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2 (1879)
Entstehung
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Widerſpruch ſtanden. Abgeſchafft wurde demgemäß nur die lateiniſche Anbetung Gottes, die Ohrenbeichte, die Meſſe, das Weihwaſſer, der Heiligen⸗, Reliquien⸗ und Bilderdienſt. Dagegen beibehalten wurde die alte Liturgie, doch wechſelnd zwiſchen dem Geiſtlichen und der Gemeinde ſtatt des Chors, das Kirchenjahr mit ſeinen Feſten, geſchloſſenen Zeiten, (Advent, Paſſionszeit), Evangelien und Epiſteln, der Altar mit Kreuzen, Lichtern und Bildern, ſowie der Taufſtein mit ſeinem Schmuck. Hinzu kam die deutſche Predigt der Sünde und der Gnade aus Gottes Wort als Mittelpunkt des Gottesdienſtes, ferner der Gemeindegeſang und die deutſche Feier des heiligen Abendmahls mit Beibehaltung der Hoſtie ſtatt des Brodes. Der vollſtändige Hauptgottesdienſt zerfiel hiernach in drei Theile, in die Liturgie, die Predigt und die Abendmahlsfeier. An die Stelle der Ohrenbeichte trat die Privatbeichte vor dem Abendmahl. Beim Empfange des Sacramentes wurde an vielen Orten gekniet oder doch, wie beim Namen Jeſu, das Haupt gebeugt. Auch das Kreuzſchlagen blieb häufig in Uebung. Die Geiſtlichen trugen nach Luthers Vorgang meiſt das ſchwarze Auguſtiner Chorhemd(Talar, Chorrock).

g) Die Bekenntniſſe und Lehrſchriften(libri symbolici), auf welche mit der Zeit alle Kirchenbehörden, Profeſſoren, Beamte und Geiſtlichen in den lutheriſchen Ländern verpflichtet wurden, waren a) aus der alten Kirche das apoſtoliſche, das niceniſche und das athanaſianiſche Symbol, b) aus der Reformationszeit die Augsburger Confeſſion(Augustana) vom J. 1530, die Apologie(Vertheidigung) derſelben, der große und kleine Katechismus Luthers vom J. 1529, die Schmalkaldiſchen Artikel vom J 1537 und in mehreren Ländern(Kurſachſen, Branden⸗ burg, Würtemberg u. ſ. w.) die Conkordienformel vom J. 1577.

11) Das erſte Territorium, in welchem die Kirche nach obigen Grundſätzen eingerichtet wurde, war das Deutſchordensland Preußen. Die Blüte des Ordens in dieſen Gegenden war damals längſt vorüber; durch den Mangel an Zuzug aus Deutſchland war ſeine Wehrkraft erlahmt; beim Umſichgreifen der Reformationsideen drohte ihm ein völliges Ausſterben. Zugleich hatte der Orden um ſeine Selbſtſtändigkeit mit dem Königreich Polen zu kämpfen. Da nun die Bürgerſchaft in Königsberg und in den andern großen Städten dem Evangelium geneigt war und dem Biſchof von Samland, Georg von Polentz, der ſich 1523 an die Spitze der Bewegung ſtellte, mit Freuden folgte, ſo verwandelte der evangeliſch geſinnte Hoch- und Deutſch-Meiſter Albrecht von Brandenburg 1525 das Land in ein erbliches Herzogthum, welches er von Polen zu Lehen nahm, berief Paul Speratus als Biſchof von Pomeſanien nach Königsberg und führte den evangeliſchen Gottesdienſt überall ein.

Daſſelbe that in Heſſen Landgraf Philipp der Großmüthige in Folge des Conventes zu Homberg 1526. Der jugendliche und thatkräftige Fürſt war bereits 1521 zu Worms mit Luther in Berührung gekommen und günſtig für ihn geſtimmt worden, doch hatte er vorläufig noch den Katholicismus in ſeinem Lande geſchützt; allein durch ein perſönliches Zuſammentreffen mit Melanchthon wurde Philipp von der göttlichen Wahrheit der neuen Lehre überzeugt und erklärte ſeitdem, er wolle lieber von Land und Leuten als vom Worte Gottes laſſen. Unter dem Beiſtande des feurigen, aber mehr zwingliſch geſinnten Franz Lambert von Avignon und des feſten, ſtreng lutheriſchen Hofpredigers Adam Kraft(Crato) von Fulda führte er 1526 die Reformation in ſeinem Lande ein und gründete aus dem eingezogenen Kloſtergut 1527 die Univerſität Marburg als Bildungſtätte für die evangeliſchen Geiſtlichen, den Adel und die Beamten ſeines Landes.

Aehnlich verfuhr in Kurſachſen Johann der Beſtändige(1525 32) und nach ihm ſein Sohn Johann Friedrich der Großmüthige(153246). Nach der großen Viſitation aller Kirchen von 1527 und 1528 ſchrieb Luther für die Pfarrer und Lehrer 1529 ſeinen großen Katechismus und für die Hausväter und das Volk den kleinen mit den fünf Hauptſtücken.

Außerdem ſah Luther die Sache des Herrn ſiegen in Schweden 1527 durch Guſtav Waſa mit Beihuͤlfe der Hanſa, beſonders der Stadt Lübeck; in Dänemark und Norwegen durch Friedrich I. 1537 unter dem Beirathe Johann Bugenhagens; ebenſo in Braunſchweig⸗Lüneburg und in Ham⸗ burg 1528, in Lübeck 1530, in Pommern 1534; weiter im Würtemberg 1534 durch Herzog Ulrich und den Reformator Johann Brenz; im Herzogthum Sachſen 1539 durch Herzog Heinrich;'n Brandenburg 1539 durch Joachim II.; außerdem in einer Menge von Herrſchaften und freien Reichsſtädten, z. B. im Fürſtenthum Anhalt, in Nürnberg, in Ulm, in Straßburg, in Frankfurt und andern mehr; ſelbſt in Schleſien, Böhmen und Oeſterreich unter Adel und Bürgern, während freilich auch das Haus Habsburg katholiſch blieb und ſich ſpäter der Lehre Luthers ſehr feindlich zeigte.

12) Die umfaſſenden und tiefgreifenden Veränderungen, welche durch die Reformationsbewegung in den Herzen und im äußern Leben hervorgerufen wurden, konnten ohne die gewaltigſte Erregung der Gemüther und ohne die ſchwerſten Kämpfe nicht zu Stande kommen. Während die tradionelle Kirche des Papſtthums in einem großen Theil des Abendlandes ſich mit Gewalt behauptete und immer neue Anſtrengungen machte, alle und jede kirchliche Reform zu unterdrücken, war zugleich die Sache des Wortes Gottes durch die leidenſchaftliche Unruhe gefährdet, mit welcher die mannigfaltigſten religiöſen, kirchlichen, politiſchen und ſocialen Beſtrebungen ſich damals geltend zu machen ſuchten. Nicht nur Sektirer jeder Art, wie die Anabaptiſten oder Wiedertäufer und die Antitrinitarier, traten auf; auch die gemäßigten

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