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Nach diesen von Seiten des Gymnasiums gehaltenen Vorträgen sprachen zuerst die Mitglieder der von der hiesigen Universität gesandten Deputation: Prof. Dr. Henke, Prof. Dr. Ranke, Prof. Dr. Schmidt und Prof. Dr. Vilmar dem Lehrercollegium Wünsche für das Gedeihen der Anstalt aus, wobei Prof. Ranke eine von ihm verfasste lateinische Ode überreichte. Prof. Vilmar, der das Gymnasium gewissermassen gegründet hatte, wendete sich an die Schüler, indem er ihnen den Spruch ans Herz legte: Frisch, frei, fröhlich, fromm— Sei der Deutschen Jugend Willkomm. Nach ihm forderte der als Ehrengast anwesende Dr. Wilhelm Münscher, der einst Schüler des Pädagogiums gewesen war und zuletzt das Gymnasium zu Hersfeld 35 Jahre lang geleitet hatte, die Schüler zum Dank für die ihnen durch das neue Gebäude gewordene Wohlthat auf. Endlich sprach Geh. Oberregierungsrath Mittler, als Vertreter der Königlichen Re- gierung, die Wünsche dieser Behörde und seine eignen in herzlichen Worten aus. Mit Absingung des Schlussverses von: Nun danket alle Gott etc. endigte die Feier, welche einen durchaus befriedigenden Verlauf genommen hatte.— Damit die Erinnerung an diesen Tag für die Schüler eine recht heitere sein möchte, so wurden ihnen, je nach den ver- schiedenen Altersstufen, an demselben, sowie an zwei späteren Tagen Vergnügungen mannigfacher Art bereitet.(Eine genauere Beschreibung des Festes findet sich in dem Programm von 1869, in welchem auch die einzelnen Reden und Gedichte mitgetheilt sind.)
Mit dem Beginn der Sommerferien den 3. Juli endigte die Thätigkeit des Hülfslehrers Zilch, der in gleicher Eigenschaft an das Gymnasium zu Fulda versetzt wurde.
Schon am 30. Juli 1868 wurde leider der Mann, welcher bei der Einweihung noch so frisch und kräftig zu den Schülern gesprochen hatte, Prof. Dr. Vilmar, plötzlich durch einen Schlagfluss aus diesem Leben abgerufen. Vom Frühjahr 1833 bis ebendahin 1850 hat er das hiesige Gymnasium geleitet, bis zum Herbst 1855 war er im Kurf. Ministerium des Inneren als Referent für Kirchen- und Schulsachen, von da an als Professor der Theologie thätig, wo er einen ebenso bedeutenden Einfluss auf die Studenten übte, wie er ihn früher auf die Gymnasiasten geübt hatte. Ja es darf wohl mit Zuversicht ausgesprochen werden, dass Vilmar einer der bedeutendsten Männer war, die Hessen in diesem Jahr- hundert hervorgebracht hat. Am 1. August schlossen sich sämmtliche Lehrer des Gym- nasiums sowie die Schüler der oberen Classen dem feierlichen Leichenbegängnis an.
Am 12, und 13. November besuchte der neu ernannte Provinzial-Schulrath Dr. Rumpel zum ersten Mal unsere Anstalt, indem er dem Unterricht in mehreren Clasesn beiwohnte und sich sämmtliche Lehrer vorstellen liess.
Mit Beginn des Schuljahrs 1869/70 trat die Trennung der Secunda in zwei räumlich gesonderte Abtheilungen ein; zugleich wurde Dr. Wilhelm Pflüger als Hülfslehrer ein- geführt.
Durch Verfügung des Herrn Unterrichtsministers, mitgetheilt unter dem 14. Juli, wurden vier Lehrer: Dr. Ritter mit dem Titel Prorector, Dr. Collmann, Pfarrer Dith-


