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2 (1879)
Entstehung
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§. 25.

Die Gründung der deutſchen Kirche durch Bonifatius und die Bekehrung der

Sachſen unter Karl dem Großen; die Anfänge des Chriſtenthums in Dänemark,

Schweden und Norwegen ſeit Ansgarius; die Bekehrung der übrigen euro⸗ päiſchen Völker und der Indianer in Mittel⸗ und Süd⸗Amerika.

1) Winfried, ſpäter vom Papſt Bonifatius, d. h. Verkündiger des Guten genannt, um 680 zu Kirton in Devonſhire aus einer fürſtlichen angelſächſiſchen Familie geboren und von ſeinem Vater zu einer weltlichen Laufbahn beſtimmt, faßte bereits als Kind in Folge des tiefen Eindrucks, welchen der Beſuch mehrerer frommen Geiſtlichen auf ſein Gemüth machte, den Entſchluß ein Diener Chriſti und der Kirche zu werden, und empfing darauf ſeine erſte Ausbildung vom 7. Jahr an auf den Kloſterſchulen zu Adescancaſter(Exeter) und Nutſchalling, wurde wegen ſeines Fleißes und ſeiner Kenntniſſe ſchon als Jüngling mit dem Unterricht Anderer beauftragt und trat 710 in den Prieſterſtand. Von 715717 verſuchte er im Anſchluß an Erzbiſchof Willebrord von Utrecht die Miſſion unter den Frieſen, jedoch vergeblich, weil dieſe im Chriſtenthum nur eine verhaßte fränkiſche Einrichtung erblickten..

a) Er wendete deßhalb ſeine ganze Kraft von jetzt an auf die Begründung der Kirche in Heſſen und Thüringen (723 739). Nachdem er 717 hierzu die Zuſtimmung Karl Martells, 718 auf einer winterlichen Romfahrt die nöthigen Vollmachten Papſt Gregors II. und durch einen mehrjährigen Aufenthalt in Utrecht bis 723 die unentbehr⸗ liche Bekanntſchaft mit der Volksſprache erlangt hatte, begründete er 723 mit Hülfe zweier Gutsbeſitzer, welche ſich bekehrten, ein Kloſter auf der Amanaburg(Amöneburg) und erbaute auf dem Keſterberg zwiſchen Wetter und Frankenberg die erſte Kirche in Heſſen. Nach dieſem wichtigen Erfolg empfing er auf einer zweiten Romreiſe die Biſchofsweihe für Deutſchland, ſchwur dem Papſt den Eid der Treue und des Gehorſams, erhielt durch päpſtliche Vermittelung einen Schutzbrief Karl Martells und gab nunmehr dem Heidenthum in Niederheſſen den Todesſtoß, indem er die Donnerseiche zu Geismar fällte und aus deren Holz die Peterskapelle auf dem Bürenberge bei Fritzlar erbaute. Seitdem ließen ſich Tauſende von Heſſen taufen und in das kirchliche Leben einführen. Gehoben durch dieſe Erfolge ging Bonifatius 725 nach Thüringen und gründete als Mittelpunkt ſeiner Miſſionsthätigkeit das Kloſter Ohrdruf. Mit Hülfe frommer angelſächſiſcher Männer und Frauen, welche auf ſeinen Ruf herbeikamen und unter welchem Lullus, der Begründer der Abtei Hersfeld und ſpätere Nachfolger des Bonifatius im Mainzer Erzbisthum, beſonders hervorragte, breitete er dann auch in Thüringen das Chriſtenthum aus und wurde 732 von Pabſt Gregor III. zum Erzbiſchof für das rechtsrheiniſche Dentſchland und 739 auf einer dritten Romreiſe zum päpſtlichen Legaten für ganz Deutſchland ernannt.

