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Die Reise des Paulus von Jerusalem nach Damaskus / von Professor F. Hielscher
Entstehung
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Wer einmal an einem entſcheidenden Punkte von der hiſtoriſchen Wahrheit abgewichen iſt und ſomit die pragmatiſche Geſchichtsſchreibung verlaſſen hat, der verwickelt ſich in ein Netz von Schwierigkeiten. Ein wahres Glück! Wie ſollte ſonſt die Nachwelt, die einfach die Wahrheit wiſſen will, den Punkt bezeichnen können, wo die Tendenz einſetzt?

Da der natürliche Verlauf der Dinge für ihn nichts hergeben kann, ſo hilft ſich der Verfaſſer in der Weiſe, daß er Paulus in Jeruſalem einer neuen Viſion würdigt. Gott ſagt dem im Tempel Betenden:Eile und verlaſſe Jeruſalem ſchleunig. Ich will dich zu den Heiden in die Ferne ſenden. ¹¹)

Gelöſt iſt der Knoten nicht, aber wenigſtens durchhauen. Der Weg zur Heidenmiſſion iſt frei.

) Die Ueberſetzung und Auslegung der Verſe Kap 22, 1921, wie ſie Rudolf Knopf in denSchriften des Neuen Teſtaments, heraus⸗ gegeben von Johannes Weiß, I. Band zweiter Abſchnitt S. 99 100 gibt, könnte ich nicht annehmen. KGy&l.mπαο ανοιε, αιτον εέπQπouνυνππτ³α heißt bei ihm: Da ſprach ich: Herr, aber ſie wiſſen doch al e2e, ee: aber er ſprach zu mir.

Was Knopf zu ſeiner Ueberſetzung, die durch die beidenaber charakteriſiert iſt, veranlaßt hat, iſt eben die Schwierigkeit der Auslegung. Der griechiſche Text führt aber doch auf die Ueberſetzung, die Weizſäcker und Stage geben. Stage, der durch kurze Zuſätze in kleiner Schrift Erklärungen einflicht, trifft meines Erachtens den Nagel auf den Kopf,

wenn er überſetzt:Und ich ſprach: Ja, Herr, ſie wiſſen, daß, während man Knopf richtig auslegt, wenn man ihn überſetzen läßt:Da ſprach ich: Nein, Herr, ſie wiſſen

Damit iſt die Sache allerdings noch nicht erledigt. Denn wie kann bei ein und derſelben Stelle der eine zu dem erläuternden Zuſatz Ja, der andere zu Nein kommen? Ich glaube, daß der Verfaſſer der Apoſtel⸗ geſchichte hier zwei Berichte, die ihm vorlagen, vereinigt hat. Der eine lautete:Eile und verlaſſe Jeruſalem ſchleunig; denn ſie werden dein Zeugnis über mich nicht annehmen. Ich will dich zu den Heiden in die Ferne ſenden. Der zweite lautete:Herr, ſie wiſſen doch ſelbſt, daß ich es war, der die an dich Glaubenden gefangen nahm und mißhandelte in den Synagogen Und als das Blut deines Zeugen Stephanus vergoſſen wurde, ſtand ich ebenfalls dabei, hatte mein Gefallen daran und hütete die Kleider derer, die ihn töteten. Und er ſprach zu mir: Ziehe hin, ich will dich zu den Heiden in die Ferne ſenden.

Den einfachen Befehl Gottes einerſeits und die zaghafte Vorſtellung des Apoſtels mit dem darauf folgenden kurzen Befehl Gottes andererſeits hat der Verfaſſer zuſammengeſchweißt. Dabei gerieten die Worte des Apoſtels in die Mitte zwiſchen die Herrenworte und wurden nun einer doppelten Aus⸗ legung fähig; ſie konnten als Widerſpruch oder als Zuſtimmung zu den Herrenworten aufgefaßt werden.

Das an ſich Natürliche und übrigens auch dem Texte Entſprechende iſt doch letzteres.