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Am 14. März fand, wie alljährlich, in der Aula des Gymnasiums unter der Leitung der Gymnasiallehrer Dr. Wiskemann und Müller eine musikalisch-declamatorische Abend-Unterhaltung statt. Schüler der Prima trugen Göthe’ Iphigenie vor, und an den Haupt-Abschnitten des Stückes wurden von dem Sängerchor aus Glück's Iphigenie ent- sprechende Chöre gesungen.— Am Geburtstag Seiner Majestät des Kaisers, am 22. März, hielt Dr. Eberhard die Festrede über den ersten Kurfürsten von Brandenburg aus dem Haus der Hohenzollern, Friedrich I.
Mit Beginn des Schuljahrs 1879/80 trat Dr. Karl Weidenmüller, bisher ordent- licher Lehrer am Gymnasium zu Fulda, der zum Oberlehrer befördert und an das hiesige Gymnasium versetzt worden war, in sein neues Amt ein.
Bei der von dem akademischen Senat am 28., 29. u. 30. Mai veranstalteten Einweihungs- Feier des neuen Universitäts-Gebäudes hatte der Director des hiesigen Gymnasiums die Ehre, den 28. Mai Abends im Namen sämmtlicher Gymnasien der Provinz deren Glückwünsche aussprechen und eine von allen Gymnasiallehrern unterzeichnete lateinische Votiv-Tafel dem Rector Magnificus überreichen zu dürfen.— Am 11. Juni fand zur Feier der goldnen Hochzeit Ihrer Majestäten des Kaisers und der Kaiserin in der Aula des Gym- nasiums ein Rede-Akt unter Begleitung von Declamationen und musikalischen Vorträgen statt. In der Festrede schilderte der Director, welche Segnungen wir der in unserem Staat bestehenden erblichen Fürstenmacht verdanken.— Dem Gymnasium zu Corbach, dessen 300 jähriges Jubiläum am 3. Juli gefeiert wurde, sprach das Lehrercollegium des hiesigen Gymnasium seine Glückwünsche in einer Abhandlung aus, welche von dem Director verfasst war und»von dem historischen Charakter des Gymnasiums« handelte.— Bei der Jubiläumsfeier des Lyceums zu Cassel vom 13. bis 15. August war das hiesige Gymnasium durch den Director und durch Oberlehrer Dr. Weidenmüller vertreten. Letzterer, welcher einige Zeit Lehrer an jener Anstalt gewesen war, hatte zur Beglück- wünschung eine Abhandlung mit dem Titel:»Naturwissenschaft als Bildungsmittel des idealen Sinnes« verfasst, die im Namen des hiesigen Gymnasiums überreicht wurde.
Bei dem Sedanfest am 2. September hielt Dr. Wiskemann die Festrede, indem er Friedrich II. und Lessing als Beförderer des deutschen Nationalbewusstseins schilderte. Bei der Vorfeier des Geburtstages Sr. Maj. des Kaisers am 20. März hielt der Director eine Rede über den Freiherrn von Stein als Vorbild deutscher Gesinnung.
An der Eröffnung des Schuljahrs 1880/‚1 nahm OL. Dr. Philipp Braun keinen Antheil, da er von dem Königlichen Provinzial-Schulcollegium zu einer Reise nach Italien und Griechenland auf ein Jahr beurlaubt worden war. Zum Ersatz für ihn trat der Schulamts-Candidat Theodor Kausel ein. Als aber einige Monate später nicht nur GL. Fritze, sondern auch Candidat Kausel zur Erfüllung einer 6 wöchentlichen militärischen Dienstleistung einberufen wurden, so trat das Bedürfniss von Stellvertretern wieder hervor. Dieser Verlegenheit wurde dadurch abgeholfen, dass das Königliche Prov.-
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