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Wie in dem vor. Programm ſchon mitgetheilt wurde, konnte die durch die Vereinigung der beiden früheren Hülfslehrerſtellen an der Schule neugebildete Elementarlehrerſtelle erſt mit dem 1. Juni v. J. durch Herrn Lehrer Haaſe beſetzt werden, da ein früheres Austreten deſſelben aus ſeinem Lehramte an der Bürgerſchule in Gelnhauſen dem beſtellten Lehrer nicht geſtattet wurde. Nicht ohne große Schwierigkeiten wurde es möglich, die Stelle in dem 1. Quartal des Schuljahres zu verſehen, und ſind wir beſonders Herrn Studioſus Franz, einem früheren Schüler der Anſtalt, für die uns geleiſtete Aushülfe zu beſonderem Dank verpflichtet. Peit dem Eintritt des Herrn Haaſe, deſſen Einführung beim Wiederbeginn des Unterrichts nach den Sommerferien ſtattfand, wurde es möglich weſentliche Verbeſſerungen in dem Lectionsplane eintreten zu laſſen, die für die ſichere Erreichung der Ziele der Klaſſen und der Anſtalt von großem Vortheil ſein werden.
Am Schluſſe des Schuljahres ſteht eine Veränderung im Lehrerperſonal in der Weiſe bevor, daß Herr Wachsmuth, ordentl. Lehrer des Franzöͤſiſchen, nach vierjährigen mit Pünktlichkeit und Erfolg geleiſteten Dienſten aus dem Lehrercollegium ausſcheidet und an ſeine Stelle Herr Hölzer⸗ kopf, ſeit mehreren Jahren Lehrer an der Realſchule zu Uſingen eintritt*).
Beim Rückblick auf das nunmehr verfloſſene Schuljahr hat der Unterzeichnete auch noch der ſchmerzlichen Pflicht zu genügen und des nach längerer und wiederholter Krankheit am 4. Juli erfolgten Ablebens eines recht braven, talentvollen und fleißigen Schülers der Secunda, Louis Pfeffer aus Belnhauſen, zu gedenken. Da er turz vor ſeinem Tode in ſeine Heimath zurückgetehrt war, reiſten einige Lehrer und die Mitſchüler ſeiner Klaſſe dahin, um ihn zu ſeiner ſo früh gefundenen, letzten Ruheſtätte zu geleiten. Der Geſundheitszuſtand war überhaupt in dem letzten Jahr kein ſo günſtiger als in den früheren Jahren, indem Lehrer und Schüler mehr als ſonſt an der Erfüllung ihrer Pflichten durch Krankheit verhindert waren. So war Herr Pfarrer Wolff durch einen hartnäckigen Rheumatismus vom 17. Februar an am Unterricht gehindert, und eine nicht geringe Anzahl Schüler war an Diphtheritis erkrankt, wenn wir auch Gott Lob keinen Todesfall zu betrauern haben. Bei Verhinderungen von Lehrern trat der Unterzeichnete, ſo weit es ſeine freie Zeit erlaubte, ſtellvertretend ein. Durch weiteres Vicariren der Collegen wurde dann ein Ausfall von Unterrichtsſtunden thunlichſt vermieden.
An dem nun ſchon ſeit vielen Jahren zu einem Nationalfeſttage erhobenen 2. September fand ein Schulactus ſtatt. Wie in den früheren Jahren hielt an dieſem Tage der Unterzeichnete die Feſtrede, in welcher er die Frage:„Welches iſt die Aufgabe der Schule, um den gemeinſchädlichen Beſtrebungen der Socialdemokratie entgegenzutreten?“ zu beantworten ſuchte. Ein großer Theil der Schüler betheiligte ſich an dem am Nachmittage deſſelben Tages ſtandfindenden Jugendfeſte, welches durch das herrlichſte Wetter begünſtigt wurde. Am zweiten Schulfeiertage, dem höchſterfreulichen Geburtstage Sr. Majeſtät unſeres Kaiſers und Königs, ſprach Herr College Leimbach über die deutſche nationale Dichtung. Nach üblicher Sitte wechſelten außerdem bei beiden Schulfeierlich⸗ keiten Geſang und Declamation von Liedern und patriotiſchen, zur Feier des Tages in Beziehung ſtehenden Gedichten mit einander ab. Die erſchütternden Nachrichten von den höchſt beklagens⸗ werthen Attentaten verworfener Subjecte auf das Leben unſers allgeliebten Kaiſers gaben ferner Veranlaſſung zu einigen Schulactus, in denen über das Entſetzliche und Abſcheuliche dieſer ſchwerſten Verbrechen geſprochen, ſodann Gott für die höchſt wunderbare Errettung innig gedankt, und um volle Geneſung des erhabenen Regenten gemeinſchaftlich gebetet wurde. Ein beſonderer Schulactus wurde auch abgehalten zur Feier der Wiederaufnahme der Regierung durch den greiſen Kaiſer am 7. December.
Am 19. Juni wurde mit den 3 unteren Klaſſen in 3 Abtheilungen, von den Herrn Collegen Dute, Leimbach, Wachsmuth und Schneider geführt, ein Spaziergang nach Rauſchenberg, bzw. Mellnau und dem Frauenberg unternommen. Ein Ausflug für die beiden oberen Klaſſen mußte in dieſem Jahre aus beſonderen Gründen unterbleiben.
Da ſchon im Juni wegen großer Hitze an einigen Nachmittagen die Stunden ausfallen mußten, beſchloß die Conferenz die Sommerferien von 3 auf 4 Wochen(vom 27. Juni bis 24. Juli) auszudehnen und die dreiwöchentlichen Herbſtferien auf 2 Wochen zu kürzen(vom 28. Sept. bis
*) Herr Hölzerkopf, geb. den 3. Mai 1843 zu Inſtätt, Kr. Eſchwege, beſtand nach vollendetem Studium auf der hieſ. Univerſität während der Jahre 1869— 1872 bei der hieſ. Prüfungs⸗Commiſſion das Eramen für das höhere Lehramt und erwarb ſich die facultas docendi im Franzöſiſchen und Engliſchen für alle Klaſſen, in Deutſch und Geſchichte für die mittlern Klaſſen.


