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Wem die Juden nach dem Leben trachten, ſollte der wohl in Jeruſalem am beſten aufgehoben ſein? Und wenn er ſich wenigſtens noch ſtill verhielte! Aber nein, er fängt wieder an, den Juden zu predigen. Wieder ohne Erfolg natürlich, da er die Weihe der Gemeinde noch garnicht beſitzt. Wie ſchöne, reiche Erfolge hat dagegen auf demſelben Boden ein Mann wie Petrus gehabt, freilich auch eine reife, abgeklärte Natur. Gewann er doch einmal durch eine wunderbare Heilung und nachfolgende Predigt 5000 Seelen) auf einen Schlag, und es iſt nichts als Ketzerei, wenn Harnack auf Grund von J. Kor. 15,6 mißtrauiſch fragt:„Iſt hier nicht eine Null zuviel geſetzt?“ 6)
Paulus iſt eben noch unfertig, die Gemeinde muß ihn erſt erziehen. Nach den ſchweren Mißerfolgen in Damaskus und Jeruſalem wird er von ihr nach Tarſus in Cilicien gebracht. Was er hier getan hat? Könnten wir den Verfaſſer der Apoſtelgeſchichte fragen, er würde uns ſanft erwidern: „Geläutert hat ſich der unglückliche Mann, bis er zu der Klarheit der Urapoſtel durchdrang und zum Miſſionsdienſt brauchbar wurde. Hier hat er getroſt gewartet, bis ihn die Urgemeinde durch Barnabas zu Taten in der Heidenwelt aufrief“ Und wenn er ſeine Tendenz preisgeben dürfte, würde er noch hinzufügen:„Tarſus iſt für mich ſein Arabien.“
Beileibe nicht iſt Paulus ſelbſtändig auf den Gedanken gekommen, Heidenmiſſion zu treiben. Wie er ſein Beſtes von der Urgemeinde hat, ſo iſt er auch anfangs in ihren Geleiſen gewandelt und hat, wie ſie, Judenmiſſion getrieben. Wehe ihm, wenn er ſich jemals einbilden ſollte, etwas anderes zu ſein als das Werkzeug überlegener Köpfe zu Jeruſalem! Dann gäbe es ein Unglück. In Rom ſoll ſich das Papſttum entwickelt haben? Die erſten Päpſte ſaßen in Jeruſalem!
Schon auf Grund des Berichts Kapitel 7—9 behaupte ich: die abenteuerliche Fahrt des Paulus nach Damaskus hat nie ſtattgefunden. Nehmen wir wirklich einmal an, daß er ſeine Jugendjahre in Jeruſalem verlebt habe: was in aller Welt ſollte ihn dazu bewogen haben? Die Beweggründe, die der Verfaſſer dafür angibt, ſind gewiß die ſchönſten und beſten, die ſich finden ließen, aber ſie halten keiner ernſtlichen Prüfung ſtand. Aber weiter: Der Verfaſſer bemüht ſich ganz vergebens, uns zu verheimlichen, daß Paulus in Damaskus,
⁵5) Apoſtelgeſchichte 4,4. 6) Beiträge III 143, Anmerkung 1.


