Aufsatz 
Marburg im Jahre 1645 / von Walter Kürschner
Entstehung
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Unterredung mit Geysso in Lollar und dessen drohende Ausse- rungen. Am 28. trifft hier ein Brief des Statthalters v. Buseck ein, die Hessen unter Oberst Motz hätten am 27. X. Butzbach genommen; er habe ihren Weitermarsch genau verfolgt, sein Ziel scheine Marburg zu sein, wie auch das Gerücht bei den Soldaten besage, ihre Artillerie nähmen sie mit.) Am 29. X. hatte Generalmajor von Eberstein aus Giessen bestimmt gemeldet, dass die Niederhessen Absichten auf Marburg hätten. Wegen aller dieser Warnungen hielt die Bürgerschaft etwa vom 15. X. an ununterbrochen Wache.

Am Freitag 31. X. früh kam der landgräflich-hessen-kasselsche Kriegskommissar Valentin Goddaeus, aus Marburg gebürtig, und begehrte mit dem Bürgermeister zu verhandeln. Der weigerte sich dessen ohne Zuziehung der fürstl. Behörden; als diese er- schienen, forderte Goddaeus im Namen des Generalmajors Geysso und unter Hinweis auf die zwischen Schweden, Frankreich und Hessen- Kassel erfolgte Verteilung der Quartiere, die Stadt solle sich erklären, ob sie gutwillig Garnison einnehmen wolle. Ihm wird erwidert, es läge schon Garnison in Stadt und Schloss, und die Bürger- schaft sei durch Züge, Brandschatzungen und Plünderung so er- schöpft, dass esnit möglich sei einige soldadeska aufzunehmen und zu alimentieren. Godd. drohte nun, sollte es nicht im Guten geschehen, würden die militärischen Mittel gewisslich an- gewendet werden; er wolle also gebeten und erinnert haben, sich vor Schaden und Unglück zu hüten. Bürgermeister, Rat und Stadtschreiber bitten, um Gotteswillen die arme Stadt zu ver- schonen;es würde die fürstliche Frau Wittib nit also gesinnet sein, dass sie dieselbe zu ruinieren begierig sein würde. Goddaeus begehrt eincategoricum responsum und sagt trotzig, wenn die Güte nicht angenommen würde, werde man das Feuer eröffnen; der Generalmajor käme als Freund und nicht als Feind, wenn man ihn einliesse, sollte alle Freundschaft und guter Wille

1) Bei einer Begegnung, die Geysso auf dem Marsche am 29. X. mit v. Buseck hatte, suchte er ihn über seine Absichten zu täuschen, sagte, er wolle seine Truppen bei Amöneburg und Kirchhain ins Quartier legen und verlangte, dass er sich in zwei Tagen dort zur Verteilung der Ein- quartierung einfinden solle-