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2 (1879)
Entstehung
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c) Er entſchied durch ſeinen Brief an Flavian von Konſtantinopel den Eutychianiſchen Streit und führte durch ſeine Legaten auf der allgemeinen Synode von Chalcedon 452 den Vorſitz(Vgl.§. 21, 1, b).

d) Er wußte Attila zum Rückzug von Rom zu bewegen und ſeinen politiſchen Einfluß in dem oft berrenloſen Italien immer weiter auszudehnen. Nur in Gallien verſuchte er vergeblich, die widerſtrebenden Biſchöfe ſich zu unterwerfen.. 4.

1 4) Als nach dem Untergang des weſtrömiſchen Reichs 476 JItalien keinen Regenten hatte, übten die Päpſte durch ihren kirchlichen Grundbeſitz und durch die biſchöflichen Gerichte die höchſte Gewalt aus. Kurz darauf erweiterten ſie ihren kirchlichen Einfluß durch die Bekehrung der Franken(Vgl.§. 24, 3, a- b). Im Jahr 502 ließen ſie bereits durch ein Concil beſchließen, daß ſie nur von Gott könnten gerichtet werden. Gregor der Große aber(590 604), der als reicher Patricier ſeinen Palaſt in ein Kloſter verwandelt, ſeine Güter der Kirche geſchenkt, als Haupt des Adels die Stadt regiert hatte, dehnte ſein kirchliches Gebiet durch die Bekehrung der Angelſachſen über England aus(Vgl.§. 24, 4) und legte damit den Grund für die ſpätere Herrſchaft der Päpſte auch in Deutſchland(Vgl.§. 25). In ſtolzem Selbſtgefühl nannte er ſich Knecht der Knechte Gottes(Servus servorum dei) und galt in den Augen der abendländiſchen Chriſten bereits als der höchſte Stellvertreter Gottes und Chriſti auf Erden. Da die übrigen Volker des Abendlandes dieſe hohe Meinung über die Päpſte gleich bei ihrer Bekehrung empfingen, z. B. die Longobarden ſeit 672, die Heſſen und Thüringer ſeit 723, die Sachſen ſeit Karl dem Gr., die Dänen, Schweden und Norweger ſeit den 9., bezw. ſeit dem 11. Jahrhundert u. ſ. w.(Vgl. §. 25, 35), ſo war die Verehrung der Päpſte von vorn herein ein Hauptſtück ihres Chriſtenthums.

5) Pipin der Kleine und Karl der Große beförderten daun durch zwei große politiſche Fehler, deren Tragweite ſie nicht ahnten, das Selbſtgefühl und das Anſehen der Päpſte in verhängniß⸗ voller Weiſe.

a) Indem Pipin und Karl es für nöthig hielten, der eine, ſich die fränkiſche Königskrone durch Papſt Zacharias beſtätigen zu laſſen, der andere, die römiſche Kaiſerkrone wie ein Geſchenk Gottes aus den Händen Leos III. zu empfangen, erweckten ſie unwillkürlich in den Herzen der Völker wie der Päpſte ſelbſt den Gedanken, der Papſt könne die Königskrone nach Belieben entziehen und verleihen, und ſelbſt die Kaiſerkrone des Abendlandes ſei ein Lehen des Papſtes und empfange von ihm ihre Würde, wie der Mond ſein Licht von der Sonne. Zwar Zacharias und Leo III. konnten dies noch nicht geltend machen, da ſie von den mächtigen Frankenfürſten ganz abhängig waren und denſelben den Lehnseid ſchwören mußten, aber bereits Johann VIII. erzwang von Karl dem Kahlen 875 bei deſſen Kaiſerkrönung die Erklärung, das Kaiſerthum werde auf die Fürbitte der Apoſtel Petrus und Paulus durch deren Stellvertreter, den Papſt verliehen. Und ſpäter konnten Gregor VII, Alexander III. und Innocens III. dieſe Auffaſſung noch entſchiedener durchführen.

