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unendlich wirkſam und unerreichbar bleibt und ſelbſt in allen Sprachen ausgeſprochen doch unausſprechlich bliebe.“ War in der erſten Periode ein ſtraks auf das Charakteriſtiſche zielender, derber Realismus die Kunſtweiſe Goethes, ſtieg er in der zweiten durch das ſorgfältigſte Studium der Einzelerſcheinungen des Lebens dazu auf, ſich eine„all⸗ gemeine Sprache“(ſiehe„Nachahmung, Manier und Stil“) im Typus zu ſchaffen, ſo wird auf ſeiner höchſten Stufe die Symbolik die eigent⸗ liche Kunſtweiſe Goethes, in keiner Dichtung vielleicht zarter und inniger geübt als in der Pandora. Nennt er wohl einmal in ſeinen Sprüchen Adam und Eva im Paradies„Gottes lieblichſte Gedanken“, ſo erſcheinen uns die Geſtalten dieſer zarten Dichtung alle als ein gleichnisartiger Ausdruck einer höheren geiſtigen Welt. Von Epimetheus, Elpore und Epimeleia ganz zu ſchweigen, weiſen auch alle Nebengeſtalten auf dieſe höhere Welt wieder zurück bis auf den Hirten mit ſeinem Liede:„Wer will ein Hirte ſein, lange Zeit er hat, zähl' er die Stern im Schein, blas er auf dem Blatt“ und im ſchroffen Gegenſatz zu dem titanenhaften Prometheus der Jugend ſchließt er die Dichtung mit den Worten der Eos an Prometheus:
„Fahre wohl, du Menſchenvater! Merke: Was zu wünſchen iſt, ihr unten fühlt es; Was zu geben ſei, die wiſſens droben. Groß beginnet ihr Titanen; aber leiten Zu dem ewig Guten, ewig Schönen,
Iſt der Götter Werk; die laßt gewähren!“
Der Schluß der großen Fauſtdichtung offenbart uns ganz denſelben Sinn. Man wende nicht ein, daß Fauſt aber doch das Gegenteil ſage, wenn er im 5. Akt in der erſchütternden Scene,„Mitternacht“ über⸗ ſchrieben, in die Worte ausbricht:„Der Erdenkreis iſt mir genug bekannt. Nach drüben iſt die Ausſicht uns verrannt. Thor, wer dorthin die Augen blinzelnd richtet, ſich über Wolken ſeinesgleichen dichtet, er ſtehe feſt und ſehe hier ſich um, dem Tüchtigen iſt dieſe Welt nicht ſtumm. Was braucht er in die Ewigkeit zu ſchweifen! Was er erkennt, läßt ſich ergreifen, er wandle ſo den Erdentag entlang, wenn Geiſter ſpuken, geh er ſeinen Gang, im Weiterſchreiten find't er Qual und Glück, er un⸗ befriedigt jeden Augenblick.“ Schon die Verſe der letzten Scene:
Gerettet iſt das edle Glied
Der Geiſterwelt vom Böſen:
Wer immer ſtrebend ſich bemüht,
Den können wir erlöſen;


