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Jeruſalem, du hochgebaute Stadt; Joſuag Stegmann,(1588— 1633): Ach bleib mit deiner Gnade; Martin Rinkart, (1586— 1679): Nun danket alle Gott; Paul Flemming,(1609— 1640): In allen meinen Thaten; Joh. Heermann, (1585— 1647): Herzliebſter Jeſu, was haſt du verbrochen? O Gott du frommer Gott; So wahr ich lebe, ſpricht mein Gott; Georg Neumark,(1621— 168¹);: Wer nnr den lieben Gott läßt walten; Johaun Ge. Albinus,(1649— 1675): Straf mich nicht in deinem Zorn, Alle Menſchen muſſen ſterben; Joh. Riſt,(1607— 1667): Werde munter mein Gemüthe; Simon Dach,(1605— 1659): Ich bin ja Herr in deiner Macht; Louiſe Henriette von Brandenburg, die Gemahlin des großen Kurfürſten, eine Enkelin des Admirals und Märtyrers Coligny, aus dem Hauſe Oranien, in ihrem Glauben gemäßigt reformirt, in der Schule des Kreuzes geübt(geb. 1627, geſt. 1667), eine Freundin der Lieder Paul Gerhards, hinterließ das Triumphlied des Glaubens über Tod und Verweſung: Jeſus, meine Zuverſicht. Michael Schirmer,(1606— 1673): O heiliger Geiſt, kehr bei uns ein; Samuel Nodigaſt,(1649— 1700): Was Gott thut, das iſt wohlgethan; Chriſtian Keimann,(1607— 1662): Meinen Jeſum laß ich nicht; Johannes Frank,(1618— 1677): Jeſu, meine Freude; Schmücke dich, o liebe Seele; Tobias Clausnitzer,(1619— 1684): Liebſter Jeſu, wir ſind hier.
c) Der bedeutendſte aller Liederdichter aber, deſſen Geſänge für alle Zeiten mit dem Herzen des evangeliſchen Deutſchlands verwachſen ſind, war Paul Gerhard,(1606— 1676). Als der Sohn des Bürgermeiſters zu Gräfenhainichen geboren und von ſeinen Eltern fromm erzogen erlebte er in ſeinen Jünglingsjahren die Schrecken des eutſchen Kriegs, ſah ſeine Vaterſtadt geplündert und verbrannt, wurde im tiefſten Innern dadurch erſchüttert, aber auch zu Gott gezogen und ſprach ſchon frühe ſeinen Schmerz wie ſeinen Troſt im Liede aus. Nachdem er noch als Candidat und Hauslehrer den weſtphäliſchen Frieden mit dem Geſang begrüßt hatte: Gott Lob, nun iſt erſchollen das edle Fried⸗ und
Freuden⸗Wort, wurde er 1652 als Probſt nach Mittenwalde und 1657 als Diakon an die Nikolaikirche in Berlin berufen.
Als Prediger, Seelſorger und Liederdichter fand er in Berlin, welches damals 20000 Cinwohner zählte, die geſegnetſte Wirkſamkeit; das chriſtliche Leben der Bürgerſchaft hob ſich durch ſeinen Einfluß zuſehends. Doch der wilde Streit, welcher ſeit dem Uebertritt des Kurfürſten Johann Sigismund zur reformirten Kirche(1613) auf den meiſten lutheriſchen Kanzeln der Mark gegen das reformirte Bekenntniß geführt wurde, ſollte dieſe geſegnete Wirkſamkeit Gerhards in beklagenswerther Weiſe unterbrechen. Aus verſchiedenen Urſachen war dieſer Streit gerade damals in gehüäſſigſter Geſtalt neu aufgelodert. Vergeblich verſuchte der große Kurfürſt denſelben durch wiederholte friedliche Verhandlungen der Partheien beizulegen. Gerhard ſelbſt, welcher ſich auf der Kanzel des feindlichen Haderns gänzlich enthielt, faßte doch die Streitpunkte als zu wichtig auf, um ſich den Reformirten zu nähern, und wollte ſich für alle Fälle das Recht wahren, ſein lutheriſches Bekenntniß unter Umſtänden auch auf der Kanzel gegen die reformirte Lehre zu ver⸗ theidigen. Als daher der Kurfürſt 1664 von allen lutheriſchen und reformirten Predigern einen Revers verlangte, daß ſie ſich des unchriſtlichen Scheltens und Läſterns gegen einander gänzlich enthalten wollten, verweigerte der ſonſt ſo friedliche Gerhard denſelben mit größter Beſtimmtheit und wurde deßhalb von ſeinem Amte enthoben. Auf Bitten des Magiſtrats und