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die stille Hoffnung gehegt wurde, sie möge sich des Namens würdig erweisen ¹. Entsprechend zu bewerten ist die deutsche Be- zeichnung des Todes als„Freund Hein“², welche die nieder- deutsche Koseform Hein(für Heinrich) anwendet, ebenso wie von der Form Heinz der Name der Heinzelmännchen abgeleitet ist. Freund Hein ist eine volkstümliche Umschreibung, die bereits im Mittelalter für den Teufel und allerlei gefürchtete Wesen, neuer- dings ausschliesslich für den Tod gebraucht wird. Bereits die Alten, Griechen wie Römer, nannten diesen König der Schrecken nicht gern beim rechten Namen, ebensowenig gefährliche Krank- heiten; denn auch diese finsteren Gewalten leisten dem Ruf Folge, wenn sie ihren Namen hören, und was sie dann mit dem Unglück- lichen, der sie aufgestört, beginnen, ist nicht abzusehen. Aus dieser Besorgnis erklären sich die sogenannten euphemistischen Ausdrücke wie 1ν ναο,„i dο und entsprechend si quid(humanitus) mihi accideritt, die meist den Sinn haben: falls mich der Tod ereilen sollte. Dass auch unsere Zeit noch ganz genau so empfindet, zeigt sich in der noch jetzt üblichen Um- schreibung des Ausdrucks, für die ich als klassisches Beispiel die Stelle aus Schillers T'ell(I 1) anführen möchte, wo der Held des Dramas zu dem Hirten sagt: Landsmann, tröstet Ihr Mein Weib, wenn mir was Menschliches begegnet. Auch sonst können wir täglich beobachten, dass unser heutiges Volk in dieser Furcht den Alten keineswegs nachsteht. Was will doch jenes„unberufen“, das man so oft hören kann, anders be- sagen, als dass man das Gefürchtete, das man genannt, nicht„be- rufen“ d. h. zum Kommen veranlasst haben will? Als Faust sagt: O gibt es Geister in der Luft, Die zwischen Erd und Himmel herrschend weben, So steiget nieder aus dem goldnen Duft usw.,
¹ Ebenso ist euphemistisch aufzufassen der von Gruppe Hdb. V 2 S. 389 für eine Hadesbezeichnung angesehene Name des Pontos Euxeinos d. h. das gastfreundliche Meer für das unfreundliche Schwarze Meer, das zuerst Pontos Axeinos hiess(Plin. nat. hist. VI 1), und die Wörter αοτeοᷣe und ddννιοε d. h. „die gute Seite, die Seite mit dem guten Namen“, für die gefürchtete und als ungünstig verrufene linke Seite; vgl. Eust. p. 1398, 51; Et. M. 143, 22; s. auch Pauly-Wissowa Bd. XI 1156 u. d. W. Euonyme.
² Bei Matthias Claudius 1774 in der Schreibung Hain; vgl. Fr. L. K. Weigand Deutsches Wörterbuch 5. Aufl. Giessen 1909 Bd. I 838.
² Beispiele bei Passow u. d. W. τ⁴ααόφχα.
¹ Belege im Thes. ling. Lat. Bd. I 292 f.


