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sind, der Stadt ein. Der Generalmajor selbst war, da für ihn kein passendes Quartier gefunden werden konnte, im Deutschen Haus geblieben. Dort ging es hoch her, und als er wieder nach Kirchhain abzog, forderte er, die Stadt solle dem Komtur die Auslagen ersetzen. Ein Bittgesuch an diesen als„Patron der Stadt“ wurde mit der Begründung abgeschlagen, dass er bei der Höhe der Summe es beim Orden nicht verantworten könne; die Gelage hätten täglich bis tief in die Nacht hinein gedauert, und es seien allein 7—8 Ohm Wein getrunken worden. Geysso bestand darauf, da er der Stadt 2— 3000 Gulden gespart habe, dass sie die Sache bei dem Komtur berichtige.
Die Verpflegung der höheren Offiziere in den Wirtshäusern, dazu die der Tross- und Wagenknechte, der ab- und zureitenden Boten, auch der Kranken ist gleichfalls sehr teuer. Am 16. XII. fordert der Kommandant allein dafür alle 10 Tage 400 Rthlr. Diese kann die Stadt unmöglich geben, und es wird den Soldaten eingeschärft, sich etwas zu mässigen. Doch hat die Stadt bis Anfang 1646 über 700 Rthlr. für obige Zwecke, Speisung der Offiziere und Geschenke ausgeben müssen.
Das Schicksal der Stadt Marburg in diesem einen Kriegs- jahr ist nur ein Beispiel, welche Not in den letzten Kriegs- jahren auf Hessen und ganz Deutschland lastete. Für Marburg war dies Jahr noch nicht das schlimmste, 1646 brachte zunächst die Einnahme des Schlosses durch Geysso, 1647 aber die Er- stürmung der Stadt und Plünderung durch die Kaiserlichen. Doch verstehen wir, dass der Stadtschreiber seine Rats- protokolle 1645 mit folgender Bitte um Frieden schliesst: Dieweylen dan nun hiemitt das 1645. Jahr mitt vieler be- schwehrnis exactionibus und persecutionibus sich geendiget, und morgen, geliebs Gott, der erste tag des annahenden 1646. jahres hoch feierlich bey allen Christen gehalten und celebriret wirdt, als wolle der Almechtige gutige Gott Uns ein fridfertiges glück- seliges newes jahr beschehren und wolt sich von Uns gepühren, dass wir an Unserm Ort Uns auch dahin richten, das wir from und Gottseliglich leben“.