der Zünfte wollte ihn zwar der Kurfürſt wieder annehmen, indem er einen ſtillſchweigenden Gehorſam von ihm erwartete, allein auch hierauf glaubte Gerhard um ſeines Gewiſſens willen nicht eingehen zu können und mußte nun ſein Amt aufgeben. Nachdem er mit ſeiner Familie eine Zeit lang von den Geſchenken ſeiner Freunde gelebt hatte, folgte er 1668 einem Rufe als Archidiakon nach Lübben in der Lauſitz, wo er nach vielen ſchweren Trüb⸗ ſalen 1676 ſeinen Lebensabend ſchloß. Schon bei ſeinen Lebzeiten waren viele ſeiner Lieder in die Geſangbücher über⸗ gegangen. Aus der Bibel, aus Johann Arnds wahrem Chriſtenthum und aus den Schriften Bernhards von Clairvaur hatte Gerhard die Anregung zu denſelben geſchöpft. Vom Kirchenlied der Reformationszeit unterſchieden ſie ſich, wie die meiſten Kirchenlieder jener Zeit nach Inhalt und Form ſehr weſentlich. Sie waren nicht mehr das Bekenntniß der ganzen Kirche, ſondern die Ergüſſe der einzelnen frommen Seele; ſie beſchränkten ſich nicht mehr auf die großen Thaten Gottes zur Erlöſung der Welt, ſondern ſie beſangen die mannigfaltigſten Verhältniſſe, Zuſtände, Erfahrungen und Stimmungen des Menſchenlebens im Lichte des Evangeliums; es waren Lob⸗ und Dank⸗, Bitt- und Buß⸗, Bertrauens⸗ und Sehnſuchts⸗, Kreuze und Troſt⸗Lieder. In ihrer Form waren ſie gewandter, fließender, milder und wohllautender als die Lieder der Reformationszeit, zuweilen von klaſſiſcher Vollendung und Schönheit des Ausdrucks. Alle aber waren getragen von dem vollen Glauben und von der beſeligenden Kraft des Evangeliums. Einige der hauptächlichſten ſind: Wie ſoll ich dich empfangen, Nun laßt uns gehn und treten, Wir ſingen dir Imanuel, Ein Lämmlein geht, O Haupt voll But und Wunden, O Welt ſieh hier dein Leben, Zeuch ein zu deinen Thoren, Nun danket alle und bringt Ehr, Ich ſinge dir mit Herz und Mund, Befiehl du deine Wege, Gieb dich zufrieden und ſei ſtille, Iſt Gott für mich ſo trete, Sollt ich meinem Gott nicht ſingen, Warum ſollt ich mich denn grämen, Ich bin ein Gaſt auf Erden, Nun ruhen alle Wälder, Geh aus mein Herz und ſuche Freud. Durch dieſe und viele andere Gotteslieder wurde Gerhard nächſt Luther der größte Sänger der geſammten evangeliſchen Chriſtenheit und für alle Zeiten einer der hervorragendſten Seelenführer zu dem Herrn Jeſu Chriſto und dem ewigtreuen Vater aller Menſchen. 3.
6) Gegen die Veräußerlichung der lutheriſchen Kirche und gegen die aufkommende todte Rechtgläubigkeit ohne einen heiligen Wandel übten aber nicht bloß die oben genannten Sänger und beſonders Paul Gerhard eine ſtille, unwillkürliche Gegenwirkung aus, ſondern es traten auch andere fromme lutheriſche Chriſten mit Wort und Schrift dagegen auf.
a) Einer der innigſten und tiefſten Geiſter, welche in dieſer Richtung gewirkt haben, war Johann Arndt, (1555— 1621) General-⸗Superintendent in Celle, der Verfaſſer der vier Bücher vom wahren Chriſtenthum und des Paradiesgärtl ins, zweier Erbauungsſchriften, welche durch die bibliſche Wahrheit ihres Inhalts, durch die Tiefe ihrer Gedanken und inneren Erfahrungen, ourch den Reichthum ihrer Anſchauungen und praktiſchen Geſichtspunkte, ſowie durch den heiligen Ernſt ihrer ganzen Haltung nicht bloß der lutheriſchen, ſondern der Kirche aller Zeiten und Beknntniſſe angehören. Gegenüber der weitverbreiteten todten Orthodorie, welche nur von dem Chriſtus für uns etwas wiſſen wollte, zeigte Arndt in dieſen Schriften aus dem Worte Gottes unwiederleglich, daß der Chriſtus für uns ein Chriſtus in uns werden muſſe.
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