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Religionskriegen erlangten ſie endlich durch Heinrich IV. das Edikt von Nantes(1598), welches ihnen eine große politiſche Macht, volle Religionsfreiheit und bürgerliche Gleichſtellung mit den Katholiken gewährte. Allein durch Cardinal Richelien wurde ihnen bereits 1628 ihre politiſche Macht und durch Ludwig XIV. feit 1661 unter Leitung ſeiner jeſuitiſchen Beichtväter La Chaiſe und Le Tellier die freie Religionsübung entriſſen. Der König glaubte durch die gewaltſame Bekehrung der Reformirten(Hugenotten) und durch Aufhebung des Edikts von Nantes(1685) für ſeine Sünden büßen zu können. Etwa 50000 derſelben wanderten aus; Tauſende ſtarben auf den Galeeren, auf dem Scheiterhaufen, am Galgen, in den Gefängniſſen, hinter den Kloſtermauern; an 2 Millionen wurden rechtlos und ſchutzlos gemacht und mußten ihre Gottesdienſte unter Todesgefahren in der Wüſte halten. Erſt nach der Revolution von 1789 erhielten ſie wieder Duldung und unter Napoleon I. ſtaatliche Anerkennung. Keine Kirche der Chriſtenheit aber ſeit der Reformation zählt ſo viele und edle Blutzeugen des Herrn Jeſu als dieſe reformirte in Frankreich.
b) In den Niederlanden drang der evangeliſche beſonders der reformirte Glauben trotz der grauſamſten Ver⸗ folgungen unter Karl V. und Philipp II. dauernd ein. Nach der Utrechter Union von 1579 wurde dann eine ſtreng⸗ reformirte Landeskirche im Gebiete der General⸗Staaten gegründet, welche durch die Synode von Dortrecht(1618) ihre ſchärfſte Ausprägung in der Lehre erhielt und ſich bis in den Anfang des 19. Jahrhunderts behauptete. Während der franzöſichen Okkupation wurden jedoch die Katholiken den Reformirten gleichgeſtellt, die alten Grundlagen der reformirten Kirche auch ſonſt tief erſchüttert und der gegenwärtige Zuſtand angebahnt, in welchem die reformirte Kirche durch Partheiungen zerrüttet iſt, der Katholicismus aber immer einflußreicher hervortritt.
c) In Schottland war 1528 ein Jüngling aus königlichem Geſchlechte, Patrick Hamilton, welcher in Marburg ſtudirt und den evangeliſchen Glauben angenommen hatte, als erſter Märtyrer verbrannt worden. Vielen andern erging es ebenſo, bis endlich das ſchottiſche Volk, angefeuert durch den ſtreng kalviniſchen und unerſchütterlichen John Knox, ſich für den reformirten Glauben erhob, denſelben 1560(confessio Scotica) öffentlich einführte und durch die Presbyterial-Verfaſſung 1592 feſtſtellte. Nach der hartnäckigen Verfolgung deſſelben durch die Stuarts wurde die Presbyterialkirche 1690 durch Wilhelm III. wieder in ihre Rechte eingeſetzt. Weil ſie jedoch zu eng mit der Regierung zuſammenhing, trennte ſich der frömmſte und eifrigſte Theil ihrer Geiſtlichen und Gemeindeglieder 1843 von ihr und gründete die„freie Kirche“, welche ſeitdem neben der reformirten Staatskirche beſteht.
Durch ausgewanderte Puritaner, Independenten und Presbyteraner verbreitete ſich das reformirte Kirchenweſen ſeit dem 17. Jahrhundert auch nach Nord⸗Amerika.
§. 40. Die Kirche von England(catholic church, etablished church).
Neben der lutheriſchen und reformirten Kirche des Feſtlands bildete ſich in England als eigenthümliche Form des Proteſtantismus die anglikaniſche Kirche aus.
a) Nachdem Heinrich VIII. aus unlautern Beweggründen die Kirche Englands 1532 vom Papſte gelöſt hatte, ließ er ſich ſelbſt zum Haupt derſelben erklären, zog die Klöſter ein und erlaubte dem Erzbiſchof Cranmer von Canterbury, die Vorleſung des Wortes Gottes kirchlich einzuführen, dagegen behielt er Cölibat, Ohrenbeichte, Todtenmeſſe und Transſubſtantiation bei. Erſt unter Eduard VI.(1547— 53) wurde durch Cranmer ein evangeliſcher Katechismus abgefaßt, eine Sammlung guter Predigten(Homilien) den Pfarrern zum Vorleſen übergeben und der ganze Gottes— dienſt durch das allgemeine Gebetbuch(Comon prayer book) evangeliſch, aber mit einer reichen Liturgie eingerichtet. Maria die Katholiſche(bloody Maria) ſtellte zwar(1553— 58) durch Feuer und Schwert den Katholicismus wieder her, aber das engliſche Volk wurde durch den Todesmuth der zahlreichen Märtyrer ſoſehr für den evangeliſchen Glauben gewonnen, daß Eliſabeth(1558— 1603) die Reformen Eduards VI. alsbald erneuerte, das Bekentniß der 39 Artikel zum Geſetz erhob(1571) und die engliſche Staatskirche in ihrer noch jetzt beſtehenden Geſtalt begründete. Unter der Oberhoheit der Krone wird dieſelbe von Erzbiſchöfen und Biſchöfen regiert, iſt aber in der Lehre gemäßigt reformirt. In England umfaßt ſie etwa die Hälfte der Bevölkerung.
b) Wegen der engen Verbindung der anglikaniſchen Kirche mit dem Staat, wegen ihres vornehmen und prälatiſtiſchen Charakters und wegen der ausgebildeten Liturgie ihrer Gottesdienſte erhoben ſich die kalviniſch geſinnten, äußerſt ſtrengen Puritaner ſchon 1558 gegen dieſelbe, fanden ſeit 1610 Bundesgenoſſen in dieſem Kampfe an den Independenten, erlangten mit dieſen von 1640— 60 die Oberhand in Staat und Kirche, wurden dann als Diſſenters von den Stuarts wieder gewaltſam unterdrückt und erlangten erſt 1689 durch Wilhelm III. Religionsfreiheit, ja ſogar erſt 1828 bürgerliche Gleichberechtigung mit den Anglikanern.
c) Eine innerliche Erneuerung der anglikaniſchen Kirche wurde ſeit 1729 durch die Methodiſten bewirkt. Ihr Gründer John Wesley(1703— 91), ein innig frommer Prediger der Buße, des Glaubens und der Heiligung, nahm ſich beſonders des armen und geringen Volkes an, welches von der Staatskirche vernachläſſigt wurde, drang auf gründliche Bekehrung, und bewirkte in der geſammten anglikaniſchen Kirche eine ernſtere Hinwendung zum Evangelium. In Folge dieſer allgemeineren Glaubensbewegung konnte William Wilberforce(1759— 1833) im Jahr 1807 die Aufhebung der Sklaverei im engliſchen Gebiete durchſetzen. Die Methodiſten fehlten jedoch darin, daß ſie einerſeits jede Bekehrung nur dann als gültig betrachteten, wenn ſie plötzlich und gewaltſam wie bei St. Paulus geſchehen war, und daß ſie andererſeits beſondere Gemeinden neben der Landeskirche bildeten. Auch nach Auterika und dem Feſtland Europas haben ſie ſich verbreitet.
d) In der anglikaniſchen Kirche beſtehen gegenwärtig zwei Partheien, die hochkirchliche(high church), welche die alten katholiſchen Traditionen im Gottesdienſt herzuſtellen und wo möglich den Anſchluß an Rom zu erreichen ſtrebt, und die niederkirchliche(law church), welche mehr bibliſch geſinnt iſt und mit den Diſſenters zuſammenzugehen ſucht.


