worden ist, wird dem Schüler erst vollständig klar durch eine Verbindung von Deutsch und Geographie, die man mit Recht Heimatkunde nennen kann. Sie führt ihn direct in das Verständnis seines Volkstums ein, und es wird daher keines besonderen Beweises bedürfen dafür, dafs der Lehrstoff dieser beiden Fächer, die mit zusammen 7 Stunden wöchentlich am Gesamtunterrichte beteiligt sind, in den Mittelpunkt desselben zu treten hat. Wirksame Stützen bieten dabei die neleingefühtrten Lesebücher von Dadelsen, welche im Vergleich zu dem bis- herigen Lesebuch von Masius eine grolse Reihe von kurzen, aber klar und vorbildlich abge- falsten Darstellungen aus der deutschen Sage, Landes- und Volkskunde enthalten.
I. Deutsch. ¹
Der Deutsche Unterricht führt folgende Geschichtsbilder vor:
1. Wie es zur Römerzeit in unserer Umgebung aussah. Verbunden wird hier- mit ein Ausflug an den benachbarten Pfahlgraben“ und das neuausgegrabene Römercastell bei Arnsburg, an die Hünengräber auf dem Trieb sowie ein Besuch der Sammlungen des historishen Vereins zu Giefsen(groſsenteils Resultate der Ausgrabungen aus den Hünengräbern). Land- schaftliche und ethnographische Verhältnisse(Ausfehen, Ansiedelungen, fränkisches und säch- sisches Bauernhaus, häusliches Leben, Beschäftigung, Gottesverehrung, öffentliches Leben). Denkmäler der Römerzeit(s. o.), Kunde von unseren Vorfahren durch römische Geschichts- schreiber.
2. Armin, mit Hervorhebung der kriegerischen Verfassung, insbesondere der Kampfes- weise der Germanen. Typus: Schlacht im Teutoburger Walde. Statthalterschaft des Varus typisch für die Ausübung der römischen Herrschaft in germanischen Ländern. Stamm, Volk. Volksbund.
3. die Völkerwanderung. Das Reich der Thüringer und deren Kämpfe mit den Chatten, unter typischer Heraushebung des germanischen Königsstaates; die Teilung zwischen Sachsen und Franken, fränkische und sächsische Bewaffnung. Geographisches Bild. In die Völkerwanderung werden die Sagen von Siegfried und Krimhilde, Dietrich von Bern und Walter von Aquitanien eingeschoben, jedoch nur kurz behandelt,4 da die weitere Ausführung der Quarta pleibt.
¹ Zu Bild 1—6 vgl. Frick, Materialien für den Geschichtsunterricht in Quinta, Lehrpr. II p. 98 ff; die übrigen sind teils aus den Ergebnissen des Unterrichts erwachsen, teils mit Rücksicht auf die neuen Lehrpläne hinzugefügt. Vgl. dazu Freytag, Bilder aus der deutschen Vergangenheit; Böe, Culturbilder aus Deutschlands Vergangenheit, Leipzig 1890; Richter, deutsche Geschichtsbilder, Leipzig 1893; Zimmermann, Geschichte der Deutschen in Gedichten mit verb. Text, Erlangen 1885; Sach, die deutsche Heimat, Halle 1855. Als Lehrmittel sind Lehmanns und Lohmeyers geschichtliche Bilder zu benutzen, für den Schüler auch brauchbar die sechs in Voigtländers Verlag in Leipzig erschienenen Farbendruckbilder zur deutschen Culturgeschichte.
² Mit Benutzung der Reconstruction in der römischen Geschichte von Roth.
² Vgl. das Gedicht»Drusus' Tod«: An den heil'gen Göttereichen klang die Axt mit frevlen Streichen. Wie in diesem Gedichte Drusus' dem Schüler als Typus der römischen Ländergier entgegentritt, so lernt er aus den Worten des Dichters: Keines Römers schnöde Habsucht soll dir je dein Grab versehren(Grab im Busento) die Habgier dieses Volkes kennen.
* Etwa im Anschlufs an: Soldan, Sagen auf dem Boden der Stadt Worms, Gütersloh 1891.
041. 403 343ℳ


