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geſchaffen hätten, die den Apoſtel vor die Frage ſtellten: Ab⸗ bruch oder friedliche Auseinanderſetzung? Das halte ich für unmöglich, die Sache muß ſich anders verhalten.
Es kommt noch ein Drittes hinzu. Wodurch überzeugt Paulus die Urapoſtel davon, daß er nicht vergeblich laufe noch gelaufen ſei? Durch ſeine Erfolge!„Da ſie ſahen, daß ich betraut ſei mit dem Evangelium für die Unbeſchnittenen... und da ſie die Gnade erkannt, die mir verliehen worden... gaben ſie mir und Barnabas die Hand der Gemeinſchaft darauf: wir für die Heiden, ſie für die Beſchnittenen.“ ¹⁰)
Und dieſe Erfolge, wo ſind ſie? Aus dem Galaterbriefe können wir keine ſichere Antwort geben. Hören wir einmal die Apoſtelgeſchichte, immer mit dem Bewußtſein, daß ihr nicht zu trauen iſt.
Nach ihr fällt in dieſe vierzehn Jahre die ſogenannte erſte Miſſionsreiſe. In Paphos auf Cypern wird der Pro⸗ konſul Sergius Paulus gläubig, aus Antiochia in Piſidien werden Paulus und Barnabas vertrieben, ebenſo aus Ikonium, in Lyſtra wird Paulus geſteinigt, in Derbe gewinnen ſie zahlreiche Jünger. Mögen nun auch in allen dieſen Städten Jünger gewonnen worden ſein: ſind das reine, unbeſtrittene, überzeugende Erfolge? Und wo iſt irgend eine Probe für Ausdauer und Bewährung? Die Erfolge dieſer Reiſe konnten ſchwerlich den Beweis erbringen, den Paulus bei ſeinem zweiten Beſuche in Jeruſalem erbracht hat.
Hiernach ſage ich: Paulus iſt nicht von Jeruſalem nach Syrien und Kilikien gegangen, ſondern erſt gegen Ende der vierzehn Jahre nach Syrien und Kilikien gekommen. Es handelt ſich um kein Hin von Jeruſalem her, ſondern bereits wieder um ein Her nach Jeruſalem hin. Da erſt, bei erneuter Berührung mit Jeruſalem, kam es zum Zuſammenſtoß.
Senſtius ²⁰) vertritt die Meinung, daß Paulus bereits im Jahre 39 die Gemeinden zu Philippi und Theſſalonich begründet habe. Er dürfte recht haben.
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¹19) Zu einer Beilegung der großen Gegenſätze kam es nicht, ſie iſt auch von keiner Seite beabſichtigt worden. Nur ein friedliches Neben⸗ einander, kein In⸗ und Miteinander ſucht Paulus und erreicht es.
2⁰) Paul Hene 156 Abfaſſung der Theſſalonicherbriefe, Velbert im Rheinland 1908,