b) Er wandte nunmehr ſeine ganze Kraft auf die Herſtellung einer geordneten deutſchen Kirche im Anſchluß an Rom. Mit Unterſtützung des Herzogs Odilo von Baiern errichtete er Bisthümer in Salzburg, Freiſingen, Regens⸗ burg und Paſſau; mit Hülfe des ihm innig befreundeten Fürſten Karlmann, des Sohnes Karl Martells, eben ſolche in Erfurt, Würzburg und Cichſtädt für Thüringen, in Büraburg für Heſſen. Auf mehreren Synoden der geſammten rechtsrheiniſchen Kirche unter ſeinem Vorſitz ließ er unwürdige Prieſter entfernen und die Reſte des Heidenthums, z. B. das Eſſen von Pferdefleiſch, auf das Strengſte verbieten. Auch die Abhänglichkeit der ſämmtlichen deutſchen Biſchöfe vom römiſchen Papſt wußte er gegen den Widerſpruch der ältern, brittiſchen Geiſtlichen durchzuſetzen, weil er dies nach ſeiner ganzen Erziehung und Lebensführung für das einzig Richtige hielt. Seit 745 nahm er als Erz⸗ biſchof ſeinen Sitz in Mainz, nachdem der frühere Erzbiſchof Gewilip wegen verübter Blutrache abgeſetzt war, und verband mit dem Mainzer Erzbisthum die ſchon bis dahin von ihm allein verwalteten Diöceſen Erfurt und Büraburg, ſodaß dieſe niemals eigne Biſchöfe erhielten und bis zur Reformation zu Mainz gehörten.

c) Die gewaltige Wirkſamkeit des Bonifatius, welche die bis dahin getrennten Stämme der Alemannen, Franken, Heſſen, Thüringer und Baiern durch die kirchlichen Synoden zum erſten Mal einigte und in ihnen das Gefühl hervor rief, daß für Deutſchland eine neue, hoffnungsreiche Zeit angebrochen ſei, feſſelte die beſten Köpfe und die ernſteſten Charaktere unter dem heranwachſenden Geſchlecht an ſeine Beſtrebungen. Unter den hochgeſinnten Jünglingen und Männern, welcbhe ſich ihm anſchloßen, ſtand ihm aber keiner näher als der Franke Sturmi, welcher auf ſein Geheiß das Kloſter Monte Caſſino beſuchte und dann auf einem von den Karolingern geſchenkten Grundſtück in Buchonien die Abtei Fulda nach der Regel der Benediktiner anlegte. Die Schule dieſer Abtei wurde für Franken, Thüringen und Heſſen einer der wichtigſten Ausgangspunkte chriſtlicher Bildung und Geſittung, beſonders unter dem frommen und gelehrten Abt Nhabanus Maurus, der 822 842 an ihrer Spitze ſtand und 856 als Erzbiſchof von Mainz ſtarb.

d) Bonifatius ſelbſt ſtarb als Märtyrer. Ein Mann wie er, welchem die angeſtrengteſte Arbeit im Dienſt des Herrn zum Lebensbedürfniß geworden war, konnte auch als Greis nicht in der ſtillen Beſchaulichkeit des Kloſters Fulda verharren, in welche er ſich zurückgezogen hatte. Noch einmal wollte er verſuchen, ob er nicht die Frieſen, unter welchen er 715717 vergeblich gearbeitet hatte, für Chriſtum gewinnen könnte. Und es ſchien Alles gut zu gehen. Als er mit zahlreichen Gefährten, Geiſtlichen und Laien, 755 nach Friesland kam, fand er günſtige Aufnahme; die Zeiten und die Gemüther hatten ſich geändert; Tauſende nahmen das Evangelium an und ließen ſich taufen. Doch auch der alte heidniſche Fanatismus flammte noch einmal auf. Am Morgen des 5. Juni 755 wurde Bonifatius bei Dokkum, wo er eine Anzahl Getaufter firmeln wollte, von den Heiden überfallen und, da er ſeinen bewaffneten Begleitern die Gegenwehr unterſagte, mit dieſen zuſammen als Blutzeuge Chriſti getödtet. Sein Leichnam wurde ſpäter in Fulda beigeſetzt. In Friesland aber fand das Ahrien hunn nunmehr unter Pipin und Karl dem Großen um ſo entſchiedener Eingang, weil Bonifatius für daſſelbe geſtorben war.