Aufsatz 
Chronik des Gymnasiums zu Marburg von 1833 - 1883 / [Friedrich Münscher]
Entstehung
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dass ein früherer Schüler unseres Gymnasiums, der Studiosus der Philologie Karl Ende- mann, mit nachträglicher Genehmigung des Kön. Provinzial-Schulcollegiums einen grossen Theil der für Fritze bestimmten Lectionen auf einen Monat übernahm. Später wurde dem Mangel an Lehrkräften dadurch abgeholfen, dass das Königliche Provinzial-Schul- collegium den Schulamts-Candidaten Wilhelm Schunk, welcher bisher an dem Gym- nasium zu Kassel thätig gewesen war, dem hiesigen Gymnasium zur Aushülfe zuwies.

Vom 16. bis 18. Mai wurde durch Provinzial-Schulrath Rumpel eine Revision des Gymnasiums vorgenommen, die mit einer Lehrerconferenz zur Berathung über Unterricht und Erziehung schloss.

Am 3. Juni versammelten sich vor Beginn der Lectionen in der Aula des Gymnasiums Lehrer und Schüler, um für die Errettung unseres Kaisers aus Mörderhand Gott Lob und Dank zu sagen. Zugleich wurde im Namen des Gymnasiums ein Telegramm an Seine Majestät abgesendet.

Am 29. Juli, als nach den Sommerferien die Lectionen wieder ihren Anfang nahmen, kehrte G.-L. Fritze zu allgemeiner Freude als genesen zu uns zurück und übernahm wenigstens einen Theil seiner Lehrstunden. Die Rede am Sedanfest hielt Dr. Philipp Braun über die Frage: was fordert das Sedanfest von uns.

Am 24. September langte das Rescript an, durch welches O.-L. Dr. Buchenau zum Director des Gymnasiums zu Rinteln berufen wurde, und am 4. October traf die Ver- fügung ein, durch welche GL. Dr. Philipp Braun zum Oberlehrer befördert wurde.

Am 17. October, als das Winterhalbjahr begonnen, theilte der Director den Schülern mit, dass Prorector Dr. Ritter auf sein Nachsuchen in den Ruhestand versetzt worden sei, und ermahnte sie, das Andenken dieses Lehrers, der 46 Jahre lang dem hiesigen Gymnasium seine Thätigkeit mit grossem Eifer gewidmet habe, in treuem Herzen zu be- wahren. Von dieser dankbaren Gesinnung gaben die Schüler der oberen Classen ihrem bisherigen Lehrer auch wenige Tage nachher am 26. October, seinem Geburtstag, einen öffentlichen Beweis, indem sie ihm mit Erlaubnis der vorgesetzten Behörden eine Fackel- musik brachten. Mit der Verkündigung in Betreff Dr. Ritters verband der Director noch die andern, dass O.-L. Dr. Buchenau von Seiner Majestät dem Kaiser zum Director des Gymnasiums in Rinteln ernannt worden sei, und dankte diesem, der persönlich er- schienen war, im Namen des Gymnasiums für seine 23 jährige treue und eifrige Amts- thätigkeit, kurz für alles, was er Lehrern und Schülern Gutes erwiesen. Hierauf nahm Director Buchenau in herzlichen Worten von seinen bisherigen Collegen und Schülern Abschied. Zugleich begann an diesem Tag der Schulamts-Candidat Albert Wagner aus Minden, welcher mit Unterricht in Mathematik und Naturkunde beauftragt worden war, seine Thätigkeit; ebenso einige Zeit später der Schulamts-Candidat Joseph Stanger aus Fulda. Beide schieden jedoch schon nach einem halben Jahr aus unserem Gymnasium, der erstere, um G.-L. am Gymnasium zu Fulda zu werden.