Aufsatz 
Chronik des Gymnasiums zu Marburg von 1833 - 1883 / [Friedrich Münscher]
Entstehung
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drei Monate seit dem Tag, an welchem der erste Gymnasiast vom Nervenfieber ergriffen wurde, trat im Unterrichtãdie regelmässige Ordnung wieder ein und wurde seitdem nicht mehr gestört. Die traurigen Erfahrungen in Bezug auf den Gesundheitszustand der Schüler gaben übrigens Veranlassung, bei der vorgesetzten Behörde aufs Neue vorzustellen, wie die bisherigen Schulräume in Beziehung auf Gesundheit und Zweckmässigkeit den An- forderungen gar nicht entsprächen, und wie daher der Umbau des bisherigen Gymnasial- Gebäudes oder der Aufbau eines neuen Gebäudes unumgänglich erforderlich sei. Diese Vorstellungen hatten den Erfolg, dass nach Beschluss Kurf. Ministeriums des Innern vom 8. Januar 1856 eine aus dem Geh. Medicinal-Rath Dr. Heusinger, dem Universitäts- Architekten Professor Dr. Lange und dem Gymnasial-Director bestehende Commission niedergesetzt wurde, um geeignete Vorschläge zur Abhülfe zu machen, allein die Ausführung dessen, was die Commission vorgeschlagen hatte, begegnete so viel Schwierigkeiten, dass erst neun Jahre später, den 7. Januar 1865, der Bauplan zu einem neuen Gymnasium von Seiner Königl. Hoheit dem Kurfürsten genehmigt wurde.

Die Abhandlungen, welche von den Lehrern mit den Programmen in diesen Jahren veröffentlicht wurden, waren: 1851 von Dr. Hupfeld: Exercitationum Herodotearum specimen tertium; 1852 von Dr. Julius Deuschle, der vom April 1851 bis April 1852 Practicant war: über die Platonische Sprachphilosophie; 1853 von Dr. Münscher: über den Geschichts-Unterricht; 1854 von Dr. Soldan: de reipublicae Romanae legatis pro- vincialibus et de legationibus liberis; 1855 von Dr. Fuldner: adnotationes in Euripidis Medeae prologum.

Die Zahl der Schüler betrug am Schluss des Schuljahrs: 1851: 184(12 Ab.), 1852: 155(13), 1853: 157(11), 1854: 152(13), 1855: 172(17).

Von den Schülern jener Jahre führe ich folgende an:

Victor Hüter 41 51. Reinhard Scheffer 43 53. Wilhelm Bernhard 43 52. Salomon Meyer 52 54. Wilhelm Henke 43 51. Karl Buderus 44 53. Rudolf Nasse 45 56. August Heldmann 45 53. Ferdinand Justi 46 56. Karl Hüter 46 54. Ludwig v. Stiernberg 47 54. Friedrich Renner 48 52. Franz König 48 51. Gottfried Mannel 48 54. Friedr. Graf zu Solms- Laubach 48 52. Otto Zöckler 49 51. Friedr. Hoffmann 49 53. Friedr. Wilh. Gervinus 52 54. Bruno Fürst zu YXsenb.-Büdingen 54 55. Otto Nasse 48 57. Ludw. Stadler 51 56. Hermann Fürst zu Solms-Lich 54 57.

Die letzten 12 Jahre in den alten Räumen des Gymnasiums sind zwar weniger reich an Begebenheiten, können aber mit Rücksicht auf die Leistungen der Schule eine glück- liche Zeit genannt werden. Es waren nämlich so viel tüchtige Lehrer mit einander thätig, wie kaum zu irgend einer anderen Zeit, und zugleich standen sie in regem collegialischen Verkehr. Aus dem letztgenannten Verhältnis ergaben sich mancherlei günstige Folgen,