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So bleibt uns nur eine Hoffnung: nämlich, daß vielleicht die begleitenden Umſtände, unter denen nach der Apoſtel⸗ geſchichte und nach Paulus ſelbſt die Berufung erfolgte, uns etwas verraten— ohne Wollen und Abſicht der Verfaſſer, vielleicht ſogar gegen ihr Wollen.
Wenden wir uns zunächſt der Apoſtelgeſchichte zu. Ich folge dem Gange des Buches und beginne mit dem Bericht Kapitel 7— 9.
Paulus ergreift zwar gegen Stephanus Partei, ſpielt aber bei der Steinigung noch eine ziemlich paſſive Rolle. Schnell jedoch wächſt er ſich zum leidenſchaftlichen Haupt⸗ gegner der Gemeinde aus, dringt in die Häuſer ein, ſchleppt Männer und Frauen fort und liefert ſie ein ins Gefängnis. Die Sache liegt nicht ſo, daß er in die Bewegung hinein⸗ geriſſen wäre, und daß ſein Eifer mit dem Zuſammenſinken der Bewegung auch wieder abflaute, ſondern ſo, daß ſie nicht erliſcht um ſeinetwillen, daß er ſich zum Haupte der Verfolger auswächſt über den Hohenprieſter hinaus. Nicht der Hohe⸗ prieſter tritt an Saul heran, ſondern Saul an den Hohen⸗ prieſter. Er iſt gehäſſiger als der Hoheprieſter, der ihm, in ſeiner Verfolgungswut, nur nachgibt. Saul hat den brennenden Wunſch, als Bevollmächtigter des Synedriums nach Damaskus zu ziehen, um Männer und Frauen, die zu der Lehre hielten, gebunden nach Jeruſalem zu bringen.
Wieviele Leſer der Apoſtelgeſchichte mögen ſchon inne⸗ gehalten haben, als ihr Auge auf den Namen Damaskus traf! Alſo bis dahin, bis über die Grenzen Paläſtinas hinaus, treibt den Paulus ſein wilder Haß!
In Wahrheit mutet der Verfaſſer ſeinen Leſern ein bischen viel zu. Die Chriſten in Damaskus werden nicht verfehlen, ſich von Paulus verhaften und binden zu laſſen, die fremde, heidniſche Obrigkeit wird ein Auge zudrücken und den Störenfried ſchalten laſſen, und Paulus wird mit einer großen Karawane von Gefangenen und Wächtern, begleitet von Laſtkamelen, die Lebensmittel tragen, triumphierend den Rückweg nach Jeruſalem antreten. Dort wird das Synedrium, dem die potestas gladii, der Blutbann, ja nicht zuſteht, Auspeitſchung und Einſperrung über die Gefangenen verhängen, um ſie dann ſchließlich wieder laufen zu laſſen. Alles außer⸗ ordentlich wahrſcheinlich!
Mag die Verfolgungswut des Paulus noch ſo groß geweſen ſein, ſie kann ihn nicht nach Damaskus geführt haben. Eine ſolche Reiſe wäre völlig ausſichtslos und oben⸗


