Bären u. dgl., nicht ge- nannt werden; haben Leute einen von diesen Namen, so wird er nicht selten geändert, um ja nicht durch ihn etwa einen bösen Geist heranzurufen?. In Norddeutschland vermeidet man es in der Zeit von Weihnachten bis Dreikönigstag das WortMaus auszusprechen, weil nach dortigem Glauben die Elfen in dieser Zeit ihren Umzug in Mausgestalt halten; man sagt daher statt dessenBönlöper(= Bodenläufer) oder einfachDinger ³. Die Lappländer nennen die Bärenden alten Mann mit dem Pelz- rocke. In Asien empfindet man eine gleiche Abneigung, vom Tiger zu sprechen; in Annam heisst erGrossvater oderHerr; in Sumatra sagt mandie wilden Tiere oder auchdie Vorfahren¹.

Vor allem aber vermeidet man es allgemein, die Namen der Toten zu nennen, weil man fürchtet, man störe sonst ihre Ruhe und der Geist komme zu dem, der ihnberufen. Wird der

Wilh. Medikus Das Tierreich im Follsmund Leipzig 1880 S. 111. vgl. v. Andrian a. a. O. S. 124.

3 Wuttke 168.

* Tylor Vrg. 183.