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2 (1879)
Entstehung
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Gerichtshäuſer oder Baſiliken(Zaοds, basilica regia, nämlich domus), unter Verückſichtignng der Bedürfniſſe des

ottesdienſtes. Vor dem Gebäude lag meiſtens ein ummauerter Vorplatz(atrium, Vorſaal, Hof), in deſſen Mitte ſich gewöhnlich ein Brunnen(cantharus, Becken) befand. Dann kam das langgeſtreckte, ſchmale, mit flacher Decke verſehene Hauptgebäude(4ο, fistula) Schiff, meiſt von ſchmalen Seitenſchiffen umgeben und von Säulen getragen, an der einen Langſeite die Kanzel(ehemals Rednerbühne); am Ende des Haupt⸗ oder Mittel⸗Schiffs befand ſich der auf mehreren Stufen ruhende Altar(ambon, altare); hinter demſelben ſchloß ein halbrunder, gewölbter Anbau, die ſog. Apſis(ëyne, Gewölbe), welche zum Sitz des Biſchofs und der Geiſtlichen diente, das ganze Gotteshaus. Später wurde nicht ſelten zwiſchen Schiff und Apſis noch ein Querſchiff gelegt. Das ganze hieß Baſilika.

a) Aus dem Baſtlikenſtil entwickelte ſich ſeit dem 6. Jahrhundert im oſtrömiſchen Reich der ſogenannte byzantiniſche Stil, indem man über das Mittelſchiff gewaltige, von Pfeilern getragene Kuppeln ſetzte, die Seiten⸗ ſchiffe mit ſtarken Mauern verſah und die flachen Decken in Tonnengewölbe umwandelte. Das großartigſte Beiſpiel dieſer Bauart war die Sophienkirche in Konſtantinopel, nach deren Muſter, doch mit phantaſtiſcher Vervielfältigung der Kuppeln, die meiſten Kirchen in Rußland gebaut wurden.

b) Im Abendland ging aus dem Baſtlikenſtil der ſogenannte romaniſche oder Rundbogen⸗Stil hervor. An die Stelle des Vorplatzes traten hohe Glockenthürme; daran ſchloß ſich ein hohes Mittelſchiff mit niedrigen Seitenſchiffen, von ſtarken Pfeilern und Mauern getragen, anfangs flach gedeckt, dann mit Tonnengewölben, ſpäter mit Kreuzgewölben verſehen; daran ſtieß ein Querſchiff, durch deſſen Verlängerung die Kirche die Kreuzform erhielt; jenſeits deſſelben ging das Mittelſchiff noch ein Stück weiter, jedoch über den Fußboden erhöht(hoher Chor), und ſchloß mit der Apſis, unter dem erhöhten Chor befand ſich die Krüpte(9 νκ, occulta), eine verdeckte Halle, welche als Begräbnißſtätte für Heilige, Biſchöfe und Fürſten diente; an der Stelle, wo Mittelſchiff, Querſchiff und Chor zuſammenſtießen(Vierung), wurde häufig eine Kuppel aufgeſetzt. Die meiſten und ſchönſten Kirchen dieſer Bauart entſtanden in Deutſchland, z. B. die Dome zu Limburg a. L., zu Worms und zu Speier, die Stiftskirche zu Hersfeld, und andere.

c) Durch vorzugsweiſe Verwendung des Spitzbogens, des Kreuzgewölbes und des Strebepfeilers entſtand der gothiſche, eigentlich nordfranzöſiſche oder deutſche Stil. Urſprünglich war derſelbe aus dem Bedürfniß hervorgegangen, die Conſtruction der Kirchen den im Norden nothwendigen hohen und ſpitzen Dächern anzupaſſen. Sehr bald aber fühlte man die außerordentlichen techniſchen und üſthetiſchen Vorzüge der neuen Bauart heraus. Die dicken, niedrigen Mauern, die ungegliederten Flächen verſchwanden; wie Gedichte von Stein, himmelan⸗ ſtrebend ſtanden die Kirchen mit ihren ſchlanken Thürmen, ihrem vieleckigen Chor, ihren bunten Feuſtern da. Die reichſte Ornamentik an Säulen, Kapitälen, Geſimſen konnte ſich entfalten. Die heilige Geſchichte wie die Legende, die Thierwelt wie die Pflanzenwelt konnte dem Künſtler dazu die Stoffe bieten; der Maler wie der Bildhauer und Stein⸗ metz konnte ſeine höchſten Gedanken zur Anſchauung bringen. Dieſer im nördlichen Frankreich entſtandene Stil ver⸗ breitete ſich über ganz Europa, bis er im Süden durch die Renaiſſance, im Norden durch die Barbarei verdrängt wurde. In Deutſchland gehören die Münſter zu Straßburg, Freiburg, Ulm, der Stephansdom zu Wien, der Dom zu Cölln, die Eliſabethkirche zu Marburg beſonders hierher.

2) Die chriſtliche Malerei und Bildhauerei, welche in dieſen Kirchen die xeichſte Verwendung fand, hatte ſich ſehr allmälig entwickelt. Die apoſtoliſche Kirche hatte noch gar nichts davon gewußt; im 2. und 3. Jahrhundert hatte man die erſten beſcheidenen Anfänge damit in den Symbolen und andern Bildwerken der römiſchen Katakomben gemacht z. B. im Bilde des Lammes, des guten Hirten, des Fiſches(XOGVX d. h. Ioe XOrοννοιςι Seo Vες Ʒαᷣ ,1 J. Chr. Gottes Sohn, Heiland) der Taube, des Ankers, des Kreuzes. Doch erſt ſeit dem 4. und 5. Jahrhundert ſtellte man die Perſonen der heiligen Geſchichte in den Kirchen dar. Im Oriente blieb man lediglich bei der Malerei und gab den heiligen Geſtalten einen ganz beſtimmten, ſteifen Charakter, von welchem kein Maler abweichen durfte. Dagegen im Abendland wurde die Kunſt des Malers, Erzgießers, Holzſchnitzers und Bildhauers durch Geiſtliche und Mönche, welche die Kirchen erbauten und ſchmückten, gleichſehr ausgebildet. Die Thaten und Leiden der bibliſchen Perſonen und der ſpäteren kirchlichen Heiligen wurden dem Volke auf dieſe Weiſe ohne Worte verkündigt; ſie waren an den flachen Wänden, in den hohen Glasfenſtern, über den reichgeſchmückten Altären, an den Abendmahlsgefäßen und Taufſteinen, ja an der Außenſeite der Gotteshäuſer, beſonders an den Portalen, gleichſam als ein Erſatz für die ſo häufig mangelnde Predigt dargeſtellt. Entſprechend der kirchlichen Stimmung wurde die heilige Jungfrau als Himmelskönigin ebenſo oft als der Heiland ſelbſt abgebildet. Leider erhielten jedoch alle dieſe Bilder in den Kirchen (Vgl.§. 18, 5) eine abergläubiſche Verehrung beim Volke, welche dem wahren Chriſtenthum gänzlich widerſprach.

3) Der Kirchengeſang, welcher in der apoſtoliſchen Zeit von der ganzen Gemeinde getragen wurde(Pſalmen, kurze chriſtliche Hhymnen und Lobpreiſungen), hatte ſich ſeit dem 3. und 4. Jahrhundert zu Wechſelgeſängen zwiſchen Prieſter und Gemeinde umgeſtaltet. Bei den neubekehrten Völkern im Orient und im Occident wurde er wegen der griechiſchen, bzw. lateiniſchen Sprache, in welcher der liturgiſche Theil, d. h. die Gebete und Lieder, des Gottesdienſtes gehalten wurde, ein rein prieſterlicher Chorgeſang, welchem die Gemeinde nur zuhörte. Seit dem 7. u. 8. Jahrh. wurde er in größeren Kirchen mit der Orgel begleitet; Noten, Stimme und Begleitung richteten ſich nach den Regeln Papſt Gregors I.(cantus firmus). Die Theilnahme der Gemeinde wurde jedoch inſofern angeregt als ſie am Schluſſe der Gebete oder Lieder das Amen, Hallelujah oder Kyrieleiſon ſang Im Laufe des Mittelalters entſtanden zu kirchlichem Gebrauch neben den von Alters her geſungenen Pſalmen eine Menge lateiniſcher Lieder in Accentverſen, häufig gereimt, theilweiſe von hoher Schönheit und Innigkeit; doch nur der dritte Theil derſelben war zur Chre Gottes und Chriſti gedichtet, alle andern zur Ehre Marias und der übrigen Heiligen. Dieſe lateiniſchen Lieder hießen Sequenzen(sequentia, sc. carmina), weil ſie auf das Halleluja folgten. Unter den Verfaſſern ſolcher lateiniſchen Lieder ragten beſonders hervor: Notker Labeo, Vorſteher der Kloſterſchule zu St. Gallen, geſtorben 1020(Media vita in morte sumus, nachgeahmt von Luther, Mitten wir im Leben ꝛc.); Bernhard von Clairvaux(Salve caput cruentatum, nachgeahmt von Paul Gerhard: O Haupt voll ꝛc.); Thomas von Celano, geſtorben 1225(Diesirae, dies illa); Jakoponus da Todi, geſtorben 1306(Stabat mater). Ein kirchlicher Volksgeſang bildete ſich erſt