Aufsatz 
Die Bedeutung des Namens im Kult und Aberglauben : ein Beitrag zur vergleichenden Volkskunde / von Wilhelm Schmidt
Entstehung
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Verhältnissen bei der Geburti gewählt werden, z. B. nach dem Tag. So heisst jener Philosoph, der an den Karneen geboren ist, Karneades?. Weil Autolykos bei der Geburt seines Enkels vielen zürnend, n⁴⁴2οσι 5ιιυσeνενοo das Haus betritt, darum gibt er dem Neugeborenen den Namen Odysseus. Solche Be- nennung nach dem Handeln oder Erlebnis eines anderen findet sich öfter. So erhält Astyanax(= Stadtbeherrscher) seinen Namen, weil sein Vater die Stadt beschirmt und beherrscht, Epaphos den seinigen?, weil Zeus die Mutter berührte(eτπααα). Zethos ist nach Euripidesé deshalb so genannt, weil seine Mutter rονοαωσι 8νν⁴ςιισν ενφτν ε. Im übrigen suchten die Menschenvon jeher in der sie umgebenden Natur nach Gestalt und Gleichnis, wobei sie sogar wirkliche Kraft und Einfluss der gewählten Gegen- stände auf das Leben selbst, wenigstens eine günstige Weissagung vorauszusetzen geneigt waren s. Hierher gehören in erster Linie Namen, die von Göttern? oder ihren Beiworten entlehnt sind, oder auch von Festen z. B. Diomedes(von Zeus), Apollonios, Artemidor; Bromios, Euios, Thyonidas; Apaturios, Anthesterios, Bendidios. Man will durch diese Wahl das Kind ihrem beson- deren Schutz empfehlen ¹⁰, ein Vertrauen, das heute noch in katho-

¹ Ploss I 171 f. gibt eine interessante Zusammenstellung für diese Er- scheinung bei aussereuropäischen Völkern.

² Plutarch quaest. conviv. VIII 1, 2. vgl. J. Vürtheim Mnemosyne XXXI (1903) 238. Auch heute noch erhält in katholischen Ländern oft das Kind den Namen, der am Tage seiner Geburt auf dem Kalender angegeben ist; vgl. Andree 167, der auch entsprechende Beispiele für andere Völker bietet. Neben- bei sei hier daran erinnert, dass in manchen Gegenden, besonders in solchen, in denen die Bevölkerung sich zum grössten Teil aus Hirten zusammensetzt, auch die Tiere nach dem Tag oder Monat, in dem sie geboren sind, benannt werden, gelegentlich auch(z. B. in der Schweiz) nach dem Namen des in der Familie gleichzeitig geborenen Kindes: vgl. darüber Elard H. Meyer Deutsche Volkskunde Strassburg 1898 S. 135; Ploss I 189.

³ Od. XIX 400 ff.; vgl. Soph. frg. 830 p. 335.

4 11. VI 402. 476; XXII 506; vgl. Plat. Cratyl. p. 392 E.

s Aesch. Prom. 851. Suppl. 47. 314.

6 Antiope frg. 181 p. 413 N'.

: Ober diese falsche, von Aristophanes verspottete Etymologie vgl. unten S. 16.

8 J. Grimm Kl. Schriften II 382.

» J. Sittig de Graecorum nominibus theophoris Diss. Halle 1911.

zo vgl. Guhl und Kohner Das Leben der Griechen Berlin 1893, 332. In Familien, in denen sich schon durch Geschlechter hindurch die Heilkunst ver- erbte, findet man den Namen des Asklepios, wodurch man sich eben besonders