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2 (1879)
Entstehung
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6. Jahrhunderts), Komm Gott Schöpfer, heiliger Geiſt(n. e. Lied aus der Zeit Karls d. Gr.), Mitten wir im Leben ſind(nach dem Media vita des Notker Labeo 912), Komm heiliger Geiſt, Herre Gott(nach dem Lied Roberts von Frankreich im 11. Jahrhundert), c) theils Erneuerungen mittelalterlicher Leiſen, z. B. Chriſt lag in Todesbanden, Nun bitten wir den heil. Geiſt, Gott der Vater wohn uns bei; d) theils ganz neue Lieder, z. B. Gelobet ſeiſt du Jeſus Chriſt, Nun freut euch, lieben Chriſten gemein, Erhalt uns Herr bei deinem Wort, Jeſus Ehriſtus unſer Heiland. Nachdem die Lieder theilweiſe ſchon durch Flugblätter verbreitet waren und das Herz des Volkes mächtig bewegt hatten, gab Luther 1524 die erſte Sammlung derſelben heraus. Zuerſt wurden ſie wie Volkslieder in den Häuſern und auf den Straßen geſungen, dann auch in den Kirchen. In einer großen Stadt Norddeutſchlands vertrieb die Gemeinde den Meſſe leſenden Biſchof vom Altar, indem ſie plötzlich anſtimmte Ach Gott vom Himmel ſieh darein. Auf den Flügeln des Geſanges kam das Evangelium in die Herzen..

9) Bereits 1522, als Luther noch auf der Wartburg weilte, führte Andreas Bodenſtein aus Carlſtadt, Dr. theol. und Anhänger Luthers, den deutſchen Gottesdienſt und das Abendmahl unter beiderlei Geſtalt in Wittenberg ein. Als er aber im Verein mit tief aufgeregten Schwärmern aus Zwickau, welche ſich ſelbſt für Propheten hielten, unter ihnen der berüchtigte Bauernverführer Thomas Münzer, auch die Altäre, Bilder, Kreuze und Lichter aus den Kirchen entferute, die Kindertaufe verwarf, das Recht der Obrigkeit beſtritt und einen allgemeinen Umſturz in Staat, Kirche und Geſellſchaft anbahnte, erſchien Luther trotz Acht und Bann plötzlich wieder in Witten⸗ berg und wußte durch ebenſo große Feſtigkeit und Glaubensgewißheit als Milde und Freundlichkeit innerhalb acht Tagen den geordneten Gang der Reformation wieder herzuſtellen, ſodaß Carlſtadt mit den Zwickauer Propheten Wittenberg verlaßen mußte. Dagegen der deutſche Gottesdienſt und die Spendung des Abendmahls unter beiderlei Geſtalt bürgerte ſich nun an vielen andern Orten, wo die Pfarrer evangeliſch geſtimmt waren, ganz von ſelbſt ein. Ebenſo verließen eine Menge Möonche und Nonnen, ſoweit ſie nicht durch die Obrigkeit gehindert wurden, nach Luthers Rath' ihre Klöſter und wurden evangeliſch. Die meiſten dieſer ausgetretenen Mönche ſtudirten in

ittenberg und übernahmen Pfarrſtellen. Viele unter ihnen traten anch in die Ehe. Ihrem Beiſpiel folgte Luther ſelbſt, indem er als Mann von 41 Jahren 1525 Katharina von Bora zum Weibe nahm, welche ihm als chriſtliche Hausfrau bis an ſein Ende treulich zur Seite ſtand. 10) Eine vollſtändige Einführung der Reformation ins kirchliche Leben erfolgte im deutſchen Reiche erſt ſeit dem Reichsabſchied zu Speier 1526. Alles, was bisher in einzelnen Gemeinden geſchehen war, war Privatſache geweſen, wobei die Obrigkeit das Volk nur hatte gewähren laſſen. Auf dem Reichstag zu Speier wurde jedoch beſchloſſen,daß es jeder Reichsſtand in Sachen der Religion bis zu einem allgemeinen Concil halten ſolle, wie er vor Gott und kaiſerlicher Majeſtät zu verantworten gedenke. In Folge dieſes Beſchluſſes nahmen die evangeliſch geſinnten Stände, d. h. die Fürſten und die Magiſtrate der Reichsſtädte, eine durchgreifende Reformation der Kirche in ihren Gebieten vor. Da die Erzbiſchöfe und Biſchöfe dieſer Reformation feindlich waren, wurden ſie bei Seite geſchoben und ihre Diöceſen zerſtückelt. Die Obrigkeiten ſelbſt nahmen aus Noth und aus Liebe zu ihrem Volke die Leitung der Kirche in die Hand. Mit Fülfe der univerſitätslehrer, der Pfarrer, des Adels und der Bürgerſchaft führten ſie die Reformation ein.

a) An die Spitze der Kirche ſtellten ſie Conſiſtorien(consistorium), Behörden aus geiſtlichen und weltlichen Räthen, welche die Regierung in Sachen des Glaubens, des Bekenntniſſes, des Gottesdienſtes, der Zucht über Geiſtliche und Gemeindeglieder, des Chelebens und des Volksſchulweſens führten. Unter den Conſiſtorien ſtanden die General⸗ Superintendenten, unter dieſen die Superintendenten oder Dekane, unter dieſen die Pfarrer.

b) Nur in Heſſen beſtand bis 1610 eine etwas andere Verfaſſung, indem die Superintendenten in Verbindung mit ſogenannten General⸗Synoden, welche von den Landgrafen berufen und ſtark beeinflußt wurden, die Kirche regierten. Doch 1610 wurden auch ſie unter ein Conſiſtorium geſtellt.

c) In Oſt- und Weſt-Preußen, in Schweden, Norwegen und Dänemark wurden die Biſchöfe bzw. Erzbiſchöfe beibehalten, doch in ähnlicher Stellung wie ſonſt die General⸗Superintendenten..

d) Durch den Paſſauer Vertrag vom Jahr 1552 zwiſchen Kaiſer Karl V. und Kurfürſt Moritz von Sachſen, ſowie durch den Augsburger Religionsfrieden vom J. 1555 wurde das Kirchenregiment der Stände(Obrigkeiten) unter dem Namen des Reformations⸗Rechts(jus reformandi) reichsrechtlich anerkannt und behauptete ſich in den lutheriſchen Gebieten bis in die neueſte Zeit. Nur die geiſtlichen Fürſten(Erzbiſchöfe, Biſchöfe, Aebte) durften ſeit 1555 die Reformattion in ihren Gebieten nicht mehr einführen. Man nannte dies den geiſtlichen Vorbehalt(reservatum ecclesiasticum) des Religionsfriedens.

e) Ueberall, wo die Reformation eingeführt wurde, wurden die Güter der Bisthümer, Domſtifter und Abteien eingezogen. Ein Theil dieſer Güter fiel den Obrigkeiten und dem Adel zu, deren Vorfahren ſie einſt zum Theil als Verſorgung für ihre nachgeborenen Söhne und Töchter geſtiftet hatten; der andere, meiſt kleinere Theil wurde zur Gründung von Schulen, z. B. der Univerſiät Marburg 1527, der lateiniſchen Schulen zu Meißen, Grimma, Pforta, Roßleben und anderer, ſowie zur Verbeſſerung gering dotirter Pfarreien verwendet.

f) Bei der Einrichtung des Gottesdienſtes wurde nach Luthers Grundſatz verfahren, alle diejenigen Gebräuche, Gebete, Lieder und Melodien aus früherer Zeit beizubehalten, welche mit dem Worte Gottes nicht im