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2 (1879)
Entstehung
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d) Aus berühmten Dom⸗ oder Kloſterſchulen gingen ſeit dem 12. Jahrhundert die ſpiſteren Univer⸗ ſitäten hervor, anfangs ohne Mitwirkung der Päpſie, Kaiſer und Könige, lediglich durch die AnziehungsRaft bedeutender Lehrer. So entſtand die hohe Schule zu Bologna für das Studium des kirchlichen und römiſchen Rechts, die zu Salerno die für Medicin, und die zu Paris für die Theologie und Philoſophie(Dialektik), Unter allen wurde die letztere am einflußreichſten bis zur Reformation. Sie war vom 13. bis 16. Jahrhundert gleichſam die höchſte wiſſenſchaftliche Auktorität des Abendlandes. Jünglinge und Männer aus Spanien, Italien, Ungarn, Polen, Deutſchland, Schweden, Norwegen, England, Schottland und Irland fanden dort ihre Bildung oder doch deren letzten Abſchluß. Durch ſeine Uniyerſität war Paris in dieſer Zeit ebenſo die wiſſenſchaftliche Hauptſtadt von Europa wie Rom durch den päpſtlichen Hof die kirchliche Metropole war. Nach dem Muſter der pariſer Hochſchule wurden ſeit dem 14. Jahrhundert unzählige andere gegründet; ſo 1348 die von Prag, 1367 die von Wien, 1386 die von Heidelberg, 1388 die von Cölln, 1390 die von Erfurt, 1402 die von Würzburg, 1409 die von Leipzig und andere, ſämmtlich mit päpſtlichem und kaiſerlichem Privilegium. Die Lehrer an dieſen Univerſitäten waren bis zum 13. Jahrhundert und noch weiterhin faſt ausſchließlich Geiſtliche oder Mönche. Sie zerfielen unter ſich in die noch jetzt üblichen vier Fakultäten der Theologen, Juriſten, Philoſophen und Mediciner; die ganze Univerſität hießdas allgemeine Studium(Studium generale).

2) Mehrere Mönchsorden machten ſich auch um die Völker des mittleren und nördlichen Europas dadurch ſehr verdient, daß ſie denſelben edlere Obſt⸗ und Getreide⸗Sorten brachten, wegen des heiligen Abendmahls den Weinbau einführten und außerdem die Baukunſt, Bildhauerei und Malerei pflegten.

Nach den Benedictinern(cf.§. 20, 3) des 6. bis 10. Jahrhunderts thaten dies in hohem Maße die Cluniacenſer im 11. und in noch höherem Maße die Ciſtertienfer im 12. und 13. Jahrhundert. Die letzteren waren 1098 geſtiftet, erhielten aber ihren heldenmüthigen, weltüberwindenden Geiſt erſt durch den heil. Bernhard von Clairvaux, welcher 1113 bei ihnen eintrat. Nach ihrer Regel durften ſie ſich nur in wilden Gebirgsthälern, ungelichteten Waldungen und ſumpfigen Niederungen anbauen; nur Pflauzenkoſt war ihnen geſtattet; nur ein⸗ bis zweimaliges Eſſen war ihnen täglich erlaubt; neben dem Gebet mußten ſie alle ihre Zeit auf die Urbarmachung des Bodens ver⸗ wenden; was vom Ertrag ihrer Arbeit übrig war, hatten ſie theils ganz umſonſt theils gegen eine geringe Vergütung an die Bewohner der Umgegend abzugeben. Wohin ſie kamen, rodeten ſie daher die Wälder, entwäſſerten die Sümpfe, bauten Straßen, Dämme, Mühlen und Dörfer, verbreiteten die Getreide⸗Sorten und Obſt⸗Arten von Italien und Frankreich, zogen Coloniſten aus Holland, Friesland, Rheinland und Weſtphalen hinter ſich her und gewannen ſtill, aber nachhaltig das Volk für die Ordnungen der katholiſchen Kirche. Auf dieſe Weiſe wurden ſie für das nördliche Deutſchland, für Schleſien, Böhmen, Mähren und Polen, ja für Dänemark, Schweden und Norwegen die wichtigſten Träger einer höheren Cutur. Unter ihren Stiftungen in Deutſchland ſind Lokkum in Hannover, Ratzeburg in Mecklen⸗ burg, Pforta in der goldenen Aue, Haina in Heſſen, Lehnin in der Mark, Oliva in Preußen beſonders zu nennen.

9 Geiſtliche und Mönche übten auch einen bedeutenden Einfluß auf die Verbreitung chriſt⸗ licher Sitten und Lebensgewohnheiten unter den nenbekehrten Völkern aus. Sie trieben Predigt und Seelſorge in der Landesſprache, eröffneten den Verfolgten eine Freiſtatt an ihren Altären, erzwangen durch Bann und Interdikt auch bei den Gewaltigen der Erde Zucht und eheliche Treue, deſchußken das Recht der Wittwen und Waiſen, übten Mildthätigkeit gegen die Armen und ſtrebten mit aller Macht nach Abſtellung der beſtändigen Fehden und nach Herſtellung eines allgemeinen Friedens. In allen dieſen Beziehungen machten ſich beſonders auch fromme und begabte Päpſte verdient.

4) In Folge dieſer Thätigkeit der Cleriker traten im Leben der einzelnen Chriſten liebliche Blüthen des Glaubens, der Demuth und der ſelbſtverleugnenden Liebe nicht ſelten hervor. Wie in alter Zeit(Vgl.§. 14, 2) wurde beſonders das Familienleben dadurch beglückt. Daneben aber wurden einzelne Männer und Frauen auch leuchtende Vorbilder ihrer Zeitgenoſſen in mönchiſcher Entſagung. Unter den Frauen ragte über alle hervor die Landgräfin Eliſabeth von Thüringen, jene zarte Fürſtentochter aus Ungarn, welche am Hofe zu Eiſenach den Erſatz für die fehlende Mutterliebe in der Liebe zum Heiland fand; der ſich dann ſpäter das ſchönſte eheliche Verhältniß an der Seite des frommen Landgrafen Ludwig IV. durch die Liebe des Heilandes noch reicher und ſeliger geſtaltete; und welche endlich im Wittwenſtande bei der Pflege der Ausſätzigen wie unter den Geiſelhieben Konrads von Marburg in der Liebe Jeſu Alles tragen und überwinden konnte bis an den Tod.

§. 29. Die Kunſt(Baukunſt, Bildhauerei, Malerei, Muſik, Dichtkunſt) im Dienſt und in der Pflege der katholiſchen Kirche des Abendlandes. 1) Die Baukunſt war um 200 n. Chr. zuerſt in den Dienſt der Kirche getreten. Vorher war der Gottesdienſt

in Privathäuſern, auf Todtenhöfen, in unterirdiſchen Gewölben(Katakomben) und in Einöden gehalten worden. Seit ungefähr 200 n. Chr. bauten ſich aber die Chriſten große, theilweiſe maſſive Gotteshäuſer nach Art der kaiſerlichen