Pro
—◻
„184
(Als Beilage zum Programm des Grossherzoglichen Gymnasiums zu Giessey
X.
Der Unterricht in Quinta nach dem Concentratiom
r
Vom prov. Gymnasiallehrer Lehramtsassessor Dr./Schmitt.
———
II. Sachlich-historischer Theil.
In diesem Teile sind ebenfalls hauptsächlich Lateinisch, Deutsch und Geographie berück- sichtigt; die übrigen Fächer— Religion, Naturgeschichte, Zeichnen, Singen, Turnen“— nur insoweit, als sie vom Verfasser bei seinem Unterrichte wirklich verwertet wurden. Eine aus- giebigere Benutzung erweist sich zur Zeit aus naheliegenden Gründen als nicht durchführbar.
A. Heimatkunde.
Der Lehrstoff im Deutschen hat nach dem Lehrplan zunächst den Zweck, dem Schüler über seine Vorfahren und das von ihnen bewohnte Land eine anschauliche Vorstellung zu geben. Von den alten Germanen, ihrer Lebensweise, ihren Sitten, Staatseinrichtungen, hervor- ragenden Schicksalen, sowie einem landschaftlichen Bilde Deutschlands zur Römerzeit ausgehend bringt der Lehrer die allmähliche Entwicklung und den Fortschritt dieses Volkes in culturhistorischer Beziehung vermittelst einzelner anschaulicher, in sich ab- geschlossener Bilder zu klarer Darstellung; diese Bilder gruppieren sich meist um eine bedeutende Persönlichkeit und schliessen im wesentlichen mit den grolsen Tagen von 1870 ab.
Der geographische Lehrstoff führt dem Schüler das deutsche Land und seine Bewohner auf ihrer heutigen Culturstufe vor Augen. Hierbei soll er besonders dafür ein klares Verständnis gewinnen, wie im Gegensatze zur früheren Zeit der Mensch kraft seiner mit der Cultur zunehmenden geistigen Ausbildung die Herrschaft über die Natur dieses Landes und seine Producte sowohl zum eigenen Vorteil wie auch im Interesse seiner Mitmenschen jetzt zu verwerten im Stande ist. Wie diese Stufe im Laufe der Jahrhunderte erreicht
1 Im Auszug schon veröffentlicht in Schiller, die einheitliche Gestaltung des Gymnasialunterrichts, Halle 1890, p. 44 ff. Inzwischen haben sich in der Praxis des Unterrichts wie auch infolge der Einführung des deutschen Lesebuches von Dadelsen in den unteren Klassen(Teil I für Sexta, Teil II für Quinta, Straſs- burg 1892) einzelne IImänderungen und Zusätze ergeben.
² Ausführlicheres hierüber bei Schiller a. a. O. p. 53 ff. u. 59. Zum Zeichnen vgl. Matthäi, der Zeichen- unterricht am humanistischen Gymnasium und sein Verhältnis zu den übrigen Unterrichtsfächern, Gymn. Programm 1889/90 p. 13 ff; Willmann päd. Vorträge p. 109; Zopf in Zeitschr. f. d. Gymn. XXXVII, p. 108 ff; zum Religionsunterricht Schiller Handb. d. Päd. Leipzig 1890² p. 277 ff. u. 539; ders. in Zeitschr. f. d. Gymn. XXXXII, p. 407 u. 415; Zange in Lehrpr. XII, p. 81 ff. Beispiele für Rechenaufgaben, welche dem Concen- trationsprincip entsprechen, gibt Hartmann, Anleitung zur Behandlung des elem. Rechenunterr. Leipzig 1890 p. 85; vgl auch Willmann a. a. 0. p. 105.


