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2 (1894) Sachlich-historischer Teil
Entstehung
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1 Zur Befestigung, Erweiterung und Vertiefung des Concentrationsstoffes nach verschiedenen Seiten hin steht dem Lehrer noch ein anderes Hülfsmittel zur Verfügung, die Schüler- bibliothek. Sie befindet sich unter der speciellen Aufsicht des Classenführers, der das Recht hat, sie nach Rücksprache mit dem Bibliothekar je nach Bedürfnis zu vergrölsern. Auch die Schüler erwerben durch Bezahlung eines geringen Beitrags(je 10 Pfg. pro Viertel- jahr) das Recht, die Anschaffung bestimmter Bücher vorzuschlagen ev. zu verlangen. Nun soll ja die Schülerbibliothek gegenüber den Lehrbüchern der Schule durchaus den Charakter einer häuslichen Unterhaltungslectüre tragen, rein didaktische Stoffe sind aus leicht begreiflichen Gründen zu verwerfen. Aber auch die Unterhaltungslectüre kann doch in lehrhaftem Sinne wirken, wenn sie in einer dem Schüler interessanten Form und fesselnden Darstellung Stoffe enthält, die mit dem Unterrichte in Beziehung stehen. Handelt es sich in der betreffenden Geschichte ich denke besonders an gute historische Erzählungen um die Thaten und Schicksale von Personen, die der Schüler bei der Lectüre gewissermafsen mit erlebt, so wird seine Teilnahme für das Ganze auch in sehr hohem Grade erregt werden. Für den Unter- richt besonders brauchbare Bücher müssen in mindestens zwei Exemplaren vorhanden sein, um ihren Inhalt möglichst vielen Schülern zugänglich zu machen. Die Verteilung hat schon einige Zeit vorher zu geschehen, ehe ihr Inhalt im Unterrichte berührt wird; der Lehrer kann dabei von vornherein auf besonders wichtige Stellen hinweisen mit dem Hinzufügen, er werde auf ihren Inhalt im Unterrichte zurückkommen. Dadurch, dals er sich stets genaue Aufzeich- nungen über Leser und Gelesenes macht, ist er zu jeder Zeit im Stande zu sechen, wer das betreffende Buch gelesen hat oder gerade liest, und kann controllieren, ob und in wieweit der Inhalt zum Eigentum des Schülers geworden ist. Aulser historischen Erzählungen oder kleineren Geschichten aus dem heimatkundlichen Unterrichtsstoffe¹ sind auch gute Bücher geographischen und naturwissenschaftlichen Inhalts, etwa Charakterbilder aus Landeskunde, Pflanzen- und Tierwelt der Heimat? anzuschaffen, ferner einiges über den Wert und die Verwertung der heimatlichen Producte durch die Bewohner. Auch die deutsche Sage, die so viele Orte, Ge- birge und Flüsse unseres Vaterlandes umwebt, ist zu berücksichtigen 3. Treten dazu noch einige Bücher, deren Inhalt ebenfalls in Form einer Erzählung auf die Weckung des religiösen und ethischen Gefühls hinarbeitet(ausgewählte Schriften von Nieritz, Hoffmann. Horn, Spyri), so ist die Schülerbibliothek reich genug ausgestattet. Besitzen Lehrer oder Lehrerbibliothek Schriften, die nicht ihrem ganzen Inhalt und Umfange nach, wohl aber in einzelnen Teilen zur Stütze und Belebung des Unterrichts beitragen, so können auch diese in der Weise ver- wertet werden, daſs z. B. zwei sich freiwillig meldenden Schülern das Referat bezw. Correferat

1 Historische Erzählungen von Pichler, Schmidt, Horn; sehr brauchbar sind die soeben im Verlage von Köhler in Dresden Leipzig unter dem Titel:»Aus unsrer Väter Tagen« erscheinenden Bilder aus der deutschen Geschichte; Bd. I An der römischen Grenzmark, Bd. II Deutsche Göttersagen, Bd. III Im Strome der Völkerwanderung, Bd. IV Das Kreuz im deutschen Walde. Vgl. auch das oben angeführte Buch von Böe, Culturbilder aus Deutschlands Vergangenheit.

² Aulser den oben erwähnten Büchern von Buchholz, Daniel, Hentschel u. Märkel auch Grube, Bilder und Scenen aus dem Natur- und Menschenleben.

³ Z. B. Pfeil deutsche Sagen; Grimm, deutsche Märchen; Geib, Sagen des Rheinlandes; Claudius, Rhein- sagen; Pröhlke, Rheinlands Sagen und Geschichten; Wettig, der Sagenkranz der Wartburg; Berger, Gebirgs- sagen(Rübezahlsagen, thür. Sagen, Kyffhäusersagen, Sagen vom Harz u. der Insel Rügen etc); vgl. das oben citierte Buch von Schneider und Witzschel, Sagen, Sitten und Gebräuche aus Thüringen.