Aufsatz 
Chronik des Gymnasiums zu Marburg von 1833 - 1883 / [Friedrich Münscher]
Entstehung
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Sammlungen in Privatlokale verlegt werden mussten. In dem Gymnasial-Programm von 1846, in welchem von diesem Unfall berichtet wird, wird zugleich eines Einsturzes derselben Mauer an demselben Tag und in derselben Stunde im Jahre 1552 Erwähnung gethan.

Ansserdem fand noch in dem Schuljahr 1845 auf 1846 ein erheblicher Wechsel der Lehrer statt. Durch landesherrliche Rescripte vom 5. November 1845 wurden Blackert an das Gymnasium zu Rinteln, Dr. Volkmar an das Gymnasium zu Fulda versetzt; dagegen wurde Otto Weber, seit April 1845 Practicant am Gymnasium, nach deren Weggang mit Versehung einer Lehrerstelle beauftragt, und mit dem 10. Januar 1846 trat Dr. Wilhelm Hupfeld, bisher in Rinteln, seine Thätigkeit am hiesigen Gymnasium an.

Die folgenden Jahre verflossen am hiesigen Gymnasium in grosser Ruhe, mit Aus- nahme des Jahres 1848, in welchem das Gymnasium eine Burg gegen die Angriffe der rothen Republik war. Da nämlich Director Vilmar in einer von ihm redigierten Zeitung, der hessische Volksfreund genannt, die Bestrebungen der Umsturzpartei mit grosser Kraft und Schärfe bekämpfte, so wurde seine Wohnung von der zuchtlosen Menge wiederholt mit Erstürmung bedroht, ja sogar wirklich bestürmt. Bei der völligen Lähmung aller Sicher- heits-Organe war Selbsthülfe das einzige Mittel zur Abwehr. Daher traf Vilmar, von dem treuen und muthigen Gymnasiums-Diener Johannes Lehr unterstützt, in seinem Hause Vorkehrungen zu Barrikaden und zu nachdrücklichem Empfang der Gegner. Ja an besonders bedrohlichen Tagen versammelten sich die Schüler der oberen Classen, mit Waffen verschiedenster Art ausgerüstet, Abends in den Räumen des Gymnasiums, um ihren verehrten Director gegen die Wuth der bethörten Menge zu schützen. Glücklicher Weise ist es jedoch zu einem wirklichen Kampf nicht gekommen Dank der Feigheit auf Seiten des Angreifer. Das Einzige, was sich weiterhin als eine Unterbrechung des Unterrichts anführen lässt, war der im Jahr 1849 eintretende Wechsel der Lehrer. Dr. Hasselbach verliess den 7. Juni das hiesige Gymnasium, um an das zu Hanau über- zugehen. Dr. August Soldan, der von dort an das hiesige kam, begann am 30. Juli seine Thätigkeit. Dr. Hartmann gieng 11. October nach Rinteln. Dr Hehl schon einmal hier, trat am 2. November 1849 wieder ein.

Lehrer varen in diesen 5 Jahren überhaupt folgende:

Dr. Vilmar, Dr. Ritter, Dr. Collmann, Dithmar, Dr. Fuldner, welche dem Gymnasium schon früher und auch fernerhin angehörten. Dr. Georg Blackert, Dr. Gust. Volkmar beide bis zum 5. November 1845. Dr. Wilh. Hupfeld seit dem 10. Januar 1846. Dr. Heinr. Hasselbach, ordentl. Lehrer seit dem 22. October 1846, nach Hanau den 7. Juni 1849, Dr. Julius Hartmann, ordentl. Lehrer seit dem 22. Oct. 1846, bis 11. Oct. 1849. Dr. Johannes Hehl seit dem 2. November 1849. Otto Weber aus Obersuhl, seit November 1845 beauftragt. Der katholische Religionslehrer, Pfarrer Höck, trat Januar 1848 ab; dagegen übernahm Pfarrer Phil. Will seit dem

21. Februar 1848 den katholischen Religionsunterricht. Als ausserordentlicher Lehrer 2*