Aufsatz 
Die Bedeutung des Namens im Kult und Aberglauben : ein Beitrag zur vergleichenden Volkskunde / von Wilhelm Schmidt
Entstehung
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einzelnen Völkern und Religionen zu dieser Anschauung geführt haben: bei den einen entspringt das Verbot ihrer Ehrfurcht, bei den anderen ist es eine Folge der Angst vor dem mächtigen Geist, der sich dafür rächt, wenn man ihn durch unnötiges Aussprechen seines Namens aus seiner Ruhe stört und zwecklos zu erscheinen nötigt. Bei den Indern ist der Name Brahma etwas Heiliges und darf nur bei feierlichen Gelegenheiten ausgesprochen werden:; die Mohammedaner nennen den Namen Allah zwar sehr oft, aber dieses Wort ist ja nicht dergrosse Name, sondern nur ein Bei name?; dass es bei den Juden heisst: du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen(2. Mos. XX 7), bedarf kaum der Erwähnung. Bei den orphischen Mysterien durften die Namen der verehrten Götter nicht genannt werden, sondern wurden durch Umschreibung ersetztsè. Viele Naturvölker endlich hüten sich aus dem soeben genannten Grund vor der unnötigen Nennung ihrer Götter. Genau so verfährt aber auch der aber- gläubische Mensch bei Wesen, mit denen er nicht in nähere Be- rührung zu kommen wünscht. So scheute sich mancher Grieche, den Namen Apollos, des Verderbers(vgl. S. 14 f.), auszusprechen?; auch die Erinnyen zu nennen verursachte ihm Zittern und Beben; sie heissen geradezudie namenlosen Göttinnen?; kann man ihre Bezeichnung nicht vermeiden, so wird sie ersetzt durch einen Namen guter Bedeutung: die Eumeniden d. h. die Gnädigen. Noch heute heisst bei den Neugriechen die Krankheitsteufelin der Blattern die Schonendes, wo auch wohl bei der Wahl des Ausdrucks

¹ Ebenso ist es als Ausdruck der Verehrung aufzufassen, dass die Hindu- frau den Namen ihres Gatten nicht nennen darf; sie spricht von ihm alsEr oderder Herr usw. Eine Frau kann eine andere dort nicht tiefer kränken, als wenn sie ihr vorwirft, den Namen ihres Mannes ausgesprochen zu haben; es gilt dies als Verbrechen, das ihr nicht leicht verziehen wird. Vgl. Tylor Urgesch. 180.

² Tylor Urgesch. 183.

E. Maass Orpheus München 1895 S. 69 f.

* Bastian in d. Zeitschr. f. Völkerpsgchologie V(1868) 177.

5 Plat. Cratyl. 21 p. 404 E: raurdòy Je var regi Anrα, ömeo leyw, roAAdor ε̈σ ενννᷣνναηmO‿ε τò drοα το ϑεοd, de ε ³ινον uμννεονe. Vgl. p. 404 C: hedoépara, odot utr val roντο ροννa τ ν α τν ν, εe⁴ amπνειο⁶αςε, soινεκν doνoον ονιστοs.

6 Soph. 0. C. 129: a. T9 G‧⁊ 1«pe.

7 Eurip. Iph. T. 943 f.: 2. z36 AS,æ Jy 5 Ineεννᷣ Adobtaæs,

Ola» raοανεν ra νιμμοε eaxng. Vgl. E. Rohde Fh. M. IL.(1895) 17 ff.; 20, 3; Psyche?² I 174, 1. 3 Bastian a. a. O. S. 175; Grimm Myth. II 972.