Aufsatz 
Chronik des Gymnasiums zu Marburg von 1833 - 1883 / [Friedrich Münscher]
Entstehung
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am Gymnasium zu Kassel beauftragte Dr. Georg Buchenau dem hiesigen zugewiesen, an welchem er seine Thätigkeit mit dem 21. Mai begann.

Im Schuljahr 185/6 war der 5. Juni von besonderer Bedeutung. An diesem Tag fand nämlich zur 1100 jährigen Erinnerungsfeier des Begründers der christlichen Kirche und Schule in Deutschland, des Briten Bonifatius, ein öffentlicher Rede-Act in unserer Aula statt. Nachdem der Sängerchor mehrere Lieder vorgetragen, und zwei Primaner Adolf Heldmann und Ferdinand Justi über Gegenstände, die mit der Feier des Tages in Beziehung standen, Vorträge gehalten hatten, schilderte der Director in der Festrede die Bedeutung des Bonifatius für die Bewohner der hiesigen Gegend. Nachmittags unter- nahmen Lehrer und Schüler einen Ausflug an den von Landgraf Ludwig IV. architektonisch geschmückten Elisabeth-Brunnen. Dort im Angesicht von Amöneburg, wo Bonifatius zuerst in unserer Gegend das Kreuz aufgepflanzt hatte, wurde unter Gesängen, Turnspielen und mancherlei Kurzweil die Zeit so angenehm zugebracht, dass der Director unter freudiger Zustimmung der Lehrer den Vorsatz fasste, jedes Jahr ein Frühlingsfest zu feiern. Gesagt, gethan. Seitdem ziehen in jedem Frühjahr oder Sommer an einem schönen Nachmittag Lehrer und Schüler, jede Classe hinter ihrer Fahne, die Gymnasialfahne allen voran, in langem Zuge hinaus ins Freie, gewöhnlich in den hinter dem Glaskopf gelegenen schönen Wald. Dort führen die Schüler der oberen Classen gewöhnlich irgend ein mun- teres dramatisches Stück auf, die der mittleren und unteren Clssen vergnügen sich an Turnspielen; dazwischen lässt der Sängerchor seine Lieder erschallen kurz es herrscht allgemeine Fröhlichkeit.

Im Herbst des Jahres 1855 wurde der Lehrer der Mathematik Dr. Grebe, nachdem er von der städtischen Behörde in Kassel zum ersten Lehrer der dortigen Realschule erwählt worden war, als solcher von dem Landesherrn bestätigt und mit dem Rectorat der genannten Anstalt beauftragt. In Folge dessen schied er zum zweiten Mal aus unserer Mitte.

Um seine Stelle auszufüllen, wurde Candidat Eduard Fürstenau durch Rescript vom 2. November 1855 zum Häülfslehrer am hiesigen Gymnasium ernannt, allein sein Eintritt verzögerte sich bis zum 3. Januar 1856. Diese Verzögerung hatte ihren Grund vornehmlich in einem schweren Unheil, von welchem unser Gymnasium betroffen wurde.

Im November brach nämlich hier eine Nervenfieber-Epidemie aus und nahm bald einen so bedrohlichen Charakter an, dass auf den Rath der Aerzte die auswärtigen Schüler vom 25. November 1855 bis 28. Januar 1856 in ihre Heimath entlassen, die einheimischen aber täglich nur in den Vormittagsstunden unterrichtet wurden. Trotz dieser Massregeln verlor das Gymnasium drei brave Schüler: den Primaner Ed. Theys aus Jesberg, den Secundaner Friedr. Henke aus Marburg und den Tertianer Wilhelm Wittekindt aus Treysa, die theils hier, theils in ihrer Heimath der Krankheit erlagen. Auch ein ehe- maliger Lehrer, der erst am 31. Januar 1855 von uns geschiedene Dr. Hupfeld, fiel am 16. Februar 1856 zu Friedewald der Epidemie zum Opfer. Erst mit dem 28. Januar,