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Die Reise des Paulus von Jerusalem nach Damaskus / von Professor F. Hielscher
Entstehung
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einſtiger Verfolger, der verkündet nun den Glauben, den er einſt verſtört. Dasunſer ſchien doch wieder, im Wider⸗ ſpruch zum Vorhergehenden, auf eine Verfolgung der jeruſa⸗ lemiſchen Gemeinde hinzuweiſen. Als ob wir nicht wüßten, daß die chriſtlichen Gemeinden ſich als eine einzige große Gemeinſchaft gefühlt haben, ſo daß eine Verfolgung dort auch als eine Verfolgung hier empfunden werden mußte!

In Wahrheit hat Paulus die chriſtliche Gemeinde in Damaskus verfolgt und verſtört. Dabei bin ich weit entfernt, an den blutrünſtigen Bericht zu glauben, den die Apoſtelgeſchichte von der Art ſeiner Verfolgung entwirft. Ich glaube nicht, daß er einem einzigen Chriſten vom Leben zum Tode verholfen hat. Selbſt wenn er es gewollt hätte: ſo lagen die Verhältniſſe nicht. Die heidniſchen Obrigkeiten jener Zeit hielten ſtraffes Regiment und ließen ſich durchaus nichts bieten. Zudem hat ſich Paulus, der ſich ſelbſt ein ſtrenger Richter war, zwar unumwunden harter Verfolgung, aber niemals des Mordes angeklagt. Philipper 3,6 ſagt er von ſich:Nach dem Geſetz ein Phariſäer, ein eifriger Verfolger der Gemeinde, ohne Tadel in der Geſetzesgerechtigkeit. 1 Korinther 15, 8 9:Zuletzt unter allen erſchien er (Chriſtus) mir, der ich ja eine Fehlgeburt bin. Denn ich bin der geringſte unter den Apoſteln, unwert des Apoſtelnamens, weil ich die Gemeinde Gottes verfolgt habe. Und wie hätte er I. Theſſaloniker 2, 1415 ſchreiben dürfen:Seid ihr doch, meine Brüder, in die Nachfolge der Chriſtengemeinden Gottes in Judäa eingetreten, indem ihr von euren Lands⸗ leuten dasſelbe habt leiden müſſen wie jene von den Juden, die den Herrn Jeſus und die Propheten getötet und uns verfolgt haben wenn er ſelbſt ſeine Hände mit Blut befleckt hätte?

Es bleibt alſo dabei: nicht in Jeruſalem, ſondern in Damaskus hat Paulus ſeine Jugend verbracht. Hier hat er geirrt, hier hat er ſeine Offenbarung empfangen. Von hier ging er zu kurzem Aufenthalt in die von Oſten und Süden her bis in die Nähe von Damaskus vordringende arabiſche Wüſte, um die mächtigen Eindrücke innerlich zu verarbeiten und ſich zu ſammeln. Nach ſeiner Rückkehr hat er den Heiden gepredigt. Aus ſeinem Leben und Verkehr in der heidniſchen Stadt muß Paulus die Einſicht gewonnen haben, daß die Heiden für die Aufnahme ſeines Evangeliums innerlich viel beſſer vorbereitet waren als die Juden. Mehr als das: er muß geradezu der Ueberzeugung geweſen ſein, daß der Maſſe