Aufsatz 
Chronik des Gymnasiums zu Marburg von 1833 - 1883 / [Friedrich Münscher]
Entstehung
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kalische Abend-Unterbaltung veranstaltet, bei welcher mehrere ehemalige Schüler des Gymnasiums mitzuwirken die Gefälligkeit hatten. Am Sedanfest den 2. September schilderte G.-L. Pfarrer extr. Vogt in eingehender Weise das Leben des Feldmarschalls Grafen Moltke.

Durch Beschluss des Königl. Provinzial-Schulcollegiums vom 29. August wurde G.-E.-L. Emil Müller vom 1. September an mit den Geschäften der Rendantur und Rechnungs- führung der Gymnasialkasse beauftragt und trat diese Stelle am 7. September an.

Das Reformationsfest wurde am Nachmittag des 31. October in der Aula des Gymna- siums in herkömmlicher Weise gefeiert; am 19. November war die gemeinsame wöchentliche Andacht dem Andenken an die heilige Elisabeth gewidmet.

Am 7. Februar wurde von dem Sängerchor des Gymnasiums mit Instrumental-Be- gleitung, bei welcher einige Musikfreunde aus hiesiger Stadt mitzuwirken die Güte hatten, unter der Leitung des GEL. Müller die Glocke von Schiller, componiert von Rom- berg, vorgetragen. Dabei wurde in der Pause Schillers ⸗die Macht des Gesanges« und zum Schluss Goethe's Epilog zu Schillers Glocke declamiert. Am Geburtstag Seiner Majestät des Kaisers den 22. März wurde ein Harmonium, welches aus dem Ertrag der musikalisch-declamatorischen Abend-Unterhaltungen für den Preis von 305 Mk. angekauft und von den Schülern dem Gymnasium zum Geschenk gemacht worden war, zum ersten Mal zur Begleitung der Choräle in Gebrauch genommen. Die Festrede hielt Dr. Wil- helmi über Feldmarschall Gneisenau, namentlich über dessen Verdienste in der Zeit der Freiheitskriege. Unmittelbar vor dem Schluss des Schuljahres langte die Ministerial-Ver- fügung vom 31. März 1882 an, durch welche wesentliche Aenderungen im Lehrplan der Gymnasien, namentlich in Betreff des griechischen, französischen und naturwissenschaft- lichen Unterrichts vorgeschrieben wurden. Der ÜUnterricht im Griechischen solle künftig erst in Untertertia beginnen, aber bis Obersecunda in wöchentlich 7 Stunden ertheilt werden; der Unterricht im Französischen solle in Quinta auf 4, in Quarta auf 5 wöchent- liche Stunden ausgedehnt, der Unterricht in der Naturkunde in allen Classen auf 2 wöchentliche Lehrstunden gebracht werden.

Das Schuljahr 1882/83 wurde in Abwesenheit des beurlaubten Directors vom Prorector Professor Dr. Collmann am 20. April eröffnet. Zugleich trat Dr. Weingärtner, welcher bisher Lehrer an der höheren Bürgerschule zu Hersfeld gewesen und durch Ver- fügung vom 27. März 1882 als ordentlicher Lehrer an das hiesige Gymnasium versetzt worden war, sein Amt an. Dagegen war leider Gymnasiallehrer Pfarrer extr. Vogt bis zu Pfingsten durch Krankheit an Ertheilung von Unterricht verhindert. Den sprach- lichen Theil seiner Lectionen übernahm der seit Herbst 1881 am hiesigen Gymnasium be- schäftigte Probe-Candidat Dr. Adolf Stamm.

Am 30. April Nachmittags 5 Uhr entschlief nach kurzem Krankenlager unser lang- jähriger College Dr. Karl Ritter, der im Herbst 1878 auf sein Nachsuchen in den

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