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2 (1879)
Entstehung
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d) Um ſich auch im Gottesdienſt ganz nach dem Worte Gottes zu richten, wurden nur ſolche Einrichtungen und Gebräuche erlaubt, welche entweder von Gott Selbſt befohlen oder durch das Vorbild der Apoſtelzeit geheiligt waren. Dem⸗ gemäß wurde das Kirchenjahr ſowie die Vorleſung der Evangelien und Epiſteln abgeſchafft, dagegen ſo viel als möglich die ganze Bibel durchgepredigt; die Altäre, Taufſteine, Kreuze, Lichte, Bilder wurden entfernt und nur Tiſche gebraucht; alle Gebete wurden auf die Kanzel verlegt; ſtatt der alten Hymnen und der neuen Kirchenlieder wurden nur die Pſalmen geſungen; das Hauptgewicht im Gottesdienſt wurde überhanpt auf die Anbetung im Geiſt und in der Wahrheit gelegt.

2) Der erſte Begründer der ſtreng reformirten Kirche und zwar zunächſt in der deutſchen Schweiz war Ullrich Zwingli; viel bedeutender und wichtiger aber für die franzöſiche Schweiz und weiterhin für die ganze reformirte Kirche wurde Johann Calvin.

a) Ullrich Zwingli(1484 1532), aus Wildhaus in Toggenburg, zu Wien und Baſel humaniſtiſch gebildet, ein offenherziger und thatkräftiger Mann, kam ohne eigentliche Seelenkämpfe durch das Studium des N. Teſtaments zur Erkenntniß des Evangeliums, bekämpfte dann als Pfarrer in Glarus, ſpäter in Maria⸗Einſiedeln den Heiligendienſt und andere Misbräuche der katholiſchen Kirche, trat ſeit 1519 als Leutprieſter zu Zürich muthig gegen den Ablaß auf, lernte nunmehr auch Luthers Schriften kennen, erlangte 1520 vom Züricher Rath das Gebot, daß nur nach dem Worte Gottes gepredigt werden ſolle, bewirkte 1524 die völlige Durchführung der Reformation in den Kirchen von Zürich, fiel aber ſchon 1532 in der Schlacht bei Cappel gegen die katholiſchen Urkantone, nachdem unter ſeiner Mit⸗ wirkung auch Baſel und Bern den reformirten Glauben angenommen hatten.

