Aufsatz 
Chronik des Gymnasiums zu Marburg von 1833 - 1883 / [Friedrich Münscher]
Entstehung
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Doch selbst jenes Gesuch um Entlassung aus der Inspection trug seine Früchte. Ohne Zweifel geschah es in Folge davon, dass der akademische Senat unter dem 5. August 1829 in einem an das Ministerium des Inneren gerichteten Gesuch erklärte,»dass das bisherige Verhältnis des Pädagogs zur Universität aufhören müsse, wenn für ersteres die steten Hemmungen seines Gedeihens beseitigt werden sollten«.

Dieser den wirklichen Verhältnissen durchaus entsprechende Antrag blieb freilich wegen der bald eintretenden revolutionären Bewegungen der Jahre 1830 und 1831 zunächst ohne Wirkung, aber um so grösser war sein Einfluss auf die später folgenden Begeben- heiten. Denn es darf mit Grund vermuthet werden, dass mit Rücksicht auf jenen Antrag der Ministerial-Vorstand Eggena durch Verfügung vom 28. Januar 1832 eine obere Unterrichts-Commission einsetzte und deren Thätigkeit vornehmlich dahin bestimmte, »dass dieselbe eine Revision der einzelnen Lyceen und Gymnasien in Kurhessen vor- nehmen und Vorschläge über deren etwa nöthige Reform machen solle«.

Das Verdienst, diese von Eggena beabsichtigte und vorbereitete Reform der Ge- lehrten-Schulen in Kurhessen ins Werk gesetzt und namentlich das Beste der Lehranstalt zu Marburg gefördert zu haben, gebührt dem Ministerial-Vorstand Hassenpflug, der im Frühjahr 1832 auf Eggena folgte. Durch Beschluss vom 28. Juli 1832 gab er den Gliedern der oberen Unterrichts-Commission den Auftrag, sich nach Marburg zu begeben und ausser der Visitation des damals dahier befindlichen Schullehrer-Seminars mit Beziehung auf den Antrag des Senats die Verhältnisse des hiesigen Pädagogiums zu untersuchen und demnächst geeignete Vorschläge zu machen. Die Glieder der Commission, Sundheim, Schulrath zu Kassel, Dr. Wiss, Consistorialrath und Director des Gymna- siums zu Rinteln, Vogt, Inspector des Schullehrer-Seminars zu Kassel, und Pfarrer Vilmar, Gymnasial-Lehrer zu Hersfeld, begaben sich demgemäss am 31. Juli 1832 nach Marburg, verständigten sich in den ersten Tagen des Augusts mit der Inspection des Pädagogiums, welche damals aus den Professoren Hupfeld(Decan der theologischen), Rehm(Decan der philosophischen Facultät) und dem Professor der Beredsamkeit Wagner bestand, und kamen, da Rehm und Hupfeld ebenfalls entschiedne Vertreter einer durch- greifenden Reform waren, mit derselben dahin überein, dass eine Trennung des Pädagogiums von der Universität eintrete, dass namentlich die Beaufsichtigung und Leitung der Anstalt durch eine akademische Behörde aufhöre, und dass ein besonderer selbständiger Director, welcher zugleich als ordentlicher Lehrer vollständig mitzuwirken habe, anzustellen sei«.

Darauf fand am 6. und 7. August eine Visitation der Classen des Pädagogiums statt, und am 8. August richtete die Commission an den akademischen Senat, an dessen Spitze damals Prorector Endemann stand, ein Schreiben, um sich, ehe Vorschläge an das Ministerium des Inneren gemacht würden, zuvor zu vergewissern, ob das, worüber man mit der Inspection übereingekommen sei, auch von Seiten des Senats gebilligt werde. Da jedoch trotz zweimaliger Erinnerung eine Antwort ausblieb, so stellte die Commission, ohne vorherige Einigung mit dem akademischen Senat, in ihrem am 21. September 1832