— 6—
nungen und den noch vorhandenen Resten aus jener Zeit einige Bilder der Stadt zu besitzen, das von Dillich von 1591 und das ihm fast gleiche von Merian von 1636, ausserdem ein Bild, das 1632 vom hessischen Hofmaler Valentin Wagner in eine handschriftliche Reisebeschreibung des Landgrafen Philipp von Butzbach gezeichnet, die Westansicht des Schlosses gibt, so dass wir uns eine deutliche Vorstellung der damaligen Stadt machen können. Noch hat sich das Bild der mittelalterlichen Stadt, nicht viel verändert, noch ragen die Türme an Mauern und Toren trotzig gen Himmel. Das Schloss,„das feste Haus Mar- purgk“ genannt, hatte, wie die Bilder zeigen, ausser den jetzt noch stehenden Gebäuden noch eine Anzahl kleinerer Gebäude, so an der südöstl. und an der südwestl. Ecke, desgleichen mehrere gleich rechts am Eingang. Das Tor war ebenfalls noch überbaut und auf seiner linken Seite durch einen Turm geschützt; ein weiterer, stärkerer Turm stand in dem jetzt links vom Eingang liegenden Garten dem Tor gegenüber. Nach dem Dammelsberg hin hatte das Schloss Mauern und einen tiefen Burggraben, eine Zugbrücke mit festem, überbautem Tor und tiefer nach der Stadt zu eine starke Bastion mit Schiessscharten, deren Reste noch heute in„Bückings Garten“ zu sehen sind. Ausserdem zeigt das Wagnersche Bild auf der Seite des Stadtparkes ein ziemlich hohes Haus und Mauern; denn um den verbesserten Feuergeschützen Rechnung zu tragen, waren von Landgraf Moritz der Burg auf der einzigen einen bequemen Angriffspunkt bietenden Seite, in dem„Lustgarten,“ Befestigungen vorgelagert worden. Nach dem MNerian'’schen Bilde bestanden sie aus Mauern, 2 Türmen und einigen kleinen Häusern.)
Die eigentliche Stadt, die„fürstliche Residenzstadt Marpurg,“ wie sie sich selbst in Briefen an den Landgrafen nennt, hat noch ganz denselben Umfang wie im Mittelalter, ²) den wir heute hie und da an Resten der Mauern und Türme erkennen können. Von der südwestlichen Ecke des Schlosses läuft die
1) Nach einem Bericht Willichs„Marb. Succ. 1645“ Bl. 216 f. war eins davon ein neuer Reitstall neben der„Rennbahn“ ein anderes wird „Lustgartenhäuschen“ genannt.
2) Vgl. Kolbe„Marburg im Mittelalter“ S. 30


