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eines Gedichts seinem früheren Collegen, Dr. Soldan, zu dessen 50 jährigem Doctor- Jubiläum die herzlichsten Glückwünsche ab.— Montag den 1. März wurde im grossen Hör- saal Schillers Glocke, componiert von Romberg, von dem Sängerchor des Gymnasiums mit Begleitung von Instrumentalmusik unter Leitung des Gesanglehrers Müller aufgeführt. Der Geburtstag Seiner Majestät des Kaisers wurde am 22. März mit besonderer Freude und Dankbarkeit gefeiert. Drei Tage vorher hatte nämlich das Gymnasium durch die Fürsorge der Königlichen Staatsregierung aus der Fabrik von Blüthner in Leipzig einen trefflichen Concert-Flügel zum Preis von M. 1500 erhalten, wodurch die musikalischen Aufführungen bedeutend gewonnen haben. Die Festrede hielt G.-L. Krause über die politischen Ansichten des Philosophen Leibnitz. Durch höhere Verfügung vom 23. März wurde Oberlehrer Dr. Buchenau in gleicher Eigenschaft an das Gymnasium zu Kassel versetzt und verliess mit Ende der Lectionen unsere Anstalt, ein grosser Verlust für dieselbe.
Bei Eröffnung des Schuljahrs 1875/76 traten zwei neue Lehrer ein, als Hülfslehrer Wilhelm Wilhelmi, als beauftragter Lehrer August Fritze aus Wiesbaden.— Die Turnfahrt, welche am 11. und 12. Juni unter der Leitung des Turnlehrers Müller und der Lehrer Wilhelmi und Fritze in den Taunus, namentlich zur Saalburg und auf den Feldberg unternommen wurde, fiel zur Befriedigung der Theilnehmer aus.
Am Schluss des Sommersemesters den 18. September schieden aus dem Lehrer- collegium zwei Männer aus, welche sich um unsere Anstalt sehr verdient gemacht haben. Oberlehrer Pfarrer extr. Theodor Dithmar, welcher am 31. Mai 1837 seine Thätigkeit am hiesigen Gymnasium begonnen hatte, trat nach mehr als 38 jähriger Wirksamkeit auf sein Ansuchen in den wohlverdienten Ruhestand. Das Gymnasium verlor in ihm seinen Poeten und einen namentlich für deutsche und griechische Dichtungen begeisterten Lehrer, die Schüler einen Mann, welcher der Jugend von Herzen zugethan war. Ausser ihm schied Gymnasiallehrer Dr. Julius Rothfuchs, welcher unserm Gymnasium zuerst als beauf- tragter Lehrer vom November 1860 bis Weihnachten 1861 angehört hatte, dann, nachdem er drei Jahre ordentlicher Lehrer am Gymnasium zu Schwerin gewesen, am 4. Januar 1864 aufs Neue seine Thätigkeit am hiesigen Gymnasium begonnen hatte,— um die Stelle des 3. Oberlehrers am Gymnasium zu Hanau einzunehmen. Während seiner ge- sammten Thätigkeit, sowohl als Religions- wie als Sprachlehrer, hat er durch seine Pflicht- treue sowie durch seine pädagogische und didaktische Tüchtigkeit sich die Achtung und Anbänglichkeit seiner Collegen und Schüler erworben.— Zum Ersatz für die eben ge- nannten Lehrer traten bei Beginn des Winterhalbjahrs am 11. October zwei andere ein, nämlich ein uns längst befreundeter, Oberlehrer Dr. Buchenau, welcher auf seinen Wunsch durch Verfügung vom 3. August hierher zurückversetzt worden war, und der Gymnasial- lehrer Dr. Philipp Braun, welcher bisher am Gymnasium zu Fulda als Lehrer thätig gewesen war und die durch den Abgang von Dr. Rothfuchs entstandene Lücke aus- füllen sollte.