b) Nicht weniger ſchädlich für das Verhältniß der Päpſte zu den Kaiſern war die. Verleihung(754) und Beſtätigung des Crarchats von Ravenna als Beſitzthum des heiligen Petrus(Patrimonium Petri). Die Päpſte, welche ohnehin ſchon die größten Grundbeſitzer Italiens waren, wurden hierdurch zu mächtigen italieniſchen Fürſten und zu gebornen Gegnern aller ausländiſchen Herrſchaft über Italien. Um ihre eigne politiſche und kirchliche Freiheit zu behaupten, mußten ſie ſeitdem naturgemäß gegen die kaiſerliche Oberhoheit kämpfen und hatten dabei die italieniſchen Patrioten auf ihrer Seite; ſo z. B. Alexander III. bei den Kämpfen Friedrich I. gegen den lombardiſchen Städtebund.

c) Aus dieſem Grund ſuchten die Päpſte auch zu vergeſſen, daß ihnen ihre fürſtliche Macht erſt von den Karolingern durch einen Gnadenact geſchenkt war. Es lauchte deshalb im 9. Jahrhundert in Rom eine gänzlich erdichtete, aber von der päpſtlichen Parihei für ächt ausgegebene Urkunde auf, nach welcher bereits Kaiſer Konſtantin im J. 312 bei ſeiner Taufe(Vgl.§. 12, 2) dem Papſt Sylveſter ganz Italien mit Rom übergeben und deßhalb nach Konſtantinopel gezogen ſein ſollte(Donatio Constantini)! Dieſer plumpe Betrug wurde gleich⸗ wohl geglaubt und als ein guter Rechtstitel gegen die Kaiſer geltend gemacht, z. B. mit voller Ueberzeugung durch Gregor VII. gegen Heinrich IV.

6) Die Karolingiſche Zeit brachte den Päpſten noch einen andern Machtzuwachs durch die in Mainz oder Rheims entſtandenen falſchen Iſidoriſchen Dekretalen(Pseudo-Isidorus). Der unbekannte Fälſcher, wahrſcheinlich ein Biſchof des fränkiſchen Reichs, wollte der Kirche und ihren Dienern einen kräftigen Schutz gegen die Gewaltthaten der weltlichen Großen verſchaffen: zu dem Ende erdichtete er eine, dem Biſchof Iſidor von Sevilla zugeſchriebene Sammlung päpſtlicher Dekrete aus den Jahren 90 384. Hierna ſtand die geſammte Kirche unter dem päpſtlichen Stuhl; der Papſt allein hatte die Gerichtsbarkeit über Biſchöfe, Erzbiſchöfe und Landesſynoden; Kaiſer und Nänige hatten in kirchlichen Dingen nichts zu beſtimmen; vielmehr ſtanden ſie ſelbſt unter der Kirchenzucht des Papſtes. Dieſe Urkundenſammlung tauchte zuerſt im Jahr 836 auf einer Synode zu Aachen auf und kam von dort 864 nach Rom; ſie wurde überall für ächt gehalten und von Papſt Nikolaus I. alsdann gegen König Lothar von Frankreich benutzt. Nachdem ſie Roms Herrſchſucht und Anmaßung trefflich befördert hatte, wurde ihre Unächtheit erſt im 14. Jahrhundert entdeckt. ee

7 Unter den Ottonen und unter den ſaliſchen Kaiſern bis auf Heinrich IV. machte die päͤpſtliche Gewalt keine Fortſchritte. Damals zeigte ſich unwiderſprechlich, daß das Kaiſerthum durch die ihm gebührende Schutzherrſchaft üͤber die Kirche und durch ſeine weltliche Macht dem Papſtthum ſtets auf ſo lange überlegen war, als die Kaiſer kirchlich geſinnte und fromme Männer waren. Die Ottonen und noch mehr der ſtrenge und herrſchverſtändige, aber auch auf Hebung des entarteten kirchlichen Lebens im Geiſte Karls des Großen bedachte Heinrich III. ſetzten