Aufsatz 
Chronik des Gymnasiums zu Marburg von 1833 - 1883 / [Friedrich Münscher]
Entstehung
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Als der Winter sich zu Ende neigte, fand am 3. März in dem grossen Hörsaal unter Leitung der Gymnasiallehrer Dr. Buchenau, Müller und Fritze eine musikalisch-decla- matorische Abend-Unterhaltung statt. Der Ertrag der freiwilligen Gaben war zu einer Gedenk- tafel bestimmt, welche die Gymnasiasten denjenigen ihrer früheren Mitschüler, welche im Krieg von 1870 und 1871 gefallen waren, in dem grossen Hörsaal errichten wollten.

Den 10. März, den hundertjährigen Geburtstag der Königin Louise, feierte das Gymnasium durch einen mit dem Vortrag von Gesängen und Declamationen begleiteten Rede-Act. Die Festrede hielt der Director. Am Kauserlichen Geburtstag den 22. März war Dr. Friedrich Braun der Festredner. Er sprach über das politische Streben der Hohenstaufen im Vergleich mit dem der Hohenzollern.

Aus dem Schuljahr 1876/77 ist zunächst hervorzuheben, dass unter der Leitung der Gymnasiallehrer Dr. Braun II. und Müller eine 3 tägige Turnfahrt in die Rhön unter- nommen wurde, wobei unsere Schüler in der Stadt Fulda eine sehr freundliche Aufnahme fanden. Um dieselbe Zeit langte die Nachricht an, dass der beauftr. Lehrer August Fritze zum Hülfslehrer ernannt worden sei.

Am Sedanfest den 2. September hielt Oberlehrer Dr. Buchenau die Festrede. Indem er den Spruch:»die Weltgeschichte ist das Weltgericht« zu Grunde legte, zeigte er, wie in der Wieder-Eroberung von Elsass-Lothringen die Wahrheit dieses Spruches deutlich hervortrete. Die musikalischen Vorträge wurden von dem Ges.-L. Müller geleitet; das Orchester war grösstentheils aus ehemaligen oder jetzigen Schülern des Gymnasiums gebildet. An die Sedanfeier schloss sich unmittelbar noch eine andere Feierlichkeit. Dr. Buchenau übergab nämlich zum Andenken an 5 im Kriege von 1870 und 1871 gefallene ehemalige Gymnasiasten eine Marmortafel, welche von Schülern und Freunden des Gym- nasiums gestiftet war, und begleitete die Uebergabe mit einer an unsere Jugend gerichteten Ermahnung zur Vaterlandsliebe. Die Tafel aus schwarzem Marmor befindet sich an der südwestlichen Wand der Aula. Am oberen Ende ist sie mit einem eisernen Kreuz geschmückt und trägt folgende Inschrift: Für König und Vaterland starben: Arthur Horstmann verw. Wörth 16. 9. 70. Georg Breithaupt Sedan 1. 9. 70. Wilhelm Bromeis verw. vor Metz 22. 10. 70. Julius Scheffer verw. Cravant 15. 12. 70. Karl Münscher verw. Chenebier 7. 2. 71.

Sonntag den 19. November starb der Gymnasial-Diener Egidius Klinzing, der seit dem 1. Januar 1865, soweit es seine Körperkräfte gestatteten, seine Obliegenheiten redlich erfüllt hatte. Am 22. geleiteten Lehrer und Schüher seine Leiche zu Grabe.

Freitag den 2. März fand unter Leitung des Oberlehrers Dr. Buchenau und des Gesanglehrers Müller in der Aula eine declamatorisch-musicalische Aufführung statt. Nachdem die Ouvertüre zu Fidelio von Beethoven auf 2 Instrumenten achthändig vor- getragen war, wechselten Declamationen der schönsten Stellen aus Sophocles Ajas(wobei der Gang des Stückes kurz erzählt wurde) mit dem Vortrag von Chorliedern von Rom- berg u. A. ab. Durch Verfügung vom 7. März theilte das Kön. Prov.-Schulcollegium mit,