erzeigt und gute Ordnung gehalten werden. Regierung und Rat bleiben aber bei ihrer ablehnenden Antwort, auch Willich äussert mehrfach seine Entschlossenheit, Stadt und Burg tapfer zu ver- teidigen.
Inzwischen hat Geysso, von Ebsdorf her kommend, seine Truppen auf dem Glaskopf und im Kappeler Feld aufgestellt und dort den Ausgang der Verhandlungen abgewartet; dann ist er„bei der Sorge“, in der Nähe des Schwanhofs, durch die Lahn marschiert, hat seine Reiterei nach Nieder- und Oberweimar, Marbach, Wehrda und Cölbe, die Infanterie nach Ockershausen ins Quartier gelegt, und selbst„im fürstlichen vorwerk zum Schwanen“ Quartier genommen. Dort blieb er drei Tage bis zur Übergabe der Stadt. Beim UÜbergang über die Lahn wurde auf Befehl Willichs vom Schloss her das Feuer auf die nieder-— hessischen Truppen eröffnet.
Zwei Stunden nach Einbruch der Nacht nähern sich die Feinde der Stadt, bringen die„stücke und fewermörsell“, darunter drei 36-Pfünder und einen 12-Pfünder herbei,„schlagen eine batterie“ auf und schanzen sich ein. Wegen der durch Nebel besonders grossen Dunkelheit konnten die Belagerten nichts sehen, sondern nur den Lärm hören und schossen die ganze Nacht hindurch blindlings in der Richtung. Die feindliche Batterie und Laufgraben befanden sich„uff'm Reitzgraben“, zwischen dem„philosophischen Gässlein“, der jetzigen Universi- tätsstrasse, und dem Grün; und die Stadtmauer bei den in der Untergasse stehenden Häusern des„Balbierers Meister Jakob“, des Dr. Dexbach, des Vizekanzlers Ruppel und des Baumeisters N. N. war das Ziel ihrer Kanouen.¹)
Da Willich mit seinen militärischen Beratern, den oben erwähnten Witte und Rupp, erkannte, dass die Mauer hier das Feuer nicht lange aushalten würde, da sie schon kurz vorher hier teilweise eingestürzt war, wurde sie in der Eile mit Steinen, Holz, ja sogar Mist ausgebessert, wobei auch Bürger und Frauen helfen mussten; hinter der Mauer wurde die Untergasse ver-
1) Nach„Marb. Succ.“ Bl. 42 fl. erklärt Geysso, dass 2 seiner Offiziere die schwachen Stellen auskundschaftet hätten, er kenne auch ein Tor, das sei so liederlich verwahrt, dass man es leicht mit Axten einschlagen könne.


