Aufsatz 
Die Bedeutung des Namens im Kult und Aberglauben : ein Beitrag zur vergleichenden Volkskunde / von Wilhelm Schmidt
Entstehung
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belebt von der glänzenden Götterwelt, die Kraft, Ruhm und Stärke preisen, finden wir wohl bei den Griechen, aber nur selten bei den ganz auf das praktische Leben den Sinn richtenden Römern, die sich vielmehr im wesentlichendurch eine entsetzlich haus- backene Namengebung auszeichnen(Polle 109). Teilweise nennen sie die Kinder einfach mit Ordnungszahlen, wie es auch die wilden Völker machen.

Daneben erscheint ihneneine körperliche Eigenheit, eine hauswirtschaftliche Einrichtung, der Anbau von Kichern und Linsen, die Zucht von Schweinen und Fischen wichtig genug, um als charakteristisches Kennzeichen fixiert zu werden 2. Es sei hier

nur an Namen erinnert wie Nasica= Spitznase, Capito= Dick- kopf, Verres= Schwein, Fabius(von faba)= Bohnenmann,

Lentulus, wohl von lens, also Linsenmann, Cicero und Piso, von cicer und pisums, demnach Erbsenmann,wie gerade ein jeder eine Art am besten zu säen verstand, sagt Plinius. Nur gelegent- lich finden sich auch bei der römischen Namengebung Götter- namen verwendet. So ist der Name Mamercus abgeleitet von dem Namen des Gottes Mamers, Iunius von Iuna(Nuno), Statorius von Iuppiter Stator, Venerius von Venus; bisweilen finden sich Benennungen nach heiligen Tieren, z. B. Aquilius, Cervius, Porcius, Ursius u. a. Erst später, in der Zeit des religiösen Verfalls, findet sich auch der Gottesname ohne Umbildung dem Menschen bei- gelegtꝰ.

Khnlich den griechischen reden ja auch unsere deutschen Namen(d. h. Vornamen) von Kampf und Sieg, Ehre und Ruhm und werden meist so gewählt, dass sie eine glückliche Vorbedeu- tung haben. Es beruht dies auf der bei sehr vielen Völkern ver- breiteten Meinung?, dass der Mensch so ist, wie sein Name aus-

¹ Ploss I 169.

K. Dilthey a. a. O. S. 2.

³ Anders abgeleitet bei Plinius; s. d. folg. Anm.

¹ nat. hist. XVIII§ 10 cognomina etiam prima inde, Pilumni qui pilum pistrinis invenerat, Pisonis a pisendo, iam Fabiorum, Lentulorum, Ciceronum, ut qGuisgue aliquod optume genus sereret.

b vgl. H. Usener a. a. O. 356 f.

s⁸ vgl. Herm. Boll 430 deutsche Vornamen Leipzig 1889; andere Lit. in den Hess. Blättern f. Vollsk. X(1911) 169 ff.; s. auch A. Bähnisch Die deut- schen Personennamen(Aus Natur u. Geisteswelt Bd. 296) Leipzig 1910; Ferd. Vetter Uber Personennamen und Namengebung in Bern und anderswo(Berner Universitäts-Schriften I) Bern 1910.

7 Andree 171.