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in eine quantitativ wägbare, meßbare(Goethe ſelbſt würde nur ungern ſagen„atomiſtiſche“) und andererſeits in eine dynamiſche, qualitative, geiſtige.„Der Mathematiker iſt ausſchließlich angewieſen aufs quanti⸗ tative, auf alles, was ſich durch Zahl und Maß beſtimmen läßt, und alſo gewiſſermaßen auf das äußerlich erkennbare Univerſum. Betrachten wir aber dieſes, inſofern uns Fähigkeit gegeben iſt, mit vollem Geiſte und aus allen Kräften, ſo erkennen wir, daß Quantität und Qualität als die zwei Pole des erſcheinenden Daſeins gelten müſſen, daher denn auch der Mathematiker ſeine Formelnſprache ſo hoch ſteigert, um, inſofern es möglich iſt, in der meßbaren und zählbaren Welt die unmeßbare mit⸗ zubegreifen. Nun erſcheint ihm alles greifbar, faßlich und mechaniſch und er kommt in den Verdacht eines heimlichen Atheismus, indem er ja das Unmeßbarſte, welches wir Gott nennen, zugleich mit zu erfaſſen glaubt und daher deſſen beſonderes oder vorzügliches Daſein aufzugeben ſcheint.“ Von einer ſolchen auf atomiſtiſche Betrachtungsweiſe gerichteten Naturanſchauung der Mathematiker ſagt er einmal(ibid. Band 1, pag. 119): „Jeder Denkende, der ſeinen Kalender anſieht, der nach ſeiner Uhr blickt, wird ſich erinnern, wem er dieſe Wohlthaten ſchuldig iſt. Wenn man ſie(die Mathematiker) aber auch auf ehrfurchtsvolle Weiſe in Zeit und Raum gewähren läßt, ſo werden ſie erkennen, daß wir etwas gewahr werden, was weit darüber hinaus geht, welches allen angehört und ohne welches ſie ſelbſt weder thun noch wirken könnten: Idee und Liebe.“ Nannte Goethe das Dynamiſche und Qualitative in der Natur bisher Geiſt, ſo nennt er dieſen innerſten Kern in der Natur jetzt„Idee und Liebe“ und der Vers wird verſtändlicher:
Ihr folget falſcher Spur, Denkt nicht wir ſcherzen,
Iſt doch der Kern der Natur Menſchen im Herzen.
Schon aus dieſen Stellen geht deutlich hervor, daß bei Goethe der Begriff der Natur ſelbſtverſtändlich auch in dieſer Periode nichts mit der atomiſtiſch materialiſtiſchen Anſchauung der heutigen Tage zu thun hat. So fordert er, auf anderm Wege zur Naturerkenntnis zu gelangen, als auch heute noch die Naturwiſſenſchaft ſie einſchlägt. Herrſcht doch in ihr noch immer der alte Gedanke, es ließe ſich der Zuſammenhang der ganzen Welt als ein auf Urſache und Wirkung beruhender großer Mechanismus einmal erkennen und klarlegen. Noch nichts hat dieſer Standpunkt von dem rationaliſtiſchen Denken des vorigen Jahrhunderts aufgegeben.(Vergl. die Geſchichte des Materialismus von Friedrich Albert Lange.) Das Fehlerhafte dieſer Methode hat Goethe darauf zurückgeführt,


