„Der Menſch an ſich ſelbſt, inſofern er ſich ſeiner geſunden Sinne bedient, iſt der größte und genaueſte phyſikaliſche Apparat, den es geben kann, das eben iſt das größte Unheil der neuen Phyſik, daß man die Experimente gleichſam vom Menſchen abgeſondert hat, und bloß in dem, was künſtliche Elemente zeigen, die Natur erkennen, ja was ſie leiſten kann, dadurch beſchränken und beweiſen will.“
Am bedeutſamſten aber erſcheint uns ein Wort, das Goethe einmal aphoriſtiſch hinwirft; W. A. ibid. pag. 123.„Der Begriff vom Ent⸗ ſtehen iſt uns ganz und gar verſagt.“
Mit welcher prachtvollen Ironie hat Goethe auf die bis zum heutigen Tage fortgeſetzten Bemühungen, auf dem Wege des Experimentes zum Organiſchen zu gelangen, in der Homunkulusſcene des Fauſt ge⸗ antwortet:„Behüte Gott“, ſagt Wagner,„wie ſonſt das Zeugen Mode war, erklären wir für eitel Poſſen, der zarte Punkt, aus dem das Leben ſprang, die holde Kraft, die aus dem Innern drang, und nahm und gab, be⸗ ſtimmt ſich ſelbſt zu zeichnen, erſt Nächſtes, dann ſich Fremdes anzueignen, die iſt von ihrer Würde nun entſetzt:...... Nun läßt ſich wirklich hoffen, daß wenn wir aus viel hundert Stoffen durch Miſchung, denn auf Miſchung kommt es an, den Menſchenſtoff gemächlich komponiren, in einen Kolben verloutiren und ihn gehörig cohobiren, ſo iſt das Werk im Stillen abgethan. Was man an der Natur Geheimnißvolles pries, das wagen wir verſtändig zu probiren, und was ſie ſonſt organiſiren ließ, das laſſen wir kriſtalliſiren.“
Keineswegs aber würde man Goethe richtig verſtehen, wenn man glaubte, er habe die Mathematiker und ihre exakte Wiſſenſchaft nicht in vollem Maße gewürdigt. Für eine Seite des Lebens erſcheint ihm viel⸗ mehr dieſe Naturbetrachtung als ganz unerläßlich, für alle die Seiten nämlich, welche die eine große Hauptſache des Lebens umfaſſen, die nächſtliegende Welt zu erkennen und nutzbar zu machen.„Niemand wird es einfallen, das Verdienſt der Mathematiker gering zu ſchätzen, welches ſie, in ihrer Sprache die wichtigſten Angelegenheiten verhandelnd, ſich um die Welt erwerben, indem ſie alles, was der Zahl und dem Maß im höchſten Sinne unterworfen iſt, zu regeln, zu beſtimmen und zu entſcheiden wiſſen“. Nur die Behauptung, daß ihre Viſſenſchaft das einzig Exakte ſei, wodurch der Menſch wirke, weiſt er zurück, ibid. pag. 75. „So wird ein Mann, zu den ſogenannten exakten Wiſſenſchaften geboren und gebildet, auf der Höhe ſeiner Verſtandesvernunft nicht leicht begreifen, daß es auch eine exakte ſinnliche Phantaſie geben könne, ohne welche doch eigentlich keine Kunſt denkbar iſt.“ Das Gebiet des Menſchen⸗ verſtandes ſchränkt er einmal in einem ungemein treffenden Worte ein: „Des Menſchenverſtandes angewieſenes Gebiet und Erbtheil iſt der Bezirk


