Druckschrift 
2 (1879)
Entstehung
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Milic, Conrad von Waldhauſen und Matthias von Janow, hatten in heißem Verlangen nach einer Reform ſowohl durch Wort als Schrift ſeit 1350 auf allgemeine Bekehrung gedrungen und hunderte frommer Jünglinge zu der feurigen Predigt der Buße und des Glaubens entflammt. In dieſe ſtarke und tiefgehende Reformbewegung ſeines Volks wurde auch Johann HußW hineingezogen.

b) Geboren zu Huſinec den 6. Juli 1369 als der Sohn armer Bauersleute wurde er von ſeiner Mutter fromm erzogen und zum Dienſte Gottes geweiht. In Prag, wo er ſtudirte, ſchloß er ſich als geborener Tſcheche der bömiſchen, antideutſchen Parthei an und vertiefte ſich als frommer Chriſt in die heilige Schrift wie in die Werke des Auguſtinus. Seit 1396 Magiſter und ſeit 1401 Prediger an der Bethlehemskapelle drang er mit heiligem Ernſt durch Vorleſungen und Predigten auf wahre Erneuerung des Lebens in Buße und Glaube. Da ſeine Predigten den tiefſten Eindruck auf Hoch und Niedrig machten, beauftragte ihn der ſonſt weltlich geſinnte Erzbiſchof Sbynec von Prag mehrere Jahre lang mit den Synodalpredigten bei der Verſammlung des Clerus. In dieſe geſegnete Wirkſamkeit kam aber eine verhängnißvolle Störung durch Hußens Widerwillen gegen die Deutſchen. Die geſammte böhmiſche Reformationsparthei hatte von jeher durch ihren politiſchen Widerwillen gegen die Deutſchen die letztern mehr und mehr auf die Seite des Papſtes und der Hierarchie getrieben. Böhmen galt in den Kreiſen der frommen Tſchechen ohne weiteres als das heilige Land, das von gottloſen Cananitern unterdrückt wurde; als ausgemacht wurde betrachtet, daß die Beſtimmung der Univerſitätsſtatuten, wonach die Deutſchen drei, die Böhmen nur eine Stimme hatten, eine Fälſchung des urſprünglichen kaiſerlichen und päpſtlichen Willens ſein müſſe; als heilige Pflicht gegen Gott und gegen ſein ausgewähltes böhmiſches Volk wurde es angeſehen, dieſe vermeinte Fälſchung zu beſeitigen und den Böhmen drei, den Deutſchen aber nur eine Stimme zu verſchaffen. Von dieſen Vorurtheilen verblendet war es nun gerade Huß, der den gewiſſenloſen wüſten König Wenzel 1408 zur Aenderung der Univerſitäts⸗Statuten bewog. Voll Zorn über dieſen Rechtsbruch und über Huß, der denſelben herbeigeführt hatte, verließen nun ſämmtliche Deutſche, Lehrer wie Studenten, die Univerſität Prag und gingen nach Erfurt und Leipzig. Die ganze deutſche Nation aber, welche ſo viele mächtige Freunde einer Kirchen⸗Reform in ſich faßte und dies auf dem Conſtanzer Concil deutlich zeigte, wurde gegen Hußens Reformatiosverſuche von vorn herein mißtrauiſch und feindſelig geſtimmt, ſodaß nicht nur Huß perſönlich in Conſtanz darunter leiden mußte, ſondern auch ſeine ſonſt ſo gute Sache bei den Dentſchen die heftigſte Bekämpfung fand und ſich über Böhmens Grenzen nicht verbreiten konnte.