b) Ungleich großartiger, tiefer und weitgreifender war die Wirkſamkeit Johann Calvins, des Reformators und Geſetzgebers von Genf(geb. zu Noyon 1509 und geſt. zu Genf 1564). Schon als Knabe ungewöhnlich ernſt und ſtill, aber mit einem durchdringenden Verſtand und einem ſehr treuen Gedächtniß begabt ſtudirte er als Jüngling in Paris, Orleans und Bourges nach dem Willen ſeines Vaters die Rechte und aus eigner tiefſter Neigung Theologie, beides mit dem größten Erfolg. Durch das Studium des griechiſchen Neuen Teſtaments kam er zur klaren Erkenntniß der evangeliſchen Wahrheit und nach ſchweren innern Kämpfen zu dem Eutſchluß, ſich der verfolgten evangeliſchen Gemeinde zu Paris anzuſchließen. Es dauerte nicht lange, ſo wurde der geiſtesmächtige, nur Gottes Ehre ſuchende Jüngling zu deren Prieſter erwählt. Aber gerade deshalb mußte er ſchon 1534 aus Frank⸗ reich fliehen, um dem Feuertode zu entgehen. In Baſel ſchrieb er darauf ſeinenUnterricht in der chriſtlichen Neligion, das bedeutendſte theologiſche Werk ſeiner Zeit, in welchem bereits die ganze Eigenthümlichkeit der ſtreng reformirten Kirche zum Ausdruck kam. Nachdem er zwei Jahre lang in Italien mit den bedrängten Evangeliſchen, beſonders mit der Herzogin Renata von Eſte in Ferrarg in Verbindung geſtanden hatte, wollte er 1536 über Genf nach Baſel reiſen, um ſich hier als Lehrer der Theologie niederzulaſſen. Aber in Genf, wo 1532 der Biſchof vertrieben, der Einfluß der Herzöge von Savoyen gebrochen und der katholiſche Gottesdienſt abgeſchafft, dagegen der evangeliſche Gottesdienſt bei der allgemeinen Unruhe des Volks noch nicht eingeführt war und überhaupt ein zuchtloſes, wildes Treiben herrſchte, hielt ihn der Prediger Wilhelm Farel als den einzigen Mann, welcher der Genfer Kirche helfen könne, durch die Drohungen des göttlichen Fluches und Gerichtes zurück. Mit Erlaubniß des Raths von Genf blieb nun der 27 jährige, etwas kränkliche nnd ſtille Mann wider ſeinen Willen, nur durch das Gewiſſen gezwungen in der Stadt, um dieſelbe nach Gottes Wort zu reformiren. Sehr bald gewann er den Rath für die durchgreifendſten Maß⸗ regeln. Evangeliſche Schulen wurden gegründet, ein Katechismus eingeführt, die ſtrenge Feier des Sonntags befohlen, alle öffentlichen Gelage, Tänze, Maskeraden, Glücksſpiele, Muſiken und Luſtbarkeiten verboten, das ganze Leben der Bevölkerung binnen Kurzem umgewandelt. Genf ſchien auf einmal eine andere Stadt geworden zu ſein. Doch dieſer Schein hielt nicht lange vor. Die leichtlebige Bevölkerung entbehrte ſehr bald mit Erbitterung die gewohnten Ver⸗ gnügungen. Eine Parthei von Ungläubigen, welche ſich ſelbſt Libertins nannten und von Zucht, Gottesdienſt und Mäßigkeit nichts wiſſen wollten, ſchürte die Unzufriedenheit. Der Rath ſelbſt wurde endlich wankend und trat auf die Seite der zornigen Menge gegen Calvin und deſſen Freunde. Zu Oſtern 1538 kam es wegen der Kirchenzucht zum offenen Bruch. Calvin wurde auf ewige Zeiten aus Genf verbannt, aber fand ſogleich als Lehrer der Theologie zu Straßburg eine glückliche Wirkſamkeit, iu welcher er auch die deutſchen Lutheraner, beſonders Melanchthon kennen lernte. Die Stadt Genf aber taumelte unterdeß dem Abgrund entgegen; eine katholiſche Parthei im Bunde mit Savoyen konſpirirte ſchon zur Herſtellung des Papſtthums. Da ermannten ſich jedoch die beſſeren Bürger, wählten einen evangeliſch geſinnten Rath und ruhten nicht eher als bis Calvin ihren Bitten Gehör gab und wieder nach Genf kam(1541). Feierlich verſprach die geſammte Bürgerſchaft, ſie wolle ſich in allen Dingen nach Gottes Wort richten; Calvin aber kannte bis an ſein Ende kein höheres Ziel, als die Herrſchaft des lebendigen Gottes durch Sein Wort in der Stadt und weiterhin aufzurichten Zu dieſem Zweck wurden einerſeits alle weltlichen Geſetze der kleinen Republik umgeſtaltet, andererſeits in der Kirche die Presbyterial⸗Verfaſſung eingeführt. Auch gelang es Calvin wirklich, trotz des heftigſten Widerſtandes der Gegner ſeine heiligſten Ueberzeugungen der Genfer Bevölkerung einzuprägen und die Stadt zu einem Vorbild der ganzen Chriſtenheit in ernſtem chriſtlichem Wandel zu erheben. Zugleich wurde ſie ein Zufluchtsort der vertriebenen Evangeliſchen aus Italien, Frankreich, Holland, England und Schottland und blieb ſelbſt nach Calvins Tod(1564) noch lange Zeit der geiſtige Mittelpunkt der reformirten Kirche. Erſt im 18. Jahrhundert erloſch das alte Glaubensleben der Stadt unter der Einwirkung der in ganz Europa herrſchenden rationaliſtiſchen Denkweiſe. Eine Herſtellung deſſelben aber wurde im 19. Jahrhundert durch die Einwandernng einer zahlreichen katholiſchen Bevölkerung aus Frankreich und Piemont unmöglich gemacht.

3) In Frankreich, Holland und Schottland wurde die reformirte Kirche für lange Zeit eine Kirche von Märtyrern. 2*

a) Am Meiſten war dies in Frankreich der Fall. Trotz des Widerſtandes der Könige, des Hauſes Guiſe und der hohen Geiſtlichen trat im 16. Jahrhundert ein Drittel des franzöſiſchen Volkes zur reformirten Kirche über, an der Spitze deſſelben das Haus Bourbon und ein großer Theil des Adels. Ihr Bekenntniß wurde zu Paris im Jahr 1559 abgefaßt(confessio Gallicana). Nach den Greueln der Bartholomäusnacht(24. Auguſt 1572) und nach ſchweren

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