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Gold zur Erlangung der deutſchen Krone. Wenn Innocenz bei dem Streit zwiſchen Otto IV. und Philipp von Schwaben die Beſtätigung des Kaiſers für ſich beanſpruchte, ſo war dies theils eine Folge der ſeit Gregor VII. am päpſtlichen Hofe herrſchenden Anſchauungen, theils eine Wirkung der Handlungsweiſe Ottos IV., indem dieſer ſelbſt die päpſtliche Beſtätigung nachſuchte. Ueberhaupt ſtützte ſich die Oberherrlichkeit Innocenz III. über das chriſtliche Abend⸗ land auf die allgemeine Ueberzeugung der Völker. Proteſtantiſche Anſchauungen fanden ſich nur hier und da, beſonders bei Albigenſern und Waldenſern, hatten aber fürs Ganze keine Bedeutung. Deßhalb konnte Innocenz die Könige Peter II. von Arragonien und Sancho II. von Portugal zum Verſprechen des Tributs nöthigen, konnte Johann von England zu ſeinem Vaſallen machen und vermochte Philipp Auguſt von Frankreich zu zwingen, daß dieſer die ver⸗ ſtoßene Ingeborg wiedernahm und Agnes von Meran entließ. Selbſt bei den Albigenſern und Waldenſern hätte Innocenz vielleicht durch ſeine Milde eine Wiedervereinigung mit der katholiſchen Kirche erreicht, wenn nicht der ver⸗ weltlichte, herrſchſüchtige und grauſame Clerus den Bruch bereits unheilbar gemacht hätte. Um den Clerus zu beſſern, die Ketzerei zu beſeitigen, das heilige Land zu befreien und das katholiſche Kirchengeſetz(Vgl.§. 18, 2) als Gottes Ordnung durchzuführen, berief Innocenz das vierte Concil im Lateran, welches 1215 zuſammentrat. Außer den Abgeſandten des Orients, welche in Folge der Gründung des lateiniſchen Kaiſerthums in Konſtantinopel erſchienen, waren 71 Erzbiſchöfe, 413 Biſchöfe und 800 Aebte um den Papſt verſammelt und erließen nach deſſen Vorlagen eine Menge Kirchengeſetze, unter welchen vier eine beſondere Wichtigkeit erhielten.
*.) Jeder Katholik ſollte bei Strafe des Bannes jährlich wenigſtens einmal, in der Oſterzeit, ſeinem Pfarrer alle Suͤnden bekennen(Ohrenbeichte) und zum Abendmahl gehen. Während der Orient wegen eines vorgekommenen Anſtoßes ſchon im 4. Jahrhundert die Einzel⸗Beichte verboten hatte, war dieſelbe im Abendland ſtets in Uebung geblieben und wurde nunmehr feſtes Geſetz.
5) Eine ſtrenge Bußzucht beſtimmte die Pönitenzen und Leiſtungen, welche der Prieſter den Beichtkindern auf⸗ zulegen hatte, um für ihre Sünden genugzuthun.
) Die Lehre von der Brodverwandlung(Transſubſtantiation), welche zuerſt im 9. Jahrhundert von Paſchaſius Nadbertus aufgeſtellt, von Gregor VII. nach einigem Schwanken bereits als Kirchenlehre behauptet war, wurde zum Glaubensartikel erhoben; der Kelch wurde gleichzeitig den Laien entzogen; das Fronleichnamsfeſt, welches Urban IV. 1264 einführte, wurde damit vorbereitet.
6) Zur Erforſchung und Unterdrückung der Ketzerei wurde die Inquiſition eingeführt, welche dann 1231 durch
Gregor IX. den Dominikanern übertragen wurde und die ſchrecklichſten Greuel in Frankreich, Spanien und Italien hervorrief.. 2) Nachdem das Papſtthum unter Innocenz III. den Gipfel ſeiner Macht erſtiegen hatte, gab es zwar von den unter Gregor VII. zuerſt geltend gemachten und dann ſpäter immer mehr durchgeführten Herrſchaftsanſprüchen über Welt und Kirche niemals das Geringſte auf, allein nur in kirchlicher Beziehung vermochte es dieſelben wirklich zu behaupten.
a) Schon Bonifaz VIII. ſcheiterte gegenüber Philipp von Frankreich im Jahr 1302 vollſtändig mit ſeiner Forderung, daß die Könige und Fürſten dem Papſt gehorchen ſollten. Nicht weniger wieſen die deutſchen Kurfürſten 1338 die Einmiſchung der Päpſte in die Kaiſerwahl für immer zurück, Ueberhaupt gewöhnten ſich die weltlichen Mächte des Abendlandes, in den politiſchen Dingen als ſelbſtſtändige, vom Papſt unabhängige Obrigkeiten zu handeln. Trotz aller päpſtlichen Proteſte ſchloſſen die deutſchen Reichsſtände 1553 den Paſſauer Vertrag, 1555 den Augsburger Religionsfrieden, 1648 den weſtphäliſchen Frieden, 1815 die deutſche Bundesakte. Die franzöſiſche Revolution entriß dem Papſt ſogar den Kirchenſtaat, gründete in Italien neue Reiche und hielt den Papſt eine Zeit lang gefangen. Ebenſo nahm das ſeit 1859 neu entſtandene vereinigte Königreich Italien dem Papſt alle weltlichen Beſitzungen mit der Hauptſtadt Rom(1870) und ließ ihm nur die Rieſenräume des Vatikaniſchen Palaſtes und die Peterskirche. Durch ein„Garantiegeſetz“ wurde jedoch die kirchliche Unabhängigkeit des Papſtes zur Regierung der katholiſchen Chriſtenheit ausdrücklich gewahrt. 1
b In kirchlicher Beziehung erlitt die Macht des Papſtthums ſeit Innocenz III. überhaupt keine innere Verminderung. Die großen Concilien von Conſtanz(1414— 1418) und von Baſel(1432—1443) verſuchten vergeblich dieſelbe zu brechen. Die Reformation des 16. Jahrhunderts entriß den Päpſten und ihrer lateiniſchen Traditionskirche zwar England, Schottland, Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland, Lievland, Eſthland, Kurland, Oſt⸗ und Weſt⸗Preußen, Pommern, Sachſen, Brandenburg, Heſſen, Anhalt, Braunſchweig, Mecklenburg, Oldenburg, Würtemberg, die meiſten Reichsſtädte, Anſpach, Baireuth, die Schweiz, Holland und Theile von Frankreich, Ungarn und Siebenbürgen, allein durch das Tridentiner Concil(1545— 1563) und mit Hülfe des 1534 gegründeten Jeſuiten-Ordens ſtellten ſie ihre Macht in Baiern, Oeſtreich, Böhmen, Mähren, Polen, den geiſtlichen Fürſtenthümern, Frankreich, Belgien, Irland, Italien, Spanien, Portugal, ſowie in Mittel⸗ und Süd⸗Amerika kirchlich deſto feſter. Ja durch den Einfluß des Jeſuiten-Ordens brachte es Pius IX.(1846— 1878) dahin, daß das Vatikaniſche Concil von 1870 erklärte, der herf fei auch ohne ein allgemeines Concil in Sachen des Glaubens und der Sitten der unfehlbare Lehrer der Kirche, wenn er vom Stuhle Petri aus lehre. Durch dieſen Beſchluß wurde allerdings nur ein längſt im Papſtthum liegender Gedanke zur Lehre des katholiſchen Abendlandes erhoben, aber das Papſtthum ſelbſt iſt damit auf einer Höhe angekommen, von welcher aus es mit innerer Nothwendigkeit in immer tieferen Widerſpruch gegen Gottes Wort kommen muß. Denn der Papſt iſt von jetzt an nicht nur nicht mehr an die göttliche Offenbarung in der Schrift gebunden, ſondern auch nicht einmal mehr an die kirchliche Tradition, für deren Träger er ſich bis dahin erklärte; vielmehr iſt er ſelbſt als die Quelle der göttlichen und ſittlichen Wahrheit hingeſtellt und damit an die Stelle Gottes und Chriſti geſetzt.
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