c) Zunächſt freilich war die Aenderung der Univerſitätsſtatuten für Huß eine große Ermuthigung. Er wurde zum Rektor der Hochſchule erwählt, griff zur Durchführung der Reform das weltliche Leben des Clerus tapfer an, trotzte dem Haſſe des hierüber erzürnten Biſchofs, bekannte ſich immer offener als Verehrer Wicliffs, deſſen Schriften er ſchon ſeit 1403 geleſen und empfohlen hatte, verkündigte die Unnöthigkeit des Papſtthums, die Gleichheit aller Cleriker, und erklärte die Bibel für die einzige Quelle der Wahrheit. Deßhalb wurde er auf Anklage des Erzbiſchofs 1410 vom Papſte in den Bann gethan und ſeiner Aemter entſetzt. Da er jedoch durch König Wenzel geſchützt wurde, appellirte er getroſt von dem ſchlecht unterrichteten Papſt an den beſſer zu unterrichtenden(a papa male informato ad melius informandum); predigte 1412 unerſchrocken gegen den päpſtlichen Ablaß; ließ die Ablaß⸗ bulle am Pranger verbrennen; verkündigte eine Kirche, deren Haupt nicht der Papſt, ſondern Chriſtus ſei; zog ſich 1413 auf die Schlöſſer ſeiner adeligen Freunde zurück und appellirte gegen die Beſchlüſſe der Päpſte und Biſchöfe an ein allgemeines Concil, an Gott und Chriſtum. In Folge dieſer Berufung und geſtützt auf das freie Geleit Kaiſer Sigismunds folgte er 1414 der Vorladung nach Conſtanz. Kaum dort angekommen, wurde er jedoch auf Befehl Johanns XXIII. verhaftet und unter charakterloſer Nachgiebigkeit des Kaiſers in einen ſcheußlichen Kerker geworfen. Seine Unſchuld half ihm nichts. Die hierarchiſche Parthei hatte ſeinen Tod beſchloſſen; die reformfreundliche Nichtung aber, zu welcher auch Kaiſer Sigismund gehörte, und welche ihn hätte retten können, wenn ſie gewollt hätte, war theils durch die Vorgänge an der Prager Univerſität gegen ihn eingenommen, theils durch Hußens alleinige Berufung auf die Schrift erbittert, weil ſie ſelbſt noch auf dem Standpunkte der Tradition ſich befand. Noch vor dem letzten Verhör erkannte daher Huß, was ihm bevorſtand, unb beichtete aufrichtig einem frommen Mönch, der ihm auch die Abſolution ertheilte. Als er am 6. Juli wieder vor dem Concil erſchien, wurde er für einen Wicliffitiſchen Ketzer erklärt und zum Feuertode verurtheilt. Da berief ſich Huß auf ſein freies Geleit, ſodaß der Kaiſer heftig erröthete, und appellirte von dem ungerechten Spruch des Concils an den ewigen Richter Jeſus Chriſtus. Biſchöfe riſſen ihm darauf die Prieſtergewänder Stück für Stück vom Leibe und ſetzten ihm eine mit Teufelsfratzen bemalte Mütze auf; er aber betete: In deine Hände, Herr Jeſu, befehle ich meine durch Dich erlöſte Seele. Auf dem Richtplatz angekommen, betete er noch knieend mehrere Pſalmen, rief den Heiland um Kraft an, den grauſamen und ſchmachvollen Tod ruhig zu ertragen, bezeugte noch einmal laut, daß er nur Buße und Glauben habe wecken wollen, und befahl ſich beim Aufflammen des Holzſtoßes dem Herrn mit den Worten: Jeſu, du Sohn des lebendigen Gottes erbarme dich meiner! Bis zum letzten Augenblick ſah man ſeine Lippen betend ſich bewegen. Im folgenden Jahr endigte auf ähnliche Weiſe ſein ritterlicher und gelehrter Freund Hieronymus Faulſiſch von Prag, nachdem er vorher in einer Stunde der Angſt wiederrufen, hernach aber den Wiederruf heldenmüthig zurückgenommen hatte.

d) Ueber den Scheiterhaufen der beiden Märtyrer aber flammte der heilige Zorn des böhmiſchen Volkes empor. Das Bundeszeichen der Huſiten wurde der auch den Laien geſpendete Kelch. Mit wilder Begeiſterung kämpften ſie für evangeliſches Chriſtenthum gegen Rom und Deutſchland. Eine gemäßigte Parthei, die Calixtiner oder Utraguiſten erzwang ſich endlich 1433 vom Baſeler Concil vier Artikel, nämlich freie Verkündigung des Worts Gottes in Vollmacht der geiſtlichen Obern, Austheilung des heiligen Abendmahls unter beiderlei Geſtalt, Ver⸗ wendung der Kirchengüter nach den Vorſchriften der Kirchenväter, Beſtrafung von Todfünden der Geiſt⸗ lichen durch die Obrigkeit. In dieſen Rechten behaupteten ſie ſich unter vielen Kämpfen mit den Katholiken, bis ſie ſeit 1620 durch Ferdinand II. entweder zum katholiſchen Glauben gezwungen oder ausgerottet wurden. Die ſtrengere Parthei der Taboriten, welche ſich von den Calirtinern trennte, ging ſehr bald zu Grunde, ein Reſt derſelben, durch Unglück geläutert, verbunden mit Waldenſern und andern frommen Leuten bildete unter Leitung des Pfarrers Michael von Bradacz ſeit 1460 die Gemeinſchaft der böhmiſch⸗mähriſchen Brüder, welche ſich in