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gewährt wurde. Dies hatte für das Gymnasium die nachtheilige Folge, dass während des Sommerhalbjahrs der Unterricht in den technischen Fächern fast ganz ruhte. Gleichzeitig mit dem GEL. Schacke war Dr. Wrobel zur Aushülfe im mathematischen Unterricht beauftragt worden.
Durch Verfügung des Kön. Prov.-Schulcollegiums wurde das jährliche Schulgeld für die Schüler von Prima und Secunda auf M. 84, für die von Tertia und Quarta auf M. 72, für die von Quinta und Sexta auf M. 60 erhöht, während vor dem Jahr 1866 die Schulgeld- sätze 16, 12 und 10 Thlr. betrugen. Am Sedanfest den 2. September hielt Dr. Ritter die Festrede.
Bei der Eröffnung des Winterhalbjahrs am 13. October wurde GEL. Emil Müller in sein Amt eingeführt und übernahm den Unterricht in den technischen Fertigkeiten. Dagegen konnte der Eintritt des Lehrers Ludwig Voltz, der durch Rescript vom 11. August zum ordentlichen Lehrer am hiesigen Gymnasium ernannt war, nicht erfolgen, weil derselbe an einem Brustleiden schwer erkrankt war. Schon am 6. Decbr. 1873 starb er in seiner Heimat Meerholz.— Durch Rescript vom 26. Januar wurde Pf. extr. Karl Vogt, der seit Ostern 1872 als Hülfslehrer am Gymnasium thätig gewesen war, zum 6. ordentlichen Lehrer befördert.
Am 2. Februar wurde unserer Aula eine bedeutende Verschönerung zu theil. Ein grosses Oelbild des Grossh. Hessischen Hofmalers Noack, das Religionsgespräch zwischen Luther und Zwingly zu Marburg im Jahr 1529 darstellend, welches für das hiesige Schloss auf Staatskosten angekauft war, wurde nämlich, da es auf dem Schloss noch keine passende Stelle fand, einstweilen dem hiesigen Gymnasium überlassen.— Am Ge- burtstag Seiner Majestät des Kaisers hielt Dr. Buchenau die Festrede und zwar über Ludwig Gleims Kriegslieder eines Preussischen Grenadiers.
Im Schuljahr 1874/75 wurde am 7. Juni, einem Sonntag, das 25 jährige Directorats- Jubiläum des zeitigen Directors gefeiert. Durch Rescript von diesem Tag war ihm nämlich vor 25 Jahren von Seiner Königl. Hoheit dem Kurfürsten die Leitung des Gymnasiums zu Hanau übertragen worden, von wo er schon nach 9 Monaten zur Leitung des hiesigen Gymnasiums berufen wurde. Von seinen Collegen am Gymnasium, von den Schülern sowie von auswärtigen Collegen und Freunden erhielt er zahlreiche Beweise von Liebe und Theilnahme.
Am 9. Juni unternahm GEL. Müller mit den Schülern der oberen Classen eine Turnfahrt nach der Lahnquelle, von der sie über Dillenburg und Wetzlar zurückkehrten. — Bei der Feier des Sedantages am 2. September sprach der Director in der Festrede über die wichtigsten Ereignisse der Schlacht und die bedeutenden Folgen derselben.
Am 12. October wurde Dr. Karl Eberhard, bisher Lehrer an der grossen Stadt- schule zu Rostock, als 5. ordentlicher Lehrer eingeführt und am 17. October in Gegenwart sämmtlicher Lehrer der Anstalt von dem Director in Eid und Pflicht genommen.— Am 17. December stattete das Lehrercollegium durch eine Deputation und Ueberreichung
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