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Nachfolger, welche dieſes Recht perſönlich von dieſem apoſtoliſchen Stuhl erlangt haben werden(Salvo tamen honore Henrici regis et successorum illius, qui hoc ius personaliter ab hac apostolica sede impetraverint). Der Rechtsbruch ſollte nur damit verſchleiert werden..
9) Alle Patriarchen, Erzbiſchöfe, Biſchöfe und großen Aebte des Abendlandes mußten ſeit Gregors VII. energiſcher Wirkſamkeit vom Papſt beſtätigt werden und ihm den Lehnseid ſchwören.
y) Die Eheloſigkeit oder der Cölibat der ſämmtlichen Prieſter, welcher von der allgemeinen Synode zu Nicäa 325 noch rerworfen, dagegen von römiſchen und ſpaniſchen Provincialſynoden gefordert war, wurde durch Gregor VII. ſeit 1074 abendländiſches Kirchengeſetz(Vgl.§. 18, 2, d). Gregor erreichte dies letztere gegen den Widerſpruch unzähliger Biſchöfe und Prieſter hauptſächlich durch die Aufhetzung und Gewiſſens⸗Beunruhigung des Volkes, indem er durch fanatiſche Mönche die ſchriftwidrige und unkatholiſche Lehre verbreiten ließ, alle Amtshandlungen verheiratheter Prieſter ſeien vor Gott und zur Seligkeit der Menſchen null und nichtig. Das geängſtigte und wüthend gemachte Volk erſchlug oder vertrieb darauf die beweibten Prieſter und litt nur noch unverheirathete in ſeiner Mitte. Sämmt⸗ liche Cleriker aber wurden durch die Eheloſigkeit ihrem Vaterland entfremdet und in einen großen päpſtlichen Mönchs⸗ orden verwandelt.
§) Der Glaube an die höhere Würde des Papſtthums gegenüber Kaiſern und Königen wurde durch Gregors Erfolge in den Herzen der abendländiſchen Katholiken feſt begründet..
*2) Den Kaiſern wurde durch ſeine Liſt in Italien ein ſtarkes Gegengewicht bereitet, indem die Normannen als Lehnsliute und Beſchützer der römiſchen Kirche“ feierlich angenommen wurden und dieſelbe gegen deutſche Macht vertheidigten.
50) Er hehn endlich auch mit Erfolg jene kluge, aber treuloſe und dem Wort Gottes widerſprechende päpſtliche Politik, welche die Macht der deutſchen Könige durch Aufwiegelung der Fürſten und durch Unterſtützung der Empörer und Verſchwornen, unter Eidesendbindung, Bann und Interdict, im Laufe von zwei Jahrhunderten zu brechen gewußt hat. Ueberblicken wir dies Alles, ſo müſſen wir ſagen, daß nur eine theilweiſe Wahrheit in dem Wort lag, welches Gregor VII. am Ende ſeines Lebens als Verbannter zu Salerno ausrief: Weil ich Gerechtigkeit geliebt und Gottloſigkeit gehaßt habe, deßhalb ſterbe ich in der Verbannung(quia dilexi iustitiam et odi iniquitatem, propterea morior in exilio). Nach dem Maße ſeiner Erkenntniß und, ſoweit ſeine Vorurtheile über den Beruf des Papſtthums es zuließen, hatte er allerdings die Ehre Gottes und das Heil der Seelen fördern wollen, aber durch die Wahl der Mittel, welche er zu ſeinen Zwecken benutzte, hatte er ſich den Ungerechten und Gottloſen, gegen welche er zu kämpfen meinte, ſehr häufig gleichgeſtellt und hierdurch die ſtrafende Gerechtigkeit Gottes gegen ſich heransgefordert. Selbſt einer ſeiner treueſten Freunde und Mithelſer, Peter Damiani, Cardinal-Biſchof von Oſtia, ein ſtrenger Hierarch, aber ehrlicher Charakter, hatte dieſen Widerſpruch im Leben Gregors mit Entſetzen gefühlt und ihn deshalb„einen heiligen Satan“ genannt.
§. 27
Die Macht des Papſtthums von Gregor VII. bis zu Innocenz III. und von dieſem bis zur neueſten Zeit.
1) Unter wechſelnden Siegen und Niederlagen ſtieg die Macht des Papſtthums auch nach Gregor VII. immer höher, bis ſie unter Innocenz III. auf ihrem Gipfel ſtand.
a) Die Päpſte wußten dauernd zu hindern, daß das römiſch-deutſche Reich eine Univerſal⸗Monarchie würde, wozu es nach den Ottonen und Saliern noch einmal unter den Hohenſtaufen den Anlauf nahm. Wie ſie ſchon früher mit allen Mitteln die Bildung ſelbſtſtändiger Reiche in Europa begünſtigt hatten, z. B. Dänemarks, Schwedens und Norwegens im Norden; Polens, Böhmens und Ungarns im Oſten; des Normannenreiches in Süd-Italien, ſo ſtanden ſie auch in dem großen Kampfe der Hohenſtaufen auf Seiten des lombardiſchen Bundes gegen die Kaiſermacht. Nicht einmal den mittelbaren Einfluß, welchen Deutſchland durch ſeine Miſſions-Biſchöfe auf die Nachbarländer übte, ließen ſie beſtehen; ſie löſten die Verbindung des Bisthums Paſſau mit Ungarn ſchon im Jahr 1000 durch Gründung des Erzbisthums Gran; ſie trennten 1104 den Norden von Bremen⸗Hamburg durch Errichtung des Erzbisthum Lund; ſie ſtellten alle Nationalkirchen unmittelbar unter den römiſchen Stuhl.
b) Sie traten durch die Anregung der Kreuzzüge thatſächlich als die Oberhäupter des chriſtlichen Abendlandes hervor. So Urban II. 1096 zu Clermont, Eugen III. durch ſeine Briefe 1147, Gregor VIII. 1187, Innocenz III. 1204, Gregor IX. 1228 u. ſ. w.
c) Sie zwangen Kaiſer und Könige wiederholt, ſich ihren politiſchen oder kirchlichen Forderungen zu unterwerfen; z. B. Kaiſer Lothar II., Friedrich I. Barbaroſſa, Heinrich III. von England.
d) Den höchſten Gipfel der Macht erſtiegen ſie unter Innocenz III.(1198— 1206). Lothar, Graf Conti aus Anagni, der Neffe von Clemens III., ſtudierte zu Paris und Bologna, wurde durch Clemens III. zum Cardinal erhoben und beſtieg wegen ſeiner hervorragenden Gaben 1198 ſchon mit 36 Jahren den päpſtlichen Stuhl. Er verfolgte mit Gregor VII. dieſelben Ziele, aber er war demſelben überlegen an umfaſſender Bildung, an Innigkeit des Glaubenlebens, an Reinheit des Charakters, an Hochherzigkeit und Ruhe im Sturm der Zeiten, an königlicher Unbefangenheit gegenüber den Partheien. Im Beſitze der unermeßlichen Güter und Einkünfte ſeines Stuhles aß er nur aus hölzernem Geſchirr, trank nur aus gläſernem Becher; dagegen war er ein Helfer der Unterdrückten, der Wittwen und Waiſen, und ein Schrecken der Gewaltthätigen und Ruchloſen. Wegen ſeines unbefangenen und recht⸗ ſchaffenen Charakters ernannte ihn Conſtantia, die Wittwe Kaiſer Heinrichs VI, zum Vormunde ihres Sohnes Friedrich II., und Innocenz ſorgte väterlich für den Knaben, ließ ihm eine glänzende, auf Bildung und Vertrauen gegründete Erziehung geben, verwaltete ihm Neapel und Sicilien mit größter Sorgfalt und half ihm 1212 durch ſein


