Schaffen den Sinn des Lebens zu erfahren, und unermüdlich iſt er darin, zu betonen, daß ja alles Gewußte gleich genutzt werde.„Der Engländer iſt Meiſter, das Entdeckte gleich zu nutzen, bis es wieder zu neuer Ent⸗ deckung und friſcher That führt. Man frage nun, warum ſie uns über⸗ all voraus ſind. Und ſo wiederhole ich meine Überzeugung, daß man auf dieſen höheren Stufen nicht wiſſen kann, ſondern thun muß, ſo wie in einem Spiele wenig zu wiſſen und alles zu leiſten iſt. Die Natur hat uns das Schachbrett gegeben, aus dem wir nicht hinauswirken können noch wollen. Sie hat uns die Steine geſchnitzt, deren Wert, Bewegung und Vermögen nach und nach bekannt werden. Nun iſt es an uns, Züge zu thun, von denen wir uns Gewinn verſprechen. Dies verſucht nun ein jeder auf ſeine Weiſe und läßt ſich nicht gern einreden. Mag das alſo geſchehen, und beobachten wir nur vor allem genau: wie nahe oder fern ein jeder von uns ſtehe, und vertragen uns ſodann vor⸗ züglich mit denjenigen, die ſich zu der Seite halten, zu der wir uns be⸗ kennen.“ Auch die Organiſation der Menſchen zur Familien⸗, Staats⸗ und Religionsgemeinſchaft iſt nicht Willkür, ſondern Notwendigkeit. Im Guten und Böſen gilt es von dem Menſchen:„er glaubt zu ſchieben und er wird geſchoben,“ oder, wie der Hauptmann einmal zu Charlotte äußert: „Indem uns das Leben fortzieht, glauben wir aus uns ſelbſt zu handeln, unſere Thätigkeit, unſere Vergnügungen zu wählen; aber freilich, wenn wir es genau anſehen, ſo ſind es nur die Pläne, die Neigungen der Zeit, die wir mit auszuführen genötigt ſind.“ Einer religiöſen Natur⸗ betrachtung entſpricht es, wenn Goethe den innerſten Kern der Welt als Liebe erklärt, und dieſe praktiſche Religion fordert das Gedicht in Wilhelm Meiſters Wanderjahren:
Von den Bergen zu den Hügeln Niederwärts das Thal entlang, Da erklingt es wie von Flügeln, Da bewegt ſichs wie Geſang. Auch dem unbedingten Triebe Folget Freude, folget Rat
Und dein Streben ſeis in Liebe, Und dein Leben ſei die That.
Wir wenden uns nun zum letzten Teil dieſer Abhandlung, zu den künſtleriſchen Konſequenzen, die aus der geänderten Naturanſchauung fließen. Kann und ſoll die Wiſſenſchaft ſich, ſoweit ſie eine denkende und forſchende iſt, nur der äußeren, ſichtbaren Welt zuwenden und das Erforſchliche erforſchen, ſo darf und ſoll die Kunſt auch das Nicht⸗ ſichtbare, das Übernatürliche darſtellen, und ſie hat es ja zu allen Zeiten